Anton Burg (1767-1849)

Eduard Ritter (* 28. September 1808 in Wieden; † 5. September 1853 in Wien) war ein Wiener Maler des Biedermeiers, der hauptsächlich Alltagsszenen ("Genre") künstlerisch darstellte. Porträts wie das von Anton Burg, finden sich bei Ritter nur selten, es unterstreicht aber die Bedeutung Burgs für den Stadtbezirk Wieden.


Anmerkungen

  • Öl/Leinwand, 79,5 x 63 cm
  • li. u. auf Tischkante sign., dat.: „Eduard Ritter 1832“ rücks. auf dem Rahmen bezeichnet in Tinte: „geboren im Jahre 1767 in der Mitternachtsstunde von 24. bis 25. Dezember“
  • Neue Galerie Graz Universalmuseum Joanneum, Inv. Nr. I/1155
  • Der Hinweis auf den Geburtstag des "Christkindes" Anton Burg unterstreicht die Richtigkeit des Geburtsdatums "25. Dezember 1767", wie es auch in den Sobernheimer Kirchenbüchern zu finden ist.

Sobernheim an der Nahe


Die kurmainzischen Besitzungen an der Nahe hatten längst die Herren gewechselt, als Anton Burg (1724-1803) aus Reil an der Mosel, dem zweitgrößten Ort im Kröver Reich, nach Sobernheim kam und dort 1754 Maria Louisa Theresia Erff (1729-1807) heiratete. 

Das "Christkind" Anton Burg wurde vom 24. auf den 25. Dezember 1767 als 8. Kind von Anton Burg und Maria Louisa geb. Erff in Sobernheim an der Nahe geboren. Die Mehrzahl seiner Geschwister starben bald nach der Geburt oder im Kindesalt


Ein gesegnetes Alter wie seinen beiden Eltern war nur Anton Burg geschenkt, der am 8. Dezember 1849 in Wien mit 82 Jahren nach einem satten Leben, hochgeehrt von seinen Mitbürgern im Schaumburger Grund "an Altersschwäche" starb.


Anton Burg & Sohn - eine Institution im Stadtteil Wieden

Adressen von Anton Burg in Wien-Wieden 1805 - 1849


Reputation 1821
Entwicklung 1812 -1821

Pionier des Laufrades wurde Anton Burg mit dem Bau von Draisinen und dem Angebot von Fahrübungen auf der Draisine bei seiner Werkstatt in der Wiedener Favoritenstraße.

Nationale und internationale Anerkennung fand der erfindungsreiche Konstrukteur von Ackergeräten und Landmaschinen durch seine eigenen Maschinen und seine Landmaschinen-Sammlung, mit der er Museen, Kongresse und Messen bereicherte.



Von Boppard nach Wien

„In Boppard werden Sie immer ein armer Mann bleiben. Kommen Sie nach Wien.“, soll 1841 auf der Koblenzer Gewerbeausstellung Fürst Metternich zu dem Bopparder Möbel-Tischler Michael Thonet (1796-1871) gesagt haben. Wie Anton Burg vor ihm machte Thonet in Wien Karriere.


250. Geburtstag von Anton Burg am 25. Dezember 2017

Anton Burg, der Tischler von der Nahe

Anton Burg (* 25. Dezember 1767 in Sobernheim/Nahe; † 9. Oktober 1849 in Wien-Wieden) war ein deutscher Ackerbau-Werkzeugmacher und Maschinen-Fabrikant.

Eine frühe Spur von Anton Burg in Wien

Herkunft und Familie

Anton Burg wurde als eines von zehn Kindern des aus Reil im moselländischen "Kröver Reich" stammenden Anton Burg und der Maria Louisa Theresia geb. Erff am 25. Dezember 1767 im damals kurpfälzischen Sobernheim an der Nahe geboren. Im Jahre 1790 zog es den gelernten Tischler Burg in die Hauptstadt des Kaiserreichs nach Wien, wo er die 1763 geborene Katharina Wedl heiratete und 1798 die erste Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen gründete. Sein ältester Sohn Adam, der spätere Direktor des k.k. Polytechnischen Instituts in Wien, kam am 21. Januar 1797 zur Welt, der 1803 geborene Anton arbeitete von Jugend an im väterlichen Betrieb und erbte diesen nach dem Tod des Vaters.

Adam Burg, seit 1866 Freiherr von Burg, (1797 – 1882) erfuhr als Mathematiker und Förderer der industriellen Entwicklung zahlreiche öffentliche Ehrungen, Anton Burg jun. (1803 – 1869) setzte das Werk seines Vaters im Landmaschinenbau und durch sein gesellschaftlich-politisches Engagement in Wieden fort. Sein plötzlicher Tod am Silvestertag 1869 setzte seinem Wirken ein jähes Ende. Der Sohn von Anton Burgs Tochter Clara, der Ingenieur Anton Haas, übernahm 1870 nach dem plötzlichen Tod seines Onkels Anton die Firma in der Favoritenstraße.

Pionier der Laufmaschine

Nach einem Verzeichnis der Wiener Zeitung vom 9. Mai 1798 beteiligt sich der Tischler Anton Burg mit 1 fl. 30 kr. an dem für das Jahr 1797 ausgeschriebenen Kriegsdarlehen. Für 1798 ist "Anton Burg, Tischler" mit 1 fl. 34 kr. verzeichnet (Wiener Zeitung vom 23. Oktober 1799).

Das Wiener „Handlungs Gremien und Fabricken Adressen Buch des Oesterreichischen Kaiserthumes“ von 1812 bezeichnete Anton Burg als „Maschinen- (ökonomische) und Ackerbau-Werkzeugmacher“, bald besaß er in der Favoritengasse im aufstrebenden Bezirk Wieden ein eigenes Haus, in dem sich auch die Werkstatt befand.

Im Sommer 1817 erprobte der vom Dienst freigestellte badische Forstbeamte Karl Drais zwischen Mannheim und Schwetzingen und zwischen Gernsbach und Baden-Baden seine Laufmaschine und erhielt für den Bau des Gefährts ein Großherzoglich Badisches Privileg. Nachdem aber ein Privilegiengesuch von Karl Drais an den österreichischen Kaiser im November 1817 abgelehnt worden war, baute Burg die Draisine nach und richtete gegenüber dem Theresianum in der Favoritenstraße eine Schule für „Laufübungen auf der Draisine“ ein. Der geschäftstüchtige Maschinen-Fabrikant gestattete die Einübung der erforderlichen Geschicklichkeiten gegen eine Gebühr von 20 Kreuzer für eine Viertelstunde, 36 Kreuzer für eine halbe und einen Gulden für eine ganze Stunde. Burgs Draisine kostete zwischen 66 und 100 Gulden. Die Eipeldauer-Briefe von 1818 nannten die Laufmaschinen „Fiakersurrogate“, ihre Nutzer „Fußkutscher“ oder „Schnell-Laufer“.

1824 erhielten die Fabrikanten Anton Burg und Sohn ein „dreijähriges Privilegium auf die Erfindung einer auf drei Rädern ruhenden Maschine, mit welcher man sich selbst führen kann.“ Die Maschine hatte „zwischen dem Hinter-Rad und den beiden Vorder-Rädern, welche zum Behufe der Direkzion um eine vertikale Achse drehbar sind, einen Sattel, auf welchen die fahrende Person sich so setzt, daß sie mit den Fußspitzen noch den Fußboden berührt, um so, obgleich getragen, die Maschine vorwärts zu schieben.“

Bereits 1822 hatte Burg eine Maschine erfunden, „welche das Traben der Pferde vollkommen nachahmt und dem darauf Sitzenden eben die Gefühle verursacht und eben die Wirkungen hervorbringt, wie das Reiten. Durch künstlich und beliebig stärkere oder schwächere Erschütterungen, arbeitet sie den mit einer sitzenden Lebensart für den Unterleib verbundenen Uebeln entgegen.“

Insgesamt freilich blieb der Bau von Laufmaschinen eine Episode in der reichhaltigen Produktion der Fabrik "Anton Burg & Sohn".

Leistungen und Auszeichnungen

Anerkennung über Wien und Österreich hinaus fand Anton Burg, "welcher eine Hochschule zu besuchen keine Gelegenheit hatte, sondern seine Kenntnisse sich in Werkstätten und durch unabläßiges Selbststudium erwarb. Er war … factisch der Erste in Oesterreich, welcher sich auf die Erzeugung von landwirthschaftlichen Maschinen verlegte.“ Von 1797 an erfand, verbesserte und vertrieb er nützliche landwirtschaftliche Geräte von der Sämaschine über den Eisenpflug bis zu Mühlen und Wasserschöpfwerken, sammelte mehr als 400 Modelle landwirtschaftlicher Geräte, die er teilweise für Ausstellungen in den Franzensmuseen von Wien und Brünn zur Verfügung stellte. Als Richter auf dem Schaumburgergrund im Stadtteil Wieden machte er sich durch die Regulierung der Straßen, die Einführung der Straßenbeleuchtung, die Gründung einer Kinderbewahr- und der Trivialschule sowie durch die weise und sparsame Verwaltung des Gemeindevermögens verdient und erwarb durch sein caritatives Engagement 1822 den Ehrentitel eines „k.k. Armenvaters“.

Für seine Leistungen und Verdienste erhielt der Hofmaschinist und Eigentümer der „K. K. Hofackerwerkzeug- und Maschinenfabrik Anton Burg & Sohn“ 1811 die Erlaubnis, den kaiserlichen Adler führen zu dürfen, und 1827 das Bürgerrecht der Stadt Wien ehrenhalber. 1876 gab die Stadt Wien der Verbindung zwischen Klagbaumgasse und Lambrechtgasse im Stadtteil Wieden den Namen Anton-Burg-Gasse.

Ein Nachbau der Laufmaschine von Anton Burg und Informationen zur Familie Burg sowie zur Werkstatt "Anton Burg und Sohn" finden sich im Rheinhessischen Fahrradmuseum Gau-Algesheim.

Literatur

nach: WIKIPEDIA (nd)

Blick eines Zeitgenossen ("Eipeldauer Briefe" von 1818) auf die Laufmaschine des Anton Burg: „Kennens denn das nid? – das seyn di neumodisch’n Fueßkudscher, sö heissen’s d‘ Schnell-Laufer, da setzt m’r si auf aso a Maschinn und ruedertd dabei mid all’n zwaa Fuess’n dass di zwaa Raeder, dö s‘ d’ran sehen z’lauff’n anfangen, und da rennd nachdem d‘ Maschinn so schnell, dass erst neuli aner nid mehr als neun Minut’n gar nach Simmring abi kummen iß, dass seyn di zwaafuessig’n Fiakersurrogat’n, sö das iß a praechtichi Erfindtung, wann m’r si aso ageni Equipaschi hald’n kann, wo m’r s’Roß selber davon iß, dös kein Habern frisst und wo m’r kein’n Stall und ka Wag’nschupf‘n braucht, sundern glei in ein jed’n Zimmer einstell’n kann."

Die Maschine läuft auch nach 200 Jahren noch: der Vorsitzende unseres Trägervereins, Bernhard Trapp, auf dem Platz vor dem Schloss Ardeck mit einem Nachbau der Burgschen Draisine.

Burgs Trabmaschine (1822)

Artikel in der neuen Stadtgeschichte von Bad Sobernheim (2015)
Hrsg. Kulturforum Bad Sobernheim e. V., Verlag Matthias Ess, Bad Kreuznach