Aus der Gästeliste

Jakob Bugner               (Präsident des RV Rheinhessen)

Dr. Ludwig Hellriegel (Geistlicher Rat, Pfarrer i.R. )

Herbert W. Hoffmann (Präsident des Sportbundes Rheinhessen)

Peter Krawietz (Kulturdezernent der Stadt Mainz)

Prof. Dr. Norbert Müller (Universität Mainz, IOC) 

Sylvia Schenk                (Präsidentin des BDR)

Bilderbuch








Der Milde Westen



Berichterstattung über die Eröffnung 2002

Honig-Eimer als Gegenwert für einen Drahtesel. Fahrrad in allen Facetten: Museum in Gau-Algesheim dokumentiert Geschichte / Einzigartig in Rheinland-Pfalz

Von unserer Mitarbeiterin Ute Krebber

GAU-ALGESHEIM, AZ, 20. April 2002 – Radsport hat in Gau-Algesheim und Rheinhessen gleichermaßen Tradition. Mit der Einweihung des „Rheinhessischen Fahrradmuseums im Kurmainzer Schloss Ardeck Gau-Algesheim“ an diesem Sonntag schreibt die Stadt nicht nur lokale, sondern auch regionale Geschichte und schließt damit das Kapitel der jüngsten Schlosshistorie ab.

 „Das Rheinhessische Fahrradmuseum in Gau-Algesheim ist in Rheinland-Pfalz das erste seiner Art, ja das erste Sportmuseum überhaupt“, sagt der Museumsleiter Professor Dr. Heinz-Egon Rösch nicht ohne Stolz.

Der etwa 160 Quadratmeter umfassende Museumsbereich ist in vier Abteilungen gegliedert. Das älteste Exponat, ein Hochrad aus dem Jahre 1886, dient der ersten Abteilung als Blickfang. Hier finden sich auf Schautafeln und in Vitrinen vor allem Informationen über das Museum.

Vier Abteilungen

Die Facetten des Fahrrades als Verkehrsmittel im Alltagsgebrauch werden in der zweiten Abteilung beleuchtet. So etwa zu Kriegszeiten, als ein Kinderrad den Gegenwert eines Eimers mit Honig hatte. Gleichzeitig kann hier die Entwicklung der Fahrrad-Kultur in Rheinhessen nachvollzogen werden.

Der dritte Museumsbereich wird vor allem die Herzen der eingefleischten sportbetonten Radfahrer höher schlagen lassen. Neben antiken und modernen Rädern verdeutlicht eine breite Palette von Utensilien und Wettkampftrophäen dem Besucher die Faszination des Radports.

Auch Objekt der Kunst

Einen weiteren Schwerpunkt bietet das Museum zum Thema „Das Fahrrad in der Kunst“. Dabei sind nicht nur Objekte international bekannter Größen wie Pablo Picassos Skulptur „Stierkopf“ zu bewundern. Auch die Arbeiten von rheinhessischen Künstlern wie Liesel Metten oder dem Mainzer Kunstpreisträger Christoph Lahm werden hier gewürdigt. „Die Präsentation des Museums ist keine starre Angelegenheit“, erklärt Rösch. „Sein Innenleben wird sich ständig durch neu hinzukommende Objekte entwickeln. Besonderer Wert legt man auf museumspädagogische Angebote.

Pädagogische Angebote

„Nach Vereinbarung geben wir Führungen für Schulklassen, Kindergarten-, Volkshochschulgruppen und Fahrradclubs oder Gesichtsvereine“, ergänzt der Museumsleiter. Malwettbewerbe sowie die kreative Gestaltung von Fahrradobjekten komplettieren die Erlebnis-Palette des Museums.

Organisatorisch ist beim Rheinhessischen Fahrradmuseum inzwischen alles in trockenen Tüchern. Nachdem sich bereits letztes Jahr im März ein Förderverein für die Vorbereitungen des Museumsprojektes gegründet hat, wurde nun ein entsprechender Trägerverein ins Leben gerufen. Der Trägerverein für das Rheinhessische Fahrradmuseum kümmert sich um die organisatorischen Angelegenheiten, während der Förderverein die Finanzen im Griff hat.

Regionale Bedeutung

Mitglieder des Trägervereins sind die Stadt Gau-Algesheim, der Heimat- und Verkehrsverein sowie der Radsportverband Rheinhessen. Stadtbürgermeister Clausfriedrich Hassemer begrüßt diese Konstellation: „Damit ist die Brücke ins rheinhessische Umland geschlagen. Insofern bleibt das Fahrradmuseum kein lokales Ereignis, sondern bindet alle rheinhessischen Radfahrvereine und –freunde mit ein.“

Fahrradmuseum ein Glücksfall. Eröffnung mit BDR-Vorsitzender Sylvia Schenk / "Kultur des Miteinanders"

Von unserem Mitarbeiter Alfons Molitor

GAU-ALGESHEIM, AZ, 22. April 2002 - Strahlendes Wetter bescherte strahlende Laune, die bei der Eröffnung des Rheinhessischen Fahrradmuseums am Sonntag in Gau-Algesheim vorherrschte. Im Schlosshof gaben sich Radsportler und Prominenz ein Stelldichein. Die Contrast-Dixies unter Michael Kaiser sorgten musikalisch für lockere Stimmung. Stadtbürgermeister Clausfriedrich Hassemer nannte das Museum "einen Glücksfall für Stadt und Region". Die Anwesenheit von Sylvia Schenk als Mitglied des NOK (Nationales Olympisches Komitee) und als Bundesvorsitzende des BDR (Bund Deutscher Radfahrer) drückte der Veranstaltung einen besonderen Stempel auf und dokumentierte die Bedeutung, die dem ersten Sportmuseum der Region zugemessen wird.

70 Prozent radeln

"Sportgeschichte ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft", stellte Schenk fest, die sich im Hof des neu restaurierten alten Schlosses kurz fasste und dem Gedanken-austausch Raum ließ. Zuvor aber hatte sie noch mitgeteilt, dass 70 Prozent der Deutschen das Fahrrad nutzen, zumindest eines besäßen. Sylvia Schenk rief auf, Exponate zur Verfügung zu stellen und im Museum die Entwicklung des Fahrrades und der mit ihm einhergehenden Technik zu verfolgen. Ihr Dank galt den Initiatoren und der Stadt.

Wimpel aus 50er Jahren

Museumsleiter Professor Dr. Heinz-Egon Rösch bewertete das Radfahren als "Kultur des Miteinanders". Er freute sich, dass sein ehemaliger Schulfreund und der frühere Gau-Algesheimer Pfarrer, Dr. Ludwig Hellriegel - beide stehen übrigens für die Idee des Fahrradmuseums ein -, ihm einen Wimpel mitgebracht hatte aus dem Anfang der 50er Jahre, als sie gemeinsam die deutschen Lande, auch Rheinhessen, mit dem Fahrrad kennen lernten. Und Vertreter der Telekom schenkten ein Trikot des aktuellen Teams fürs Museum, natürlich signiert von Zabel, Ulrich und wie sie alle heißen. Die Grüße des Sportbundes Rheinland-Pfalz und Rheinhessen überbrachte Präsident Herbert W. Hofmann, der zugleich auch für den Präsidenten des Radsportverbandes Rheinhessen, Jakob Bugner, sprach. Der Dekan des Fachbereichs Sport an der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität, Professor Dr. Norbert Müller, der eine Tagung des IOC in Lausanne unterbrach, überreichte für das Museum einen Band, der unter anderen 29 Texte, darunter einen bisher noch nicht veröffentlichten des Begründers der Olympischen Spiele, Coubertin, enthält. Der stellt die Frage: "Weiß die Menschheit eigentlich, was sie dem Fahrrad verdankt?"

Erlös für neue Einrichtung

Grüße übermittelte zudem VG-Bürgermeister Dieter Linck, während dem RSV-Vorsitzenden Norbert Diehl das Schlusswort oblag. Er dankte allen fürs Kommen und gab bekannt, dass der Erlös des Tages, auch aus der Verköstigung, dem Museum zufließt und verwies auf die radsportlichen Einlagen rund um das Schloss. Am Morgen des Sonntags waren bereits in einer Sternfahrt Radler der verschiedenen rheinhessischen Radsportvereine nach Gau-Algesheim gekommen.

Wichtige Stützen

Clausfriedrich Hassemer hatte für Museumsleiter Rösch eine Gästebuch mitgebracht und nannte den Förderverein und den Trägerverein neben dem RSV als wichtige Stützen des Museums. Er dankte allen Leihgebern und Spendern von Exponaten, versicherte den Gästen auch den Stolz der Gau-Algesheimer, dass sich das alte Schloss nun als ein "Schloss für die Bürger" präsentiere. BDR-Vorsitzende Sylvia Schenk sah hierin Sinn, denn auch der Sport und seine Geschichte, wie im Rheinhessischen Fahrradmuseum erkennbar, verbinde Menschen miteinander. Nach der offiziellen Eröffnung feierten die Besucher noch bis in den Nachmittag bei Sport, Spiel und Unterhaltung.