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Spannende Fahrradmuseen

Hase Bikes zählt das  Rheinhessische Fahrradmuseum  zu den spannenden Fahrradmuseen.

Gazzetta - Netzmuseum


  • Besucher-Feedback

So sehen Besucher das Rheinhessische Fahrradmuseum

AZ-Sommerserie, 17. Juli 2018



Drahtesel-Geschichte zum Anfassen und Begreifen

Von Torben Schröder

GAU-ALGESHEIM - Die Sprachbilder sprudeln nur so aus Ernst Emil Busch heraus. Anfassen, um zu erfassen. Greifen, um zu begreifen. „Bei uns dürfen Sie am Rad drehen“, sagt der Leiter des Rheinhessischen Fahrradmuseums in Gau-Algesheim. 80 Exponate aus rund 200 Jahren Zweirad-Geschichte werden präsentiert. Auf manchen dürfen die Besucher aufsitzen, an Schaltungen drücken, Pedale bewegen. Man kann ein Hochrad mit 1,50 Metern Sattelhöhe erklimmen, das skurrile „Cavallo“-Schwingbike testen, Radballmaschine, Kunst- und Artistenrad ausprobieren. „Jedes Rad, das hier steht, hat eine Besonderheit“, erzählt Busch. Beispielsweise das über 100 Jahre alte Wanderer-Rad, das die Mainzer Familie Thierfelder über drei Generationen fuhr. Es gibt Renn-, Herren- und Damenräder aus diversen Jahrzehnten zu sehen, eine motorisierte Vélosolex von 1961 neben einem 25 Jahre alten Elektrofahrrad. Man kann den Ketten- und den weitaus weniger wirksamen Kardanantrieb vergleichen. Ein altes NSU-Rad hat sein Schloss im Steuerknopf, wie es sonst eher bei Motorrädern üblich ist. Neben lauter Rennrädern – etwa ein Modell des Rads, mit dem Francesco Moser 1984 erstmals in einer Stunde die 50-Kilometer-Grenze überschritt, oder die quietschgelbe Zeitfahrmaschine von Weltrekordler Laurent Jalabert – kommt auch das in den 80ern bei der Jugend schwer beliebte BMX-Rad zur Geltung. Und das Bonanzarad aus den 70ern, mit Bananensitzbank, Fuchsschwanz und einer Mittelschaltung, die wie ein Atari-Joystick aussieht. „Zum Fahren das schlimmste Fahrrad, das es jemals gab“, grinst Busch, „aber den Mädels hat es gefallen.“

Das Museum ist in fünf Abteilungen gegliedert. Historische, Alltags-, Sport- sowie Kinder- und Sonderräder werden gezeigt, außerdem gibt es auf den 160 Quadratmetern Ausstellungsfläche Kunst rund ums Fahrrad zu betrachten. Equipment, Doku- und Filmmaterial ergänzen die Ausstellung, es gibt Gemälde und zahlreiche Werbedrucke zu sehen – alles rund ums Fahrrad. Organisiert wird das alles von einem Zwölf-Mann-Team aus ehrenamtlichen Ruheständlern, die die Räder selbst reparieren und in Schuss halten, kassieren und putzen. Und das in prachtvoller Umgebung. Im Erdgeschoss des früheren Kurmainzer Schlosses Ardeck, dem vormaligen Sitz der VG-Verwaltung, ließ die Stadt das Museum mietfrei unterkommen. 1000 bis 1500 Besucher werden pro Jahr gezählt, wobei neben den regulären Öffnungszeiten auch Sonderführungen möglich sind. Mancher Geburtstag beginnt mit einem Sektempfang im Museum, die Macher laden Schulklassen ein oder besuchen sie mit Power-Point-Präsentation und Exponaten. Der Eintritt ist frei, gespendet wird nach eigenem Ermessen – pro Person nach Auskunft der Betreiber rund zwei Euro im Schnitt.

Dafür gibt es eine Menge zu sehen, chronologisch begonnen beim Nachbau einer Laufmaschine aus dem Jahr 1817. Ein Beispiel der ersten Räder mit Pedalantrieb Mitte des 19. Jahrhunderts ist im Original erhalten, bei einem englischen Lucas-Hochrad von 1885 baumelt eine der ersten Fahrradlampen an der Narbe des riesigen Vorderrads – eine in einem Metallbehälter befestigte Kerze. Der über viele Jahre von der Nieder-Olmer Künstlerin Liesel Metten gefahrene Drahtesel ist, künstlerisch verziert, ebenso zu sehen wie ein 150 Jahre altes Kinder-Rad. Auch die regionalen Vereine und Topsportler werden gewürdigt. Und das „Cavallo“, das der Ingenieur Hans Günter Bals vor 40 Jahren im Aktuellen Sportstudio vorstellte. Statt in die Pedale zu treten, muss man sich simultan auf und ab bewegen – ähnlich dem Reiten, woher das „Pferd“ seinen Namen bezieht. Dass das Museum vor 16 Jahren ins Leben gerufen wurde, ist dem Sporthistoriker Heinz-Egon Rösch zu verdanken. „Er hat hier seine Gedanken eingebracht, das Museum entspricht seinen Vorstellungen“, sagt Werner Schön, der Ehrenpräsident des Radsportvereins Gau-Algesheim. Beim 100. Jubiläum des Vereins 1998 hatte der inzwischen 86-jährige Rösch das Konzept eines regionalen Fahrradmuseums erstmals vorgestellt, durchaus auch mit dem Ziel, die Fahrradfreundlichkeit zu steigern. Und Fahrradgeschichte zum Anfassen und Begreifen zu bieten.

Das Rheinhessische Fahrradmuseum in der Schlossgasse 12, Gau-Algesheim, ist zwischen Ostern und dem zweiten Oktober-Wochenende sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Besuche außerhalb der Öffnungszeit/Kontakt: www.fahrradmuseum-rheinhessen.de; Tourist-Info in Gau-Algesheim: Telefon 06725/992143, Touristik@Gau-Algesheim.de

weiterlesen und hören ...

Museumsleiter Emil Busch im Gespräch mit dem Domradio Köln (6. August 2016)



Blick in die Region: Das Rheinhessische Fahrradmuseum

Bewegtes Museum

Zwei sachkundige Berichte aus unterschiedlichen Perspektiven

Leslie Reissner: The Rhenish Hesse Bicycle Museum

Leslie Reissner, kanadischer Consul and Senior Trade Commissioner aus Düsseldorf hat sich mit seinem Bericht nach einem Besuch im Rheinhessischen Fahrradmuseum als echter Freund des Fahrrads und des Radfahrens erwiesen.

Bericht im Regional-Magazin des VDI Rheingau vom April 2015

Seit vielen Jahren kooperiert das Rheinhessische Fahrradmuseum mit dem VDI Rheingau und dessen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Vorstandsmitglied Prof. Dr. Heinz-Ulrich Vetter. 

Das Fahrradmuseum unterstützt den Experimentiertag für Kinder, den der VDI-Bezirksverein Rheingau in der Stadthalle von Flörsheim am Main veranstaltet, mit technisch interessanten Exponaten, z. B. einem Balancier-Liegerad auf drei Rädern oder einem Kinder-Hochrad. Im Jahre 2015 findet diese Veranstaltung am 11. September statt.

Das ganze Heft (Artikel "Rheinhessisches Fahrradmuseum" S. 13f.)

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