EXPONATE

Laufmaschine von Karl Drais (Nachbau des Originals von 1817)


Laufrad und Michauline von 1865 (Pierre und Ernest Michaux aus Bar-le-Duc)


Michauline, Bantam- oder Crypto-Rad sowie Hochrad von 1886


Nachbauten der Laufmaschinen von Karl Drais (1817) und Anton Burg (1818)


Stichwort "Loda"

Drais gab seiner Laufmaschine zuerst den Namen "Loda" nach "locomotion" (frz. für Fortbewegung) und "dada" (frz. für Steckenpferd). Bereits ein Holzschnitt aus dem Jahre 1542 zeigt ein spielendes Kind mit einem Steckenpferd. Die Bezeichnungen Draisine oder Draisienne sind späteren Datums.

aus: Wikipedia

Historische Fahrräder vor dem Museum

Nach dem Ausbruch des Krakatau am 27. August 1883 schrieb Edvard Munch in sein Tagebuch: "Plötzlich färbte sich der Himmel blutrot, die Wolken aus Blut und Flammen hingen über dem blau-schwarzen Fjord und der Stadt."

 


Am Anfang stand ein Vulkanausbruch

Im April 1815 brach auf Sumbawa, einer der Kleinen Sunda-Inseln, der Vulkan Tambora aus und schleuderte ca. 160 Milliarden Kubikmeter Staub in die Luft. Die Staubteilchen wurden durch Luftströmungen um die ganze Erde verteilt und verursachten sogar noch in Europa Missernten und Hungersnöte. Der folgende Sommer, im Volksmund „Schneesommer“ genannt, war der kälteste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zahlreiche europäische Staaten erlebten Ernteausfälle, Hungersnöte und Wirtschaftskrisen, die viele Menschen zur Emigration veranlassten. In Frankreich und England kam es zu Aufständen, in der Schweiz musste sogar der Notstand ausgerufen werden. Wegen der Ernteausfälle kam es zu einem großen Pferdesterben in Europa und zu einem starken Anstieg der Haferpreise.

Insofern war Karl Drais mit dem griechischen Gott KAIROS, dem Gott des rechten Augenblicks und der günstigen Gelegenheit, im Bunde.

 

Die Laufmaschine aus dem Fahrradmuseum in einer WDR-Sendung

Sehr geehrter Herr Diehl,

mein Name ist Sascha Biermann; ich bin Requisiteur beim Westdeutschen Rundfunk.

Für unsere Sendung "Quarks & Co." sind wir auf der Suche nach einem Veloziped  - quasi dem Vorläufer des Fahrrads. Ich hoffe, Sie können uns da weiterhelfen. Dieses Fahrrad benötigen wir schon am 05.12.2008.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung

Mit freundlichen Grüßen

Sascha Biermann

Westdeutscher Rundfunk Köln, DPT- Ausstattung Requisite, Bocklemünd Geb. 9, Raum 206. Freimersdorfer Weg 6, 50829 Köln, Tel. + 4711 (0) 221/220 4711, Fax:+ 4711 (0) 221/220 4711, Diensthandy: 0173- 4711 47 11, email: Sascha.Biermann(at)WDR.de

Diese Mail ging am Nachmittag des 1. Dezember 2008 beim Rheinhessischen Fahrradmuseum ein und wurde an Albert Weis und den Museumsleiter Prof. Dr. Rösch weitergeleitet. Schnell wurden Informationen ausgetauscht und Absprachen getroffen. Der WDR holte die Laufmaschine im Museum ab, baute sie als Requisit in die Sendung "Vulkane – faszinierend und bedrohlich" in der technisch-naturwissenschaftlich ambitionierten Reihe "Quarks & Co" ein und brachte das Gerät auch wieder ins Museum zurück.

Unter der Überschrift "Das Jahr ohne Sommer. Wie ein Vulkanausbruch das Weltklima beeinflusste" erläuterte Moderator Ranga Yogeshwar den Zusammenhang zwischen dem Vulkanausbruch 1815 in fernen Indonesien, einer dadurch verursachten weitweiten Klimakatastrophe und der Präsentation einer Laufmaschine durch den badischen Forstmeister Karl von Drais im Jahre 1817. 

 


Zur Entwicklungsgeschichte des Fahrrads

Vom Mannheimer Schloss zur Relaisstation in Schwetzingen

Karl von Drais legte mit seiner Laufmaschine am 12. Juni 1817 die Strecke von „Mannheim bis an das Schwetzinger Relaishaus und wieder zurück, also 4 Poststunden Wegs in einer Stunde Zeit“ (ca. 15 km/h) zurück. Sechs Wochen später, am 28. Juli 1817, bewältigte Drais „den steilen, zwey Stunden betragenden Gebirgsweg von Gernsbach hieher (nach Baden-Baden) in ungefähr einer Stunde“ (ca. 6 km/h).

Die Verbindung zwischen den Residenzen Mannheim und Schwetzingen war ab 1740 als Chaussee ausgebaut worden. Sie wurde verbreitert und mit einer Kies- und Schotterschicht versehen. Für die kurpfälzischen Briefpostreiter, die abends um 7 Uhr von Mannheim abgingen und morgens um 7 Uhr aus Richtung Basel und Straßburg dort ankamen, und den Pfälzische Fahrpost hatte damit eine neue Zeit begonnen. Das im heutigen Rheinau gelegene Relaishaus, an dem man die müden Postkutschenpferde gegen frische tauschen konnte, wurde 1750 errichtet.  

Der Weg von der Laufmaschine des badischen Freiherrn von Drais zum alltagstauglichen Fahrrad für jede Frau und Jedermann ist ein wichtiger Abschnitt der Technikgeschichte im 19. und frühen 20. Jahrhundert.  Normalerweise gilt: "Natura non saltat!" (Die Natur macht keine Sprünge); nicht so die von kreativen Menschen vorangetriebene Entwicklungsgeschichte des Fahrrades:

  • 1817 Laufmaschine "Loda" (aus "locomotion" und "dada") des Karl Drais
  • 1865 Tretkurbelrad "Vélocipède" von Pierre und Ernest Michaux
  • 1870 Hochrad "Ariel" des James Starley  
  • 1884 Niederrad "Rover II" des John Kemp Starley

Vor allem dem "Sprung" von 1817 bis 1865 ging ein langer Anlauf voraus.

Was sagen dazu die Experten?

Dass 50 Jahre zwischen der Erfindung des Laufrads und dessen Mutation zum Fahrrad lagen, liegt an der Balancierangst der Bevölkerung. Denn Vierräder hatte es schon dazwischen gegeben. Am erfolgreichsten war der Engländer Williard Sawyer, dessen Firma mindestens seit 1851 bestand, und der seine Vierräder sogar an das englische Königshaus verkaufen konnte. Sein Vélocipède wurde mittels Trethebeln, an denen Lederschlaufen für die Füße befestigt waren, über eine Kurbelwelle angetrieben.

Bis heute nicht einwandfrei geklärt ist, wer als erster Pedale an ein Zweirad montierte. Immer wieder geistern Namen und Jahreszahlen durch die Fahrradgeschichte, oft von übereifrigen Patrioten genannt, um ihre Heimat als Geburtsland des Fahrrads hervorzuheben. Jahrelang galt Kirkpatrick Macmillan, ein schottischer Schmied, als erster, der mittels Schwinghebeln ein Zweirad antrieb. Dieses Velocipede wurde nach Angaben eines Zeitgenossen Macmillans im Jahr 1869 nachgebaut und ist heute noch erhalten. Sehr ähnlich ist Galvin Dalzells Zweirad, angeblich aus 1847, auch hierfür fehlt jeder Beweis. (Dalzell wäre übrigens zum Zeitpunkt seiner Erfindung 10 Jahre alt gewesen, würden die Angaben stimmen!) Die Franzosen führen Alexandre Lefebvre ins Rennen, der bei seiner Emigration nach Amerika ein Fahrrad mit sich führte, das angeblich schon 1843 entstand, und in deutschen Geschichtsbüchern scheint heute noch Philip Moritz Fischer auf, dessen auf 1853 datiertes Velocipede nachweislich erst 1869 entstand.

Wer war jetzt aber wirklich der Inventor des Pedalantriebs? Gemeinhin gelten Vater und Sohn Michaux als die Erfinder. Eine Geschichte erzählt, dass Pierre Michaux, ein Pariser Schmied, auf Anraten seines Sohnes Ernest an ein zu reparierendes Laufrad Kurbeln und Pedale montierte. Dem hat Pierre Lallement schon immer widersprochen. Lallement war Angestellter eines Kinderwagenherstellers und hatte zu seinem Privatvergnügen 1863 ein Zweirad gebaut, das er – so wie Lefebvre – bei seiner Emigration mit in die USA brachte. Dort ließ er es 1866 patentieren, das erste Patent für ein pedalgetriebenes Fahrrad. Als Pierre Lallement 1868 nach Paris zurückkehrte, musste er allerdings mit ansehen, dass Radfahren schon fast zu einem Volkssport geworden war. Pierre Michaux hatte bei der Weltausstellung 1867 zwei Exemplare seines Velocipedes vorgeführt und weltweite Aufmerksamkeit gefunden. Michaux tat sich mit den Brüdern Olivier zusammen, und so konnte die Firma Michaux & Co.  1868 am Tag  bereits 12 Einheiten herstellen! Aber auch ihm war langfristig kein Erfolg beschieden, die Brüder Olivier drängten ihn ein Jahr später aus seiner eigenen Firma, die in „la Compagnie Parisienne de Velocipedes“ umbenannt wurde und immer weiter expandierte. Michaux versuchte einen Neueinstieg unter eigenem Namen, wurde von den Olivier`s aber verklagt und ging Bankrott. (Radmuseum Altmünster am Traunsee)