Chronik 1898 - 1998

Herausgeber: Radsportverein 1898 e.V. Gau-Algesheim

Text: Norbert Diehl, Karlheinz Leoff

Fotos: Bieser, Lutz, Giegerich, Bernhard Peil

Layout: Woodstock Design, Gau-Algesheim

Druck: Druckerei Wolf, Ingelheim, 1998

 

 

Inhalt

  • Zum Geleit
  • Grußworte
  • Vereins-Chronik 1898-1998
  • Die Gründung des Radfahrervereins 1898 Gaualgesheim
  • Die Feier der Bannerweihe am 18. - 20. Juni 1904
  • Die Anfänge des Saalradsports in Gau-Algesheim
  • Jean Kling - das Gau-Algesheimer Rennfahrer-As
  • Das Gedächtnis der Toten des Ersten Weltkrieges
  • Die jüdischen Mitglieder des Vereins
  • „All Heil“ - „Heil Hitler“
  • Die ganze Stadt feiert mit beim goldenen Vereinsjubiläum 1948
  • Der Bau der Radsporthalle 1959/60 und die Erweiterungen von 1970 und 1988
  • Hermann und Robert Schön gewinnen 1977 den Europa-Cup
  • "De Kölsche Kall" lebt nicht mehr
  • Sport und Vereinsleben im Jahre 1997


Georg Heine aus Hannover

Volker Hassemer

Paul Ebrecht aus Bernburg

Walter Zuber

Fritz Neidhardt aus Nürnberg

Claus Schick

Karl-Heinz Pfaender

Wilhelm Albrecht aus Köthen

Clausfriedrich Hassemer

Fritz Neidhardt aus Nürnberg

Theo Hattemer

Richard Schulz aus Ottensen

Rüdiger Sterzenbach

Chronik des Radsportvereins 1898 e.V. Gau-Algesheim zum 100. Stiftungsfest am 21.-24. Mai 1998

 

Zum Geleit

Am 23. Mai 1998 wird der Radsportverein 1898 e.V. Gau-Algesheim einhundert Jahre alt. Eine Weise, den Gründern des Vereins sowie den verstorbenen Mitgliedern und Förderern Dank abzustatten und Respekt vor ihren Leistungen zu bezeugen, ist der Versuch, festzuhalten und zu dokumentieren, was uns Heutigen hinterlassen worden ist.

Für diejenigen, die seit über 60 Jahren oder der Nachkriegszeit zu den Gau-Algesheimer Radfahrern gehören, wird mit dieser ersten Geschichte des Radsportvereins ein Stück Vergangenheit wieder lebendig. Die Erinnerungen der ältesten Mitglieder reichen noch in die Zwischenkriegszeit zurück. Das sportliche und gesellige Vereinsleben hat sich damals in der engeren Heimat an Rhein, Main und Nahe abgespielt. Wirtschaftliche Not hat die Menschen damals Bescheidenheit gelehrt. Unsere Vereinsmitglieder, die als Kinder oder Jugendliche den Nationalsozialismus, den Krieg und die Nachkriegszeit erlebt haben, sind den größten Teil ihres Lebens dem Radsport und dem Radsportverein intensiv verbunden gewesen. Wie sich der Radsportverein Gau-Algesheim heute präsentiert, ist in einem hohen Maße ihr Verdienst.

Die Schrift soll aber auch den Jüngeren und den ganz Jungen zeigen, daß die Nachfolgenden immer auf den Schultern ihrer Vorgänger stehen, auch wenn die Zeiten und Verhältnisse sich ändern und neue Wege beschritten werden. Viele von ihnen werden in der Geschichte des Radsportvereins ein Teil ihrer eigenen Familiengeschichte wiederfinden. Denn auch für den Radsportverein Gau-Algesheim gilt, daß im Radsport häufig Söhne und Töchter in die Spuren ihrer Väter oder Mütter treten.

Auch wenn sich zukünftig die Vereine und das Vereinsleben grundlegend, vielleicht sogar bis zur Unkenntlichkeit wandeln werden, wenn die neueren Disziplinen des Radsport für die heutigen Hallenradsportvereine eine größere Bedeutung gewinnen, wenn jahrzehntelange Bindungen an einen Verein selten werden, sollten die Erfahrungen der Vergangenheit genutzt werden. Wer diese Schrift oder die Protokollbücher des Radsportverein liest, wird feststellen, wie ähnlich die Probleme zu verschiedenen Zeiten gewesen sind und mit welch großer Tatkraft, Verantwortlichkeit und praktischer Intelligenz unsere Vorfahren ans Werk gegangen sind.

Allen, die dazu beigetragen haben, daß dieses Buch zustande gekommen ist, und den Firmen, die die Herausgabe finanziell ermöglicht haben, sage ich von Herzen Dank.

Gau-Algesheim, 19. Januar 1998

Norbert Diehl, Vorsitzender des Radsportverein 1898 e.V.

 

GRUSSWORTE

Senator a.D. Dr. Volker Hassemer, Berlin, Schirmherr des Jubiläums

Der 100. Geburtstag des Radsportvereins ist ein wunderbarer Anlaß, mich vom fernen Berlin aus wieder einmal ganz als Gau-Algesheimer zu fühlen. Wunderbar nicht nur deshalb, weil es um einen 100jährigen geht. Auch nicht nur deshalb, weil dieser Gau-Algesheimer Sportverein regionale und immer wieder sogar nationale Bedeutung beanspruchen kann. Vor allem, weil ich mich ihm ganz persönlich eng verbunden fühle.

Als ich Ende der Fünfziger und Anfang der Sechziger Jahre mit dabei war, mischten wir Radball-Jugend­mannschaften schon bei den Deutschen Meisterschaften mit. Und wenn ich das aus der Ferne richtig beobachte, hat das bis heute angehalten.

Aber das war nur die Spitze des Eisbergs. Mir ist lebendig die große Kameradschaft in diesem Verein in Erinnerung, die Gemeinschaft zwischen alt und jung. Eine Gemeinschaft, aus der damals dann sportliche Erfolge, aber auch der Bau der neuen Halle entstehen konnten. Ebenso wichtig waren für mich unvergeßliche persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, aus denen ich gelernt habe und die ich dem Verein verdanke.

100 Jahre haben den Radsportverein 1898 e.V. Gau-Algesheim nicht zu einem alten Mann gemacht. Eher scheint sein Leitspruch zu sein: je oller um so doller.

Ich bin mir sicher, daß dies auch in seinem nächsten Jahrhundert so anhält.

 

Walter Zuber, MdL, Mainz, Minister des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz

Der Radsportverein 1898 e. V. Gau-Algesheim wurde am 23. Mai 1898 von Bürgern Ihrer Stadt im damaligen Gasthaus "Zum Deutschen Haus" gegründet. Im Frühsommer 1998 begeht er also sein 100jähriges Jubiläum, zu welchem ich die herzlichen Grüße und besten Wünsche der rheinland-pfälzischen Landesregierung übermittle. Zu den vielen sportlichen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr, insbesondere zu dem Festkommers am Gründungstag, den die Ortsvereine und Hallenradsportler der internationalen und nationalen Klasse gestalten, heiße ich alle Freunde des Radsports in Gau-Algesheim willkommen.

Auf Grund seiner langjährigen Erfahrung und des großen Engagements vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer wird der Radsportverein 1898 e. V. Gau-Algesheim auch in diesem Jahr für eine hervorragende Organisation der Veranstaltung Sorge tragen.

Ich danke all denen ganz besonders herzlich, die sich in ungezählten Stunden und in uneigennütziger Weise den Aufgaben des Radsports gewidmet und sich für die Belange des Vereins eingesetzt haben.

Dem Radsportverein 1898 e. V. Gau-Algesheim wünsche ich im Jubiläumsjahr 1998 viel Erfolg sowie den Mitgliedern, Besucherinnen und Besuchern frohe und erlebnisreiche Stunden in Gau-Algesheim.

 

Claus Schick, Ingelheim, Landrat des Kreises Mainz-Bingen

Der Radsportverein Gau-Algesheim wird 100 Jahre alt. Dazu möchte ich dem Verein, seinen Sportlern und Mitgliedern ganz herzlich gratulieren.

180 Jahre ist das Fahrrad alt. Ein immer noch attraktives Fahrzeug für Jung und Alt. Ob im Gesundheits-, im Sport- oder Freizeitbereich, das Fahrrad ist ein fester Bestandteil unseres Lebens. Vom Trekking-Bike übers City-Bike bis zum Rennrad reicht die Palette der Modelle. Rasche Wechsel und immer wieder neue Trends beflügeln den Fahrradmarkt. Immerhin werden pro Jahr rund sieben Millionen Fahrräder verkauft.

Fahrradfahren ist und bleibt ein beliebter, weil gesunder Freizeitsport. Dies zeigen die traditionellen Veranstaltungen des „Volksradfahrens“ und die steigenden Teilnehmerzahlen beim Rhein-Radeln. Rund 100.000 Menschen kamen 1997 an den Rhein, um einen autofreien Tag zu genießen.

Doch Fahrradfahren kann auch Leistungssport sein. Ob beim Kunstradfahren, Radball oder Radrennen - auch hier gilt: nur durch Training kommt man zum Erfolg.

Sport als eine Quelle von Lebensfreude abseits von Medaillen und Rekorden bereichert das Leben unzähliger Menschen.

Ich wünsche dem Radsportverein 1898 e.V. Gau-Algesheim ein schönes Jubiläumsjahr mit vielen sportlichen Höhepunkten.

 

Karl-Heinz Pfaender, Gau-Algesheim, Bürgermeister der Verbandsgemeinde

Der Radsportverein 1898 e.V. Gau-Algesheim feiert seinen 100. Geburtstag. Viele Freunde, Gönner und Mitglieder freuen sich über dieses Jahrhundert-Ereignis.

Als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim gratuliere ich allen Beteiligten ganz herzlich und übermittele die Grüße und Glückwünsche des Rates, der Verwaltung und der Bevölkerung der Verbandsgemeinde.

Der Radsportverein Gau-Algesheim hat sich ein Jahrhundert hindurch mit großem Erfolg bemüht, seinen Sport der Bevölkerung nahe zu bringen, insbesondere aber die Jugend für diesen Sport zu begeistern. Der Verein hat allen Stürmen und Bedrängnissen der Zeit standgehalten.

In seiner traditionsreichen und wechselvollen Geschichte hat der Verein nicht nur die Interessen seiner Anhänger und Mitglieder gedient, sondern auch der gesamten Bürgerschaft von Gau-Algesheim wertvolle sportliche und gesellschaftlich wichtige Impulse gegeben. Dies nicht zuletzt durch die bereitwillige Zurverfügungstellung der Radsporthalle für andere städtische Vereine und Institutionen.

Deshalb möchte ich heute all denen danken, die ihre Freizeit - oft unter Zurückstellung persönlicher Interessen - für den Verein eingesetzt haben und weiterhin einsetzen. Ich verbinde damit zugleich meine besten Wünsche für ein weiteres blühendes Vereinsleben zum Wohle unserer Bevölkerung. Möge die 100. Wiederkehr des Gründungstages dem Radsportverein die eindrucksvolle und überzeugende Bestätigung seines bisherigen Wirkens bringen, aber auch zugleich neue Impulse für die vor ihm liegenden Aufgaben geben.

Allen Besuchern der Jubiläumsveranstaltungen und den Einwohnern der Stadt Gau-Algesheim gelten meine herzlichen Wünsche.

 

Clausfriedrich Hassemer, Gau-Algesheim, Bürgermeister der Stadt

Die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger gratulieren dem Radsportverein 1898 e.V. Gau-Algesheim herzlich zu seinem 100. Geburtstag.

Seit seiner Gründung ist der „Radfahrerverein 1898 Gaualgesheim“ eine gestaltende und nicht wegzudenkende Kraft unseres vielfältigen Vereinslebens - sein Vereinsabzeichen enthält schon immer das Wappen unserer Stadt. Früher gab es kein Fest ohne die Mitwirkung der Corso- und Reigenfahrer; heute bereichern die Kunstradfahrerinnen und Kunstfahrer immer wieder das Programm vieler Veranstaltungen.

Wie kein zweiter Gau-Algesheimer Sportverein trug der RSV den Namen unserer Stadt über die Grenzen der engeren Heimat hinaus. Seit Anfang der Sechziger Jahre sind Sportler des Vereins bei nationalen wie internationalen Meisterschaften gestartet. Von diesen Wettbewerben brachten sie manche Siegertrophäe in unsere Stadt.

Der Verein erweist sich seit jeher als dynamisch und entwicklungsfähig zugleich. Zu den seit langem gepflegten Disziplinen Kunstradfahren und Radball, zu dem in der Region bekannten Gau-Algesheimer Volksradfahren kamen in letzter Zeit Radtreffs, die jedermann offen stehen, der zu einer Tour in die nähere Umgebung starten will.

Daß der Radsportverein auch für Bürger und Gruppierungen unserer Stadt seine gastliche Radsporthalle zur Verfügung stellt, verdient Anerkennung. Damit erfüllt der Verein eine beachtliche öffentliche Aufgaben. In dieser Halle manifestiert sich vielleicht am deutlichsten, was ein Verein leisten kann, wenn viele fleißige Hände zupacken und sich immer wieder Menschen für den Verein in Dienst nehmen zu lassen.

Ich wünsche dem Radsportverein 1898 e.V. einen erfolgreichen Verlauf des Jubiläumsjahres und im nächsten Jahrhundert der Vereinsgeschichte weiterhin sportliche Erfolge.

 

Theo Hattemer, Gau-Algesheim, Vorsitzender des Vereinsrings

100 Jahre Vereinsgeschichte schreibt nun schon der Radsportverein Gau-Algesheim. In mehreren Veranstaltungen feiert er dieses schöne Jubiläum. Im Namen aller Gau-Algesheimer Vereine gratuliere ich sehr herzlich.

Der Radsportverein 1898 e.V. zählt zu den traditionsreichen Vereinen unserer Stadt. Über ein Jahrhundert schon ist er ein unverzichtbarer Bestandteil unseres reichen Vereinslebens gewesen. Immer dann, wenn es ein besonderes Fest zu feiern gilt, sind die Sportlerinnen und Sportler des Radsportvereins dabei und tragen mit ihren Darbietungen zum Gelingen eines Festes bei. Alljährlich veranstaltet der Verein das beliebte Gau-Algesheimer Volksradfahren, das weit über Gau-Algesheim hinaus Zuspruch findet. Auch mit der vereinseigenen Halle unterstützt der Verein Lebendigkeit und Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. Viele Jahrgänge, Familien und Vereine finden hier einen passenden Ort zum Feiern.

Ich möchte dem Verein für die zahlreichen Aktivitäten in den vergangenen Jahren danken. Zugleich wünsche ich viel Erfolg im Jubiläumsjahr und versichere den Radsportverein der Unterstützung der Ortsvereine. Alles Gute für viele weitere Jahre.

 

Prof. Dr. Rüdiger Sterzenbach, Dernbach, Präsident des Landessportbundes

Zum 100jährigen Bestehen entbiete ich dem Radsportverein 1898 Gau-Algesheim die herzlichen Glückwünsche des Landessportbundes Rheinland-Pfalz und meine ganz persönlichen.

Der Radsport hat in Gau-Algesheim Tradition und der Verein hat diese Sportart weit über die Gemeinde und die Region hinaus bekannt gemacht. Mit seinen mehr als 200 Mitgliedern bietet er sportlich eine ganze Menge für junge Menschen, aber auch für ältere Menschen. Das Jubiläumsprogramm ist ein Beweis dafür, zu was dieser Verein sportlich und gesellschaftlich fähig ist.

Vor allem waren es natürlich die Kunstradsportler und Radballer, die den RSV national bekannt gemacht haben. Aber viele andere Initiativen, wie etwa der Bau der Radsporthalle, beweisen die großartige Eigenleistungen, die heutzutage vor allem in Sportvereinen möglich sind. Dies ist nur denkbar, weil es immer wieder Frauen und Männer gibt, wie in Gau-Algesheim, die bereit sind, ehrenamtlich einen großen Teil ihrer freien Zeit dafür zu opfern, daß anderen Sporttreiben überhaupt erst möglich wird.

Der Radsportverein Gau-Algesheim kann auf eine großartige Vergangenheit zurückblicken und er wird eine ebenso große Zukunft vor sich haben. Dafür garantieren alle, die in diesem Verein sich dem Radsport verschrieben haben.

Ich wünsche für alle Festveranstaltungen viel Erfolg und dem Verein alles Gute für die kommenden 100 Jahre.

 

Manfred E. Böhmer, Köln, Prasident des Bundes Deutscher Radfahrer

Liebe Freunde des Radsports, liebe Mitglieder der RSV 1898 e. V. !

Ein 100-jähriger Geburtstag ist auch für einen Verein kein alltägliches Jubiläum. Einhundert Jahre sind ein langer Zeitraum - mit Höhen und Tiefen, guten und schweren Zeiten. Ihre Gemeinschaft kann auf ein abwechslungsreiches Vereinsleben zurückblicken. Das beweist die Vereinschronik, die in dieser Festschrift zum 100jährigen Stiftungsfest sehr anschaulich die Geschichte des Vereins von 1898 bis 1998 schildert.

Der Bund Deutscher Radfahrer gratuliert Ihnen zum 100-jährigen Bestehen und dankt dem Verein und seinen Mitgliedern für das große Engagement bei der Pflege und Förderung des Radsports in seiner Vielfalt. Insbesondere für die Arbeit in der Halle und auf dem Gebiet des Breitensports. Sie haben den Mut gehabt, eine eigene Halle zu bauen. Der sich daran anschließende sportliche Aufschwung im Verein hat Sie dafür belohnt.

Seit nunmehr 100 Jahren sind Sie ein fester Bestandteil der großen Radsportfamilie im BDR. Das Jubiläum wird mit einer Anzahl von Veranstaltungen würdig begangen. Der BDR wünscht einen angenehmen Verlauf und den Mitgliedern ein gutes Miteinander. Mit Freude haben wir zur Kenntnis genommen, daß zu den Festivitäten ein nationales Turnier für Radball-Schülermannschaften zählt. Das läßt darauf schließen, daß Ihr Verein auf dem richtigen Wege in die Zukunft ist. Die Pflege des Nachwachses muß uns allen ein besonderes Anliegen sein.

Herzlichen Glückwunsch zum 100-jährigen Jubiläum. Alles Gute für die Zukunft. Viele sportliche Erfolge und viel Spaß bei den Geburtstagsfeiern.

 

Heinz-Peter Rüffin, Montabaur, 1. Vorsitzender Radsportverbandes Rheinland-Pfalz

„Anfangen ist oft das Schwerste, treubleiben das Beste."

Mit diesem Wort eines klugen Mannes gratuliere ich allen Mitgliedern im Radsportverein 1898 e.V. Gau-Algesheim zum 100-jährigen Bestehen ihres Vereins ganz herzlich.

Es war sicher schwer, aber gut, daß sich am 23. Mai 1898 15 Gau-Algesheimer zusammengeschlossen hatten, um im Verein Saalsport und Rennsport zu betreiben.

Und es ist gut, daß sich in all den Jahren über viele Generationen immer wieder Männer und Frauen und Jugendliche begeistern ließen, in ihrer Freizeit dem Radsport treuzubleiben und das Leben im Verein mitzugestalten.

Das umfangreiche Programm mit den vielfältigen Aktivitäten im Jubiläumsjahr beweist eindrucksvoll, wie lebendig der Verein auch nach 100 Jahren ist. Somit haben sich die Hoffnungen der Gründer, „daß der jung Verein blühen und gedeihen möge, voll und ganz erfüllt.

Im Namen des Radsportverbandes Rheinland-Pfalz mit seinen 200 Vereinen und mehr als 15.000 Mitgliedern danke ich allen im RSV für ihren je spezifischen Beitrag, mit dem sie sich heute und auch künftig für unsere Sportart und für ihren Verein einsetzen.

Mit sportlichen Grüßen und besten Wünschen für ein segensreiches Jubiläumsjahr

 

Jakob Bugner, Klein-Winternheim, 1. Vorsitzender Radsportverband-Rheinhessen

Wenn der Radsportverein 1898 e. V: Gau-Algesheim in diesem Jahr auf eine 100-jährige Tradition zurückblicken kann, ist dies ein Grund zu einer großen Feier. Mit dem Bau der Radsporthalle ist der Verein vor vielen Jahren den richtigen Weg gegangen, die Sportler können öfter und intensiver trainieren und viele sportliche Erfolge sind damit verbunden.

Für viele Menschen ist das Radfahren in den letzten Jahren zu einer beliebten Freizeitbetätigung geworden, da eine Radtour durch die freie Natur ideal ist, um sich auf schöne und gesunde Weise vom beruflichem Alltag zu erholen.

Aber auch der Radsport erfreut sich immer größerer Beliebtheit und es ist keineswegs nur der Straßenrennsport, sondern auch Kunstrad-, Radball- und Radpolosport, die immer mehr begeisterte Anhänger finden.

Beim Radsportverein 1898 e. V. Gau-Algesheim wird sehr intensiv Radball, Kunstradfahren und Breitensport betrieben. Ich würde mich freuen, wenn die Festtage Impulse für das Radtourenfahren, das Mountainbikefahren, sowie dem Radpolosport geben könnten. Die Veranstaltung des Deutschland-Pokal 1998 im Vierer- und Sechser-Kunstradfahren ist der sportliche Höhepunkt im Jubiläumsjahr.

Im Namen des Vorstandes des Radsportverbandes Rheinhessen und zugleich im Namen aller rheinhessischen Vereine übermittele ich einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und verbinde damit die besten Wünsche für eine lange Zukunft. Mögen alle Mitglieder das sportliche Engagement, die Freude bei der Sportausübung und die Geselligkeit auch weiterhin in den Mittelpunkt stellen.

 

 

Vereins-Chronik 1898-1998

23. Mai 1898

Im Gasthaus „Zum Deutschen Haus“ von Johann Josef Schaberger gründen 15 Bürger der Stadt den „Radfahrerverein Gaualgesheim“. Zum 1. Vorsitzenden wird der 29jährige Dr. med. Quirin Mayer gewählt. Das Vereinsabzeichen trägt rot-weiße Farben in der Mitte einen Kreis mit dem Stadtwappen und der Aufschrift Radfahrerverein Gaualgesheim 1898. Der Radfahrerverein fährt beim 50jährigen Stiftungsfest des Gesangvereins „Cäcilia“ (26./27. Juni 1898) einen Blumencorso beim Festzug und übernimmt das Meldereiten mit dem Fahrrad. Die ersten Vereinsrennen am 30. Oktober 1898 verzeichnen als Sieger: 14 km Erstfahren: I. Toni Reidel, 29.15 Min., Weinservice & gold. Medaille; II. Ludwig Röder, 30.10 Min., silb. Pokal & silb. Medaille; III. Franz Deister, 32.10 Min , ff. Brieftasche & bronc. Medaille. 6 km Ermunterungsfahren: I. J. Lang (Sporken­heim),10.15 Min., Sweater & gold. Medaille; II. Jakob Schmitt, 10.59 Min., Geldtasche & silb. Medaille; III. Nic. Dengler, 11.05 Min., ff. Tintenlöscher & bronc. Medaille.

1901

Bei der Buchdruckerei Karl Reidel erscheinen die ersten Satzungen des Vereins, einschließlich einer Fahrordnung, Bestimmungen der Tourenprämierungen, einer Übersicht der Signale und einer Geschäftsordnung.

24. November 1901

Der erste Vereinsball findet in der Turnhalle zur Feier des Geburtstages Seiner Königl. Hoheit des Grossherzogs Ernst Ludwig und Ihrer Königl. Hoheit der Grossherzogin Eleonore statt.

23. Februar 1903

Der Verein veranstaltet seinen ersten Maskenball im „Hotel Kaiser“ (Wirt: August Hattemer), dem heutigen St. Nikolaushof der Mitglieder Emil und Klaus Hattemer.

19./20. Juni 1904

Die festliche Bannerweihe verbunden mit dem 6. Stiftungsfest erfährt einen guten Zuspruch bei der Bevölkerung der Stadt sowie den benachbarten Radfahrervereinen.

9. Juli 1905

Die Gau-Algesheimer Radfahrer nehmen am 10jährigen Stiftungsfest des RV Kirn teil. Der erste Start im Preisreigenfahren bringt ihnen auch den ersten Sieg.

1. Juli 1906

Die Radfahrer geleiten beim 25jährigem Jubiläum des Männergesangvereins in Winzerkostümen und mit rebengeschmückten Fahrrädern Sr. Kgl. Hoheit Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein zum Festplatz.

26. März 1907

Sechs Reigenmaschinen der Marke „Opel“ werden für 320 Mark beschafft.

1908-1912

Krise des Vereins: einzelne Gründungsmitglieder verlassen den Verein; das 10jährige Stiftungsfest wird nicht gefeiert, die Reigenmaschinen werden verkauft.

3. Dezember 1912

Zusammenkunft weniger Mitglieder unseres früher so glänzend dagestandenen Radfahrer-Vereins auf Veranlassung des Kassierers Nicolaus Dengler und des Schriftwartes Quirin Feser im Vereinslokale Kaspar Jacob Kühn. Die Versammlung wählt als Generalversammlung einen neuen Vorstand, nachdem die Abrechnungen für 1911 und 1912 durch die Mitglieder Moritz Seligmann und Peter Kleisinger geprüft worden sind. Die wahl zum 1. Vorsitzenden fällt einstimmig auf Wilhelm Hassemer.

20. November 1914

Letzte Versammlung im Krieg. Unter der Leitung des Fahrwartes Seligmann wird beschlossen, unseren Mitgliedern eine Feldpostpackung mit Cigarren, Cigaretten, Chocolade & Cognac zu schicken und sollen dieserhalb die Mitglieder Wilh. Fetzer & Peter Kleisinger mit unserem Kassierer Rücksprache nehmen. Im Krieg sind bereits der Präsident Wilhelm Hassemer, Quirin Feser, Georg Presser, Richard Link, Baptist Ockstadt., Jean Körner, Franz Kessler und Heinrich Kleisinger.

15. September 1919

Erste Versammlung nach fünfjähriger Kriegsdauer. Nach dem Gedenken des auf dem Felde der Ehre gefallenen Mitgliedes Baptist Ockstadt durch Erheben von den Sitzen wird der seitherige 1. Vorsitzende Wilhelm Hassemer wiedergewählt.

16. Februar 1920

Zum ersten Mal nach dem Krieg veranstaltet der Radfahrerverein am Fastnachtsmontag in der Turnhalle einen Maskenball. Der Rheinische Volksbote vom 19. Februar schreibt darüber: Am Montag fand in der hübsch geschmückten Turnhalle wieder einmal der Vereinsball der Radfahrer statt. Der Besuch war gut, die Stimmung rosig, der Verlauf gemütlich, wie es bei den Radfahrern immer gewesen.

6. September 1920

Beitritt zum Hessischen Radfahrerbund; Vertreter des Vereins bei den Bundesversammlungen ist der Fahrwart Georg Presser, der später Vorsitzender des Hessisch-Nassauischen Radfahrerbundes wird.

23. Januar 1921

Der Verein führt ein „Saalsportfest“ zum Zwecke der Werbung für den Saalradsport durch. Reigenmannschaften aus Ginsheim, Musik, Tanz und die Verlosung eines Fahrrades um Mitternacht finden einen guten Anklang, so daß nach Abschluß der Veranstaltung 2.438,10 Mark für die Vereinskasse übrig bleiben.

5. September 1921

In einer Monatsversammlung wird die Einteilung der Streckenbesetzung beim Meisterschaftsrennen des Hessisch-Nassauischen Radfahrerbundes, das über 100 km durch Rheinhessen, geregelt. Der Verein hat die Strecke Ockenheim-Ingelheim zu betreuen. Jean Kling, der ambitionierteste Rennfahrer des Vereins, belegt bei diesem Rennen in der B-Klasse den 3. Platz.

25. Dezember 1921

Für Versammlungen und Festlichkeiten werden auf Kosten des Vereins 30 Exemplare des „Deutschen Radfahrer-Liederbuches“ bestellt, die im Besitz des Vereins bleiben.

1922/1923

Wegen der abnormen Zeitverhältnisse (so das Protokoll vom 27. Dezember 1922) wird zuerst eine bescheidene Feier des 25jährigen Jubiläums beschlossen, dann die Feier auf das Jahr 1925 verschoben.

9.-11. Mai 1925

Die Feier des 25jährigen Jubiläums wird in einem der Zeit angemessenen bescheidenem Rahmen begangen. Die beiden Vorsitzenden Wilhelm Hassemer und Quirin Feser präsentieren sich mit den Ehrendamen und dem Bannerfahrer Baptist Hattemer. Sieben Wochen später, am 27.-29. Juni 1925, wirkt der Verein bei der Nachfeier des 75. Stiftungsfestes des Gesangvereins „Cäcilia“ mit.

19. Juni 1933

Eine Außerordentliche Generalversammlung zur Umsetzung der Gleichschaltung, d.h. der Einführung des Führerprinzips in den Vereinen, bringt keine personellen Veränderungen im Vorstand.

20./22. Juli 1935

Der Radfahrerverein fährt mit 45 Fahrern einen Blumenkorso beim Festzug anläßlich des 75jährigen Stiftungsfestes der Freiwilligen Feuerwehr.

9. Mai 1936

Peter Hollenbach, am 7. November 1921 als Mitglied mit dem Wohnort Louisville in den Verein eingetreten, wird während eines Besuches seiner Vaterstadt mit einer Erinnerungsplakette geehrt. Der Text lautet: Unserem treuen Sportkollegen Peter Hollenbach in Dankbarkeit gewidmet, Radfahrerverein 1898 - Gau-Algesheim.

2. August 1936

Zwei Schulreigen-Mannschaften nehmen an einer Olympia Sport-Werbeveranstaltung der Gau-Algesheimer Sportvereine teil.

8. November 1936

Bei einer Kreistagung der Vereinsführer des Reichsbundes für Leibesübungen in Nieder-Ingelheim wird mitgeteilt, daß alle Jugendfahrer im Jungvolk oder in der Hitlerjugend sein müssen.

15. Juni 1937

Mitglieder des Vereins übernehmen die Streckensicherung an der Gau-Algesheimer Kreuzung auf der Etappe Frankfurt-Köln bei der Deutschlandfahrt.

26. September 1937

Insgesamt 22 Fahrer bestehen die Prüfung zum Deutschen Radsportabzeichen: Jakob Smink, Josef Schmitt (Aktive), Karl Kölsch, Jean Kling (Altersfahrer), Franz Krichten, Erich Janicaud, Peter Jos. Hang, Franz Kleisinger, Eduard Pröbsel, Hans Barth, Philipp Leoff, Friedrich Hilgert, (Jugend), Rudolf Metz, Erich Kling, Heinz Schaberger, Karl Wallenstein, Hans Kling, Josef Hang, Josef Pröbsel, Wendelin Kornely (Schüler).

26. März 1938

Generalversammlung legt als endgültigen Termin für das 40jährige Jubiläum den 26. Juni 1938 fest. Dem Verein gehören an: 30 Aktive, drei passive Mitglieder, neun Jugendfahrer, 23 Schülerfahrer. Erstmals ist mit dem Radballspielen begonnen worden.

16. Juni 1938

Bei den HJ-Rennmeisterschaften in Mainz nehmen die Fahrer Philipp Leoff, Karl Kölsch jun., Josef Hang und Erich Kling an der Gelände-Orientierungsfahrt über 15 km teil. Beim Straßenrennen über 26 km siegt Hans Kling vor August Smink.

26. Juni 1938

Mit einem Saalsportfest, bei dem Kunstradfahren, Radball und erstmals Rollschuhlaufen gezeigt werden, einem Festball und Ehrungen wird das 40jährige Jubiläum im Saalbau Kühn gefeiert. Der amtierende Deutsche Meister im Sechser-Kunstradfahren vom RV Bischofsheim führt die Liste der Gäste aus der Region an.

15. September 1938

In einer Vorstandsitzung wird bekanntgegeben, daß der Jakob Smink beim Rennen „Rund um Frankfurt“ unter 70 Fahrern den 16. und beim „Großen Straßenpreis von Mannheim“ unter 80 Fahrern den 6. Platz belegt hat. In Budenheim erringen die Radballer Josef Hang, Frz. Krichten, Eduard Pröbsel und Frz. Kleisinger den 2. Preis.

28. April 1940

Letzte Generalversammlung im Kriege; acht eingezogene Mitglieder haben Neujahrsgrüße durch den Verein erhalten: Josef Kaiser, Adolf Schmitt, Willi Hassemer, Erich Janicaud, Josef Hang, Franz Kleisinger, Casimir Reichert, Jakob Smink.

1946/47

Der Sportbetrieb wird nach dem Krieg aufgenommen. Unter der Leitung von Ernst Knewitz trainieren in der Turnhalle das Reigenfahren: Kunigunde Hattemer, Alice Heinrich, Resia Jouaux, Christel Schwarz, Jenny Wolf, Roselie Wolf, Reinhold Fuchs, Josef Hang, Alex Hattemer, Philipp Jost, Erich Kling, Karlheinz Leoff, Konstantin Müller, Eduard Pröbsel, Herbert Scheurer und Hans Schlich. Trainiert von Konrad Hang, beleben Hans Joachim/Ernst Rohleder und Willi Haupt/Karlheinz Leoff wieder das Radballspiel. Vom RV Appenheim werden vier Frisch-Auf-Radballmaschinen erworben und instandgesetzt.

28.-30. August 1948

Diesmal feiert die „Cäcilia“ ihr Jubiläum vor den Radfahrern. In den ersten Wochen nach der Währungsreform genießen die ganze Stadt und viele auswärtige Gäste Sport, Unterhaltung und Geselligkeit bei der Feier des Goldenen Vereinsjubiläums in Markthalle und Turnhalle. Die Radfahrer sind noch eine Abteilung innerhalb der Sportvereinigung Gau-Algesheim.

22. Mai 1949

In einer Mitgliederversammlung erklären 52 Anwesende durch ihre Unterschrift, dem Verein auch weiterhin als Mitglieder anzugehören. Die Neubildung des Vereins kann zum 1. Juni 1949 vollzogen werden, nachdem die Genehmigung der französischen Mi­litärregierung vorliegt.

25. Mai 1952

Der Verein präsentiert bei einer Werbeveranstaltung für den Hallenradsport internationale Gäste aus Frankreich und der Schweiz sowie deutsche Spitzenmannschaften aus Hechtsheim (Radball) und Bischofsheim (Gruppenfahren) in der Markthalle.

26. Juni 1953

Das Nachrichtenblatt der Stadt Gau-Algesheim berichtet über eine Initiative des 1. Vorsitzenden der Sportvereinigung, Otto Doré, die das Ziel verfolgt, eine gemeinsame Sportstätte für alle sporttreibenden Vereine zu errichten. In zwei folgenden Ausgaben des Nachrichtenblattes erscheinen die z.T. gegensätzlichen Stellungnahmen des Turnvereins und der Sportvereinigung. Auch eine Fusion der beiden Vereine wird in die Diskussion gebracht. Der Radfahrerverein unter seinem Vorsitzenden Johann Krichten beteiligt sich nicht an der öffentlichen Debatte.

12. Juli 1953

Die erste Mannschaft in der Besetzung Ernst Rohleder, Hans Joachim, Reinhold Fuchs, Philipp Hassemer, Karlheinz Leoff und Emil Hattemer belegt den 1. Platz beim Verbandsfest in Undenheim.

9. Mai 1954

Eine zweite Werbeveranstaltung für den Hallenradsport in der Turnhalle führt Welt- und Deutsche Meister, z.B. im Radball die Gebrüder Willi und Rudi Pensel (Kulm­bach) und den Deutschen Jugendmeister 1953 Heinz Lemb/Werner Orth (Hechtsheim) oder im Einerkunstfahren Edi Grommes (Bonn), nach Gau-Algesheim.

25. September 1954

Mit 35 gegen drei Stimmen spricht sich eine außerordentliche Generalversammlung im Saal Georg Hofmann für den Fortbestand des Radfahrervereins aus und lehnt damit einen neuerlich beabsichtigten Zusammenschluß der hiesigen sporttreibenden Vereine ab. Die Erstellung einer eigenen Übungshalle wird erstmals diskutiert. Eine erste Spende in Höhe vom DM 300,- und Gelände vom 300 qm zum Tausch für einen Bauplatzes werden aus der Versammlung angeboten.

16.-18. Juli 1955

Die Bürger der Stadt Gau-Algesheim und ihre Gäste feiern den 600. Jahrestag der Stadtwerdung. Die Radfahren beteiligen sich mit einem Schaufahren im Festzelt.

2.-4. August 1958

Der Verein feiert sein 60jähriges Bestehen in Verbindung mit dem 10. Verbandsfest des Radsportverbandes Mittelrhein. Neben der 1. Mannschaft im Sechser-Kunstfahren mit Hans J. Feser, Hans Fleckenstein, Emil Hattemer, Ernst Rohleder, Klaus Schön und Werner Schön vertreten den Verein im Kunstfahren Waltraud Hessel, Gerhard Bolenz, Norbert Diehl, Clausfriedrich Hassemer, Otto Schmitt, Joachim Wald, Peter Wald und im Radball die Mannschaften Ernst Rohleder/Werner Schön, Hans Fleckenstein/Klaus Schön, Werner Schmitt/Franz Gerner, Hermann-Josef Hassemer/Gerold Schmitt, Hans-Günther Groß/Hans-Peter Kowarik und Theo Wetzler/Peter-Josef Weil.

28. Februar 1959

Die Jahreshauptversammlung im Weinhaus Jost beschließt mit 38 Stimmen gegen eine Stimme bei drei Enthaltungen den Bau einer eigenen Trainingshalle. Für den Bauplatz schenkt die Witwe des langjährigen Vorsitzenden Wilhelm Hassemer (1912-1934) und Mutter des Kasserers Willi Hassemer dem Verein ein Grundstück an der Appenheimer Straße; vom Nebenlieger Karl Kaiser soll weiteres Gelände erworben werden.

8./9. Mai 1960

Die Radsporthalle wird ihrer Bestimmung übergeben und durch Pfarrer Geistlichen Rat Josef Krämer eingeweiht. Die Mitglieder haben 5.612 Stunden Eigenhilfe geleistet. Aufgrund der verbesserten Trainingsmöglichkeiten nehmen Radball und Kunstradfahren einen Aufschwung, der sich in überregionalen Erfolgen ausdrückt. Bis 1997 haben insgesamt 35 Sportlerinnen und Sportler des Radsportvereins Gau-Algesheim an Deutschen Hallenradsport-Meisterschaften teilgenommen. Viele Trainer, Betreuer und Schlachtenbummler haben mitgezittert und die Freude und Enttäuschungen über Erfolge und Niederlagen geteilt.

28./29. Oktober 1961

Erste Teilnahme von Sportlern des Vereins an einer Deutschen Meisterschaft: Gerold Schmitt und Volker Hassemer belegen in Hof den 6. Platz im Turnier der Radball-A-Jugend: Eine Verletzung von Gerold Schmitt verhindert eine bessere Plazierung.

29.-30. September 1962

Werner Schmitt und Volker Hassemer erringen als erste Gau-Algesheimer Radsportler eine Medaille bei den Deutschen Meisterschaften in der Frankfurter Festhalle. Hinter den Mannschaften von Oker/Harz und Darmstadt belegen die Radballer, die von Ernst Rohleder betreut werden, mit 41:24 Toren und 14:6 Punkten den 3. Platz. Zum ersten Mal nehmen auch Kunstradfaherinnen und Kunstradfaherer des RSV an einer Deutschen Meisterschaft teil. Sie erzielen folgende Ergebnisse: Elke Mayer/Irmgard Tyroller im 2er-Kunst, Jugend, 9. Platz, Georg Lindemann im 1er-Kunst, Jugend, 12. Platz und Manfred Mayer/Georg Lindemann im 2er-Kunst, Jugend, 5. Platz.

2.-4. Oktober 1964

Bei den Deutschen Meisterschaften in Wiesbaden belegen Manfred Mayer und Georg Lindemann im Zweier-Kunstfahren der Jugend den 3. Platz. Bis heute ist dies die beste Plazierung von Gau-Algesheimer Kunstfahrern bei einer Deutschen Meisterschaft. Bürgermeister Wilhelm Bischel überreicht den Sportlern wertvolle Buchgeschenke.

18. Februar 1967

Johann Krichten, der dem Verein als Schriftführer in den Jahren 1919-53 und als 1. Vorsitzender seit dem 24. Januar 1953 dient, übergibt im Alter von 70 Jahren den Vereinsvorsitz an den 31jährigen Werner Schön.

21.-24. September 1967

Hans Joachim, Bundesschiedsrichter für Radball seit 1965, wird als Spielleiter für die Hallenradsport-Weltmeisterschaften in Baden-Wettingen/Schweiz nominiert. Wegen seiner Entscheidungsfreudigkeit und der Unmißverständlichkeit seiner Art der Spielleitung genießt Hans Joachim bei Sportlern und Kollegen hohen Respekt.

12.-15. Juli 1968

Das 70. Stiftungsfest des Radfahrervereins 1898 Gau-Algesheim wird in Verbindung mit dem 21. Verbandsfest des Mittelrheinischen Radfahrer-Verbandes gefeiert.

4. August 1969 - 30./31. Juli 1970

Erste Erweiterung der Radsporthalle zur Bergseite hin. Mit der Einweihung des Erweiterungsbaus durch Pfarrer Jakob Stumpf wird ein Vergleichskampf zwischen den Radsportverbänden Mittelrhein und Württemberg verbunden.

24. Februar 1971

Der Ehrenvorsitzende Johann Krichten (geb. 29. April 1896) stirbt wenige Wochen vor seinem 75. Geburtstag.

26. August - 10. September 1972

Pia Bischel, Nachwuchs-Kunstfahrerin des RSV, nimmt am Olympialager der Radsportjugend anläßlich der Olympischen Spiele in München teil.

19./20. Mai 1973

Mit der Feier des 75jährigen Bestehens des Radsportvereins wird eine Reihe von Veranstaltungen in einem sportlich erfolgreichen Jubiläumsjahr eingeleitet.

13./14. Oktober 1973

Hermann Schön und Willi Ströbel erringen in Altena den Titel des Deutschen Schüler-Meisters im Radball. Die Nachricht verbreitet sich mit Windeseile und trotz des Weinfestes finden sich bei der Ankunft der Sportler und ihrer Begleiter viele Menschen am Möbelhaus Mayer ein. Mit dem Musikzug Gaulsheim/Gau-Algesheim an der Spitze geht es zum Festzelt, wo Verbandsbürgermeister Heinrich Hessel und Vereinsvorsitzender Werner Schön die Deutschen Meister offiziell begrüßen.

9. Dezember 1973

Eine Kunstfahrveranstaltung im Rahmen des Jubiläumsjahres muß wegen des infolge der Ölkrise bestehenden Sonntagsfahrverbotes abgesetzt werden.

31. März 1974

Bei der Bundeshauptversammlung des Bundes Deutscher Radfahrer in Bad Lauterberg wird Hans Joachim für besondere Verdienste um die Förderung des Radsportes mit der Goldenen Ehrennadel des BDR ausgezeichnet.

14. September 1975

Beim 1. Gau-Algesheimer Volksradfahren beteiligen sich 138 Jugendliche und 83 Erwachsene. Den größten Zuspruch mit mit jeweils knapp 1.900 Freizeitradlern findet die Veranstaltung in den Jahren 1981 und 1982. Bis 1997 verzeichnet das Gau-Alges­heimer Volksradfahren insgesamt über 22.000 Teilnehmer.

1976

Große Erfolge der Radballspieler bei den Jugendlichen und Aktiven: Günter Burkart und Wolfgang Schneider werden in Schramberg-Sulgen Süddeutscher Meister und schaffen den Aufstieg in die Regionalliga Süd. Hermann Schön und Heinz Schmitt gewinnen in Straubing des Titel eines Süddeutschen Meisters; Bernd Hassemer und Robert Schön vervollständigen den Doppelsieg der Gau-Algesheimer Radsportler. Bei den Deutschen Hallenradsport-Meisterschaften in Ulm vertreten Pia Bischel im Einer-Kunstfahren der Frauen, Achim Stark im Einer-Kunstfahren der Jugend und die Radball-Mannschaft Schön/Schmitt und Hassemer/Schön die Farben des Radsportvereins.

August 1976

Die erste Nummer der von Wolfgang Schneider und Norbert Diehl herausgegebenen Vereinszeitung findet eine positive Resonanz. Die Zeitung belegt 1980 beim Wettbewerb des Sportbundes „Wir suchen die beste Vereinszeitung“ unter 180 Mitbewerbern in der Gruppe III den 3. Platz, der mit 350,- DM honoriert wird.

7./8. Mai 1977

Nach einem Vergleichskampf zwischen Rheinhessen und Württemberg werden den Gästen die Schönheiten des Mittelrheins zwischen Bingen und St. Goar gezeigt.

21. Mai 1977

Herrmann und Robert Schön gewinnen in Heerlen/Niederlande den Titel eines Europacup-Siegers der Junioren im Radball.

24./25. September 1977

Nach dem Gewinn des Europacups sichern sich die Gebrüder Schön in Straubing auch den Titel eines Deutschen Meisters.

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16. - 21. Mai 1978

„Deutsche Woche“ in der französischen Partnerstadt Saulieu. Der Radsportverein reist am 19. Mai mit zwei Bussen und einem Transporter, der die Räder, Radballtore und Netze trägt, nach Saulieu. Er hinterläßt mit seinen sportlichen Darbietungen bei den Gastgebern einen guten Eindruck, gewinnt Freunde für seinen Sport und trägt zur Vertiefung der Freundschaft zwischen den Menschen beider Städte bei.

16. September 1978

Feier des 80. Stiftungsfestes des Radsportvereins in der Radsporthalle

30. August 1980

Zum ersten Mal unternehmen Mitglieder und Freunde des Radsportvereins eine Tagesfahrt mit dem Bus. Ziel ist die Moselstadt Trier.

11. April 1981

Der Radsportverein richtet der Hallenradsport-Länderkampf Deutschland gegen Frankreich der Jugend und Aktiven aus. Fast 1.000 Besucher, Sportler und Betreuer füllen die Schloß-Ardeck-Sporthalle.

12.-17. August 1981

Zwölf Mitglieder der Radtouristikabteilung (Rudi Baumgärtner, Karl-Heinz Baumgarten, Werner Buss, Karl-Heinz Dorn, Stefan Hassemer, Norbert Jouaux, Erwin Menges, Herbert Nohl, Heinz Schaubruch, Axel Schmitt, Fritz Zerban, Hildegard Zerban) unternehmen eine Drei-Etappen-Fahrt in die Partnerstadt Saulieu/Cote d’Or. Die Helfer des DRK-Ortsvereins Diethard Grundl, Jürgen Hemmersbach, Heribert Janz begleiten und betreuen die Fahrer. Bürgermeister Franz Josef Bischel verabschiedet die Gruppe gemeinsam mit Theobald Ed. Hattemer, seit 1969 Präsident der Gesellschaft für internationale Verständigung e.V., und dem Vorsitzenden des RSV Werner Schön.

29. August 1982

Frank Weber nimmt als erster und einziger Radrennfahrer des Vereins mit seinem Betreuer Heinz Schaubruch an der Deutschen Meisterschaft im Einer-Straßenfahren der Jugendklasse B in Tittling/Passau teil. In der Spitzengruppe liegend stürzt Frank Weber in der letzten Runde schwer und kommt nicht ins Ziel. Zum Fahrerfeld gehört der heute bekannte Radprofi Udo Bölts vom RV Schopp.

19. September 1982

Zum ersten Mal richtet der Radsportverein Gau-Algesheim in der Schloß-Ardeck-Halle die Rheinland-Pfalz-Meisterschaften im Kunstradfahren aus.

5. Juni 1983

Zur Deutschen Meisterschaft im Einer-Straßenfahren über 60 km der Jugendklasse A fahren Frank Weber und sein Betreuer Heinz Schaubruch ins Saarland nach Losheim.

30. Juni 1984

Karl Kölsch gibt auf dem Marktplatz den Startschuß für die Radtouristikfahrer Rudi und Markus Baumgärtner, Werner Buss, Karl-Heinz Dietz, Erwin Menges, Harald Pitzer, Heinz Schaubruch, Jörg Spengler, Heino Zerban, die in sieben Etappen nach Caprino Veronese fahren. Der Radsportverein besucht als erster Verein nach der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde am 26. Mai 1984 die Partnerstadt in Oberitalien.

22. Mai 1987

Erneuter Baueinsatz: Die Radsporthalle soll zur Straßenseite hin um ein Foyer von 20 qm und weitere Räume für Werkstatt, Fahrradlager und das Mobiliar erweitert werden.

19. Oktober 1987

Der Vorstand dankt den beiden Mitglieder Hans Joachim und Rudi Deister, durch deren persönlichen Einsatz es möglich gewesen ist, drei Kunstfahrräder für das Jugendzentrum Centre des Jeunes Gatenga in Kigali instandzusetzen und auf die Reise nach Ruanda zu schicken. Ein Rad wird vom RSV Mainz-Ebersheim gestiftet. Die Frachtkosten werden vom Landesministerium des Innern und für Sport übernommen.

8. Mai 1988

Mit der Einweihung des Erweiterungsbaus wird zugleich das 90jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Bei der Akademischen Feier belohnen die Anwesenden einen Rückblick von Pfarrer Dr. Ludwig Hellriegel auf die Geschichte des Fahrrads und die musikalische Umrahmung der Feier durch Mitglieder der Katholischen Kirchenmusik mit viel Applaus. Der sich anschließende „Tag der offenen Tür“ mit Darbietungen der RSV-Sportler ist ein Erfolg.

 

22. Oktober 1988

Der Radsportverein richtet der Hallenradsport-Länderkampf Deutschland-Belgien aus.

12. November 1988

WM-Revanche in der Radsporthalle mit den Weltmeistern Jan und Jindrich Pospišil (Brünn/Mähren), Thomas und Andreas Steinmeier (Lieme), Toni Lebert und Wolfgang Schneider vom RV Hechtsheim sowie den einheimischen Hermann und Robert Schön.

23. Februar 1992

Der Radsportverein ehrt in einer Akademischen Feier Karl Kölsch für 70 Jahre Mitgliedschaft, Hans Joachim für 40 Jahre Mitarbeit im Vorstand und Werner Schön für 25 Jahre Leitung des Vereins als 1. Vorsitzenden.

14. Dezember 1992

Ministerpräsident Rudolf Scharping verleiht auf Antrag des Landtagsabgeordneten Franz-Josef Bischel dem Vorsitzenden des Radsportvereins, Werner Schön, in Anerkennung langjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit im Dienste der Gemeinschaft die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz. Die Auszeichnung überreicht in einer kleinen Feierstunde Landrat Claus Schick.

12. März 1993

Werner Schön übergibt nach 26 Jahren Amtszeit den Vorsitz an Norbert Diehl.

12. Februar 1995

Der Bürgermeister der Stadt Gau-Algesheim Clausfriedrich Hassemer ehrt beim traditionellen Empfang anläßlich des 640. Jahrestages der Stadterhebung den Ehrenvorsitzenden des Radsportvereins, Werner Schön, als verdienten Bürger.

5.-31. August 1995

Der fast dreißig Jahre alte Hallenboden hat seine Schuldigkeit getan und wird durch einen neuen ersetzt. Stadt und Land unterstützen die Renovierungsvorhaben der Jahre 1995/96.

2. Oktober 1995

Da der Verein am 23. Mai 1898 gegründet worden ist, legt der Vorstand für die Feier des 100jährigen Jubiläums das Wochenende vom 22.-24. Mai 1998 fest.

14./15. Oktober 1995

Erstmals nimmt ein Team des Radsportvereins im Vierer-Kunstfahren mit Pia Bischel, Karin Domerecki, Andrea Schaberger und Bärbel Schupp an den Deutschen Hallenradsport-Meisterschaften in Hamburg teil.

28. Mai 1996 - 19. Februar 1997

Umfassende Renovierung des sanitären Anlagen und Umkleideräume. Vor allem der Bautrupp aus älteren Vereinsmitgliedern leistet Eigenhilfe in erheblichem Umfang.

25. Mai 1997

Mit einer Fahrt über 80 km nach Niederhausen/Nahe beginnt der Radsportverein eine Serie sonntäglicher „Radtreffs“ und belebt damit wieder die alte Tradition von Vereinsausflügen.

22. März 1998

Eine Akademische Feier in der Radsporthalle eröffnet das Jubiläumsjahr. Der Jubilar präsentiert seine Chronik zur Geschichte des Radsportvereins und ehrt verdiente Mitglieder.

 

 

Die Gründung des Radfahrervereins 1898 Gaualgesheim

Nach einem gescheiterten Gründungsversuch im Jahre 1896 versammeln sich am 23. Mai 1898 im Gasthaus „Zum Deutschen Haus“ an der Ecke Grabenstraße/Kloppgasse 15 Gau-Algesheimer Bürger, um den „Radfahrerverein Gaualgesheim“ aus der Taufe zu heben. Die Gründung findet eine vielfältige Resonanz: das Ereignis und der Bericht darüber im „Rheinischen Volksboten“ lösen Inserate der örtlichen (August Kleisinger) und überregionalen Fahrrad-Anbieter (Leonhard Tietz, Mainz; S. Rosenau, Hachenburg; Jos. Elfen, Bingen; Adam Opel, Rüsseösheim) aus. Das Protokoll der Gründungsversammlung beschreibt den Akt folgendermaßen:

Auf Einladung mehrerer hiesiger Radfahrer fand heute, den drei und zwanzigsten Mai Achzehnhundertacht und neunzig im Gasthause zum "Deutschen Haus" dahier eine Besprechung behufs Gründung eines Radfahrer-Vereins statt.

Nach Anhörung der einzelnen Ansichten wurde beschlossen, einen Verein zu gründen und traten sofort als Mitglieder bei: 1. Herr Dr. Quirin Mayer, 2. Herr Friedrich Kor­nely, 3. Herr Jean Schaberger, 4. Herr Willy Deister, 5. Herr Ludwig Steil, 6. Herr Wilhelm Presser, 7. Herr Philipp Mergel, 8. Herr Georg Kiesel, 9. Herr Martin Driesel, 10. Herr Quirin Feser, 11. Herr Ludwig Röder, 12. Herr August Kleisinger, 13. Herr Joh. Jos. Schaberger, 14. Herr Toni Reidel, 15. Herr Nikolaus Rohleder.

Der Verein führt den Namen "Radfahrerverein Gaualgesheim.“ Vereinsabzeichen sollen nach Muster bestellt werden. Aktive Mitglieder zahlen pro Monat 25 Pfg.

Nach Abstimmung durch die anwesenden Mitglieder wurden per Akklamation gewählt zum: 1. Vorsitzenden: Herr Dr. Quirin Mayer und zum 2. Vorsitzenden: Herr August Kleisinger; Schriftwart: Herr Jean Schaberger, Cassierer: Herr Willy Deister, Fahrwart: Herr Philipp Mergel, provisorischen Vereinsdiener Herr Peter Klesy.

So geschehen zu Gau-Algesheim in dem Gasthause zum "Deutschen Haus" bei Herrn Johann Schaberger heute den drei und zwanzigsten Mai Achtzehnhundert acht und neunzig und haben sämtliche Anwesenden nach Vorlesung unterzeichnet.

Der 1. Vorsitzende Dr. med. Quirin Mayer (geb. am 29. Juli 1869) leitet den Verein bis zum Jahre 1903 und ist dann noch für ein Jahr 2. Vorsitzender. Dr. Mayer heiratet 1903 und zieht später als Schiffsarzt in die Welt; er wird in Zülpich/Rheinland seßhaft, stirbt aber bereits am 24. Juni 1911.

Innerhalb der ersten Wochen seines Bestehens legt sich der Verein Vereinsfarben, ein Vereinsabzeichen und Radfahrerkleidung zu: Das gewählte Vereinsabzeichen wurde einstimmig angenommen und trägt roth-weiße Farben in der Mitte einen Kreis mit Stadtwappen und der Aufschrift Radfahrerverein Gaualgesheim 1898. Bezüglich der Kleidung wurde beschlossen, daß jeder Fahrer sich nach und nach einen Anzug, möglichst nach Muster u. Farbe, anlegen soll. Eine Mütze soll jeder besitzen und ist die Farbe derselben wie der Anzug. Hemd ist in grauer Farbe mit entspr. Binde. Strümpfe sollen schwarz sein. Schuhe: Schnürstiefel und schwarz.

Die ersten Aktivitäten des neuen Vereins bestehen in der Mitwirkung beim Jubiläum des Gesangvereins „Cäcilia“ am 26./27. Juni 1898 und ersten Versuchen, den Saalsport im „Saalbau“ in der Ingelheimer Straße zu betreiben und Vereinsrennen durchzuführen. Beim 50jährigen Stiftungsfest der "Cäcilia" wurde der Festzug am Sonntag durch den Radfahrerverein eröffnet; die Räder waren, wie der „Rheinische Volksbote“ vom 29. Juni vermerkt, mit Guirlanden reich und geschmackvoll dekorirt. Die Sache nahm sich gut aus und gefiel allgemein. Wir begrüßen diese Neuerung um so mehr, als durch den Wegfall der seither üblichen Vorreiter mancher Unfall verhütet wird, die Stahlrosse scheuen nicht. Im Protokollbuch notiert der Schjriftführer Toni Reidel: Die ganze hiesige Einwohnerschaft war entzückt über diese Neuerung und mancher wird dadurch dem Verein beitreten. Man hörte überall nur lobende Anerkennungen über unsere Leistung. Das Meldereiten wurde von Radfahrern besorgt. Auch am Montag verherrlichten wir noch den Festzug durch einen Corso. Herr Apotheker Rothenberger photografierte verschiedene Gruppen der Radfahrer und machte er dem R.V. ein Bild zum Präsent, welches dankend angenommen wurde.

Über die ersten Vereinsrennen am Sonntag, 30. Oktober 1898, mittags um 3.15 Uhr, schreibt der „Rheinische Volksbote“:

Begünstigt vom herrlichen Sonnenschein verliefen die beiden angesagten Straßenrennen in schönster Weise. Trotzdem die Chausseen durch den niedergegangenen Regen gerade nicht in den besten Zuständen waren, und trotz des heftigen Gegenwindes wurden von dem Vereine doch sportliche Resultate erzielt, auf die derselbe mit Fug und Recht stolz sein kann, und zu denen wir ihm herzlichst gratulieren. Ein wie reges Interesse für den Radsport hier in Gaualgesheim im Aufblühen begriffen ist, sehen wir besonders auch aus der 100köpfigen Menschenmenge, die herzugeströmt war, um mit großer Freude u. Spannung den Veranstaltungen zu folgen. Hoffen wir, daß das Interesse der Gaualgesheimer für den schönen Sport sich auch weiterhin bethätigen werden, auf das daß der junge Verein blühen u. gedeihen möge.

 

Die Feier der Bannerweihe am 18.-20. Juni 1904

In der Vorstandssitzung am 30. November 1903 steht zum ersten Mal die Anschaffung eines Banners, sowie die damit alsdann verbundene Feier auf der Tagesordnung.

In der Monatsversammlung am 8. Dezember 1903 werden die Mitglieder Peter Jos. Driesel und Toni Reidel beauftragt, zuerst Erkundigungen über Ausführung, Preis etc. eines Banners einzuziehen und ihre Erfolge so bald wie möglich vorzulegen, da nachdem erst weiter über die projektirte Anschaffung unseres Banners geurteilt werden kann. Toni Reidel soll bei unseren Nachbarvereinen diesbezügliche Anfragen stellen und Peter Jos. Driesel Bezugsquellen ausfindig machen.

Eine ausserordentliche Generalversammlung am 28. Februar 1904 im Vereinslokale Schaberger beschließt, für die Bannerweihe neue einheitliche Anzüge anzuschaffen. Zur Einholung von Offerten für neue Anzüge wird eine Kommission bestehend aus den Herren Philipp Heinrich Dengler (Obmann), Valentin Doré, Heinrich Hefner, Martin Driesel und Franz Kessler gewählt. Die Kommission und der Vorstand dürfen mit verschiedenen Firmen wegen Kauf eines Banners in Unterhandlung zu treten und bis zu 300,- Mk. aber nicht mehr, für unser Banner anlegen.

Die Mitglieder Quirin Feser, Franz Kessler und Moritz Seligmann sind beauftragt, die Damen unserer Mitglieder auf Donnerstagabend wegen Bestimmung der Festjungfrauen in unser Vereinslokal einzuladen. Die heutige Generalversammlung ermächtigt den Vorstand, sämmtliche Geschäfte für unsere Bannerweihe zu erledigen.

Der Einladung an die Damen der Vereinsmitglieder zur Vorstandssitzung vom 3. März 1904 ins Vereinslokale folgen: Lena Mayer, Kätchen Feser, Kätchen und Lina Schäffer, Lena Schaberger, Barbara Scherffius, Mariechen und Katharina Hemmes sowie Elsa Kornely. Auf Befragen des 1. Vorsitzenden Friedrich Kornely, ob die obengenannten Damen gewillt seien, durch ihr Mitwirken unser Fest zu verherrlichen, sagten alle, bis auf Frl.Schäffer senior, mit voller Begeisterung zu.

Es ist eine stattliche Anzahl von jungen Frauen, die zur nächsten Vorstandssitzung am 8. März 1904 ins Wirtslokal "Zur Traube" bei Heinrich Hemmes kommen: Emma Nathan, Therese Schaberger, Kätchen Feser, Maria Kleisinger, Eva Kleisinger, Lena Kleisinger, Katharina Niero, Magdalena Schaberger, Auguste Nathan, Kätchen Vinzens, Katharina Zimmer, Elsa Kornely, Margarethe Hassemer, Lonchen Bischel, Mariechen Kaiser, Lorchen Hassemer, Lina Schöffer, Lena Hassemer, Theres Hassemer (Buchbinder), Mariechen Belz, Margarethe Metz, Lena Hang, Barbara Scherffius, Barbara Hollenbach, Kätchen Hang und Mariechen Hemmes und Josefine Hessel.

An sämtliche einheimischen Vereine richtet der Vorstand die Bitte, bei unserem Feste mitzuwirken: die beiden Krieger- und Gesangvereine, Kirchenmusikverein, Feuerwehr und Turnverein. Wegen der Übernahme der Wirtschaft durch den Turnverein sollte am 11. März 1904 eine Zusammenkunft mit dem Vorstand des Turnvereins in der Turnhalle stattfinden.

In der Monatsversammlung vom 13. März 1904 im Lokale der Wwe. Schäffer gibt der Vorstand folgenden Beschluß bekannt: Das Banner wurde an das St. Bernward Institut Mainz vergeben zum Preise von Dreihundert Mark, complett mit Stange, mit extraem Verlängerungsstück von 50 cm Länge, doppelter Verschraubung, Arm, Spitze, Futteral, drei Schärpen (rot-weiß) extra Quaste für an die Stange. Die erste Seite: Grund naturweiße Seide, Band und Zipfel aus rotem Sammt, Schrift Gold "Gewidmet von den Jungfrauen" Stadtwappen in der Mitte mit Weinlaub, Weintrauben und Weinreben umkränzt. Schrift oberhalb dem Wappen, Radfahrerverein, unter dem Wappen Gau-Algesheim, das Wappen ganz mit Lorbeerzweigen umkränzt. Die ganze Schrift in Gold. Rückseite: Grund: Rotsammet. Band und Zipfel oben weiß mit "Treu dem Sport" in Gold gestickt. In der Mitte ein modernes Niederrad auf Wiesengrund in Eichenlaub, nach der Natur gestickt. Oberhalb des Niederrades "All Heil", unterhalb 1898 - 1904. Eckverzierungen. Die Größe des Banners 52 cm ohne Streifen im Quadrat. 10 cm Bandstreifen. Um die Fahne herum auf beiden Seiten Goldfranzen.

Nach ausgiebigen Diskussionen und Verhandlungen über die Vergabe des Wirtschaftsbetriebes und der Musik, über die Einrichtung und Herrichtung des Festplatzes und der Auswahl der Anzüge, Kragen, Manschetten, Mützen und Strümpfe können die Ausschüsse und Kommissionen besetzt werden.

Das gelungene Fest gibt dem Verein Auftrieb. Für die Generalversammlung am 12. Februar 1905 legt der Vorsitzende Friedrich Kornely einen Rechenschaftsbericht vor:

 

Werte Sportscollegen!

Das Jahr 1904 war für unseren Verein ein bedeutungsvolles. Schon gleich zu Beginn desselben, unsere erste Veranstaltung der Maskenball am Fastnachtmontag fiel über Erwarten glänzend aus, sowohl finanziell, als auch was die große Beteiligung der Mas­ken und Gäste betraf. Weit über 14 Preise wurden an die schönsten Masken verteilt, und konnte man nachträglich nur Worte des Lobes seitens der Teilnehmer hören.

Eine weitere große Arbeit kam an uns heran. Durch einstimmigen Beschluß der Generalversammlung vom 28. Januar wurde die Anschaffung eines Banners beschlossen. Dem Vorstand lag es nun ob unter Hinzuziehung einer Commission bestehend aus einigen Collegen die nöthigen Vorarbeiten in die Wege zuleiten. Zunächst wurden von einigen Fahnenfabriken Zeichnungen, Vorlagen und Offerten eingeholt, und nach eingehender Prüfung und Vorlage an den Verein die Firma St. Bernward Institut Mainz mit der Anfertigung des Banners betraut. Hierauf ging man zur Einladung der Festjungfrauen, als Anfang zum eigentlichen Fest. Die mit der Einladung betrauten Sportcollegen hatten einen überaus günstigen Erfolg. 25 Festjungfrauen nahmen am Feste teil, eine Zahl die bis jetzt noch von keinem Verein erreicht wurde. Die Damen an ihrer Spitze Fräulein Feser hatten es in liebenswürdiger Weise übernommen, durch zeichnen freiwilliger Beiträge, in eigener Person, sowie bei Freunden und Mitgliedern des Vereins, einen Betrag zusammen zu bringen, um den größten Teil der Kosten des Banners zu decken. Es wurden alsdann sämmtliche hiesigen Vereine eingeladen, sich an unserem Feste zu beteiligen, und hatten auch alle zugesagt.

Inzwischen wurde mit dem Turnverein Unterhaltung gepflogen wegen Übernahme des Festes incl. Wirtschaftsbetrieb, nachdem die Platzfrage durch Überlassung des Ackers neben der Turnhalle, Herrn Kaiser gehörend, entgegenkommender Weise um den Preis von Mk. 40,-- überlassen wurde für die Zeit des Festes. Der Turnverein lehnte jedoch die Übernahme des Festes mit Wirtschaftsbetrieb ab, erbot sich aber, uns die Halle um den Preis von Mk. 100,-- für beide Festtage zu überlassen, was von unserem Verein angenommen wurde. Es lag dem Verein nun ob einen Festwirt zu finden, was auch gelang, indem Mitglied N. Kornely II. hierzu verpflichtet wurde.Die Festmusik für den ersten Tag wurde H. Foerster Bingen für Mk. 140,-- übertragen, für den 2. Tag wurde die hiesige Kirchenmusik engagiert für Mk. 70,-- .Auf unsere Einladung hin hatten 25 Vereine zugesagt, welche auch erschienen waren, bis auf Radfahrerverein Worms, der sich 2 Tage nach unserem Fest durch ein Schreiben entschuldigen lies.

So kam dann der eigentliche Festtag heran. Obwohl am Samstag Morgen das denkbar schlechteste Wetter herrschte, hellte sich der Himmel im Laufe des Tages auf und fand gleichsam als Eröffnung der Festlichkeiten Abends auf dem Festplatz ein gemütlicher Commers statt. Am Sonntag Morgen von 9 - 12 Uhr erschienen die auswärtigen Vereine. Um 12 Uhr fand gemeinschaftlicher Mittagstisch in der Festhalle statt woran ca. 100 Personen teilnahmen. Hierauf sammelten sich die Brudervereine und nahmen Aufstellung auf der Appenheimer Chaussee zur Corsofahrt. Die hiesigen sammelten sich auf dem Marktplatz. So konnte nun gegen 3 Uhr der Blumenkorso verbunden mit dem Festzug in Bewegung gesetzt werden. So groß nun die Antipatie gegen unseren Verein war vor dem Feste, so groß war nun die Sympatie am Festtage selbst, was man an der überaus reichen Beflaggung der Häuser, seitens unserer Mitbürger wahrnehmen konnte. Alle Anerkennung wurde den am Blumencorso teilnehmenden Vereinen gezollt, dank der musterhaften Ordnung und taktvollem Benehmens, sowie namentlich der reichen Verzierung der Räder, womit einige Vereine großartiges leisteten. Einen großen Teil zum Gelingen des Festes trugen ganz besonders unsere Festdamen mit bei.

Auf dem Festplatz angekommen begrüßte zunächst der II.te Vorsitzende Sportcollege Andrae die Gäste, worauf Fräulein Feser durch einen Prolog das Banner enthüllte und dem Bannerträger Peter Kleisinger übergab, und dieser Namens des Vereins dankte. Fräulein Nathan überreichte dann mit einer kurzen Ansprache eine Schleife. Der Pathenverein Mombach, sowie der Radfahrerverein Kirn überreichten beide hübsche Bannerschleifen zur Erinnerung, und dankte der I. Vorsitzende im Namen des Vereins für diese Ehrengabe. Herr Rechtsanwalt und Mitglied Reidel hielt hierauf die begeistert aufgenommene Festrede. Während des Concerts fand vor der Bühne das Reigenfahren statt, welches die Zuschauer mit Interesse verfolgten. Unterdessen trugen die beiden hiesigen Gesangvereine in liebenswürdiger Weise je zwei Lieder vor, welche allgemein Beifall fanden. Herr Quirin Mayer, Mitglied des Festausschußes, brachte zum Schluß noch ein begeistert aufgenommenes Hoch auf die Damen aus. Dank der prompten Erledigung des Preisgerichts unter Vorsitz des Mitgliedes Philipp Dengler konnte Punkt 7 Uhr die Preisverteilung stattfinden. Alle Vereine erhielten teils Ehrenpreise, teils Diplome, keiner ging leer aus. Wurden doch für weit über 300,- M. Ehrenpreise allein ausgegeben. Alle Vereine gingen des Lobes voll von hier weg, mit Ausnahme von zwei Vereinen, welche sich benachtheiligt glaubten, doch wurden diese kleinen Differenzen später auch beigelegt. Ein hübscher Ball beschloß den ersten Tag. Ueber den 2. Tag ist wenig zu berichten, da sich die Festlichkeiten des Nachmittags im engeren Rahmen abhielten. Es beteiligten sich wieder die hiesigen Vereine und stattete der erste Vorsitzende am Schluß namens des Vereins jedem einzelnen Verein Dank ab mit einem Hoch auf dieselben. Mit dem finanziellen und moralischen Erfolg des Festes kann der Verein vollauf zufrieden sein.

Zum Schluß danke ich allen Herren des Festausschusses, die mich so thatkräftig unterstützten, sowie allen Mitgliedern der einzelnen Commissionen, die alle ohne Ausnahme auf ihrem Posten waren. Ganz besonders Dank noch dem Obmann des Preisgerichts Mitglied Ph. Dengler, dem wahrlich keine leichte Aufgabe zufiel. Vorallem vergessen möchte ich nicht meinen Collegen Andrae, sowie den z.Zt. abwesenden Schriftführer Feser, welche mich jederzeit unterstützten und mir hilfreich zur Seite standen. Alle Mitglieder waren auf dem Posten, möge es immer so bleiben.

Möge der Verein auch fernerhin blühen, wachsen und gedeihen, das sei mein Wunsch für das Jahr 1905.

Gau-Algesheim, 31. Januar 1905

 

Die Anfänge des Saalradsports in Gau-Algesheim

Als der Radfahrerverein Gau-Algesheim gegründet wird, steht von Anfang an auch das Saalfahren auf der sportlichen Programmpalette. Mit dem Besitzer des „Saalbaus“, K. Kaiser, wird über Miete und Licht verhandelt. Jeden Donnerstag um ½ 9 Uhr Abens finden die Übungsstunden statt, die Lichtkosten betragen monatlich eine Mark. Nach einem Beschluß des Vorstandes ist jedes aktive Mitglied verpflichtet, am Saalfahren theilzunehmen. Bei genügendem Grund kann ein Mitglied dispensiert werden. Ferner wurde beschlossen, die Uebungsabende auf Mittwoch und Freitag zu legen. Das Saalfahren wird zu einen festen Bestandteil von Festen und Bällen.

Zu dieser Zeit existieren in Gau-Algesheim neben dem „Saalbau“ in der Ingelheimer Straße zwei weitere Räumlichkeiten, die für den Saalradsport geeignet sind: der Saal im „Hotel Kaiser“ in der Ockenheimer Straße und die Halle des Turnvereins „Eintracht“, die im Jahre 1892 auf dem vereinseigenen Turnplatz an der Appenheimer Straße errichtet worden war. Angesichts dieser Situation und der Dominanz von Straßenrennen, Ausflüge in die nähere Umgebung, Fahrten zu den Radfahrerfesten sowie des Corsofahrens gibt es in den ersten Jahrzehnten der Vereinsgeschichte kein Bedürfnis nach einer eigenen Trainingshalle. Die General- und Monatsversammlungen werden in diversen Vereinslokalen abgehalten, Vorstandssitzungen teilweise in den Privatwohnungen von Mitgliedern, die Maskenbälle und Festessen in den örtlichen Restaurants und Hotels.

 

Anläßlich der Bannerweihe am 19. Juni 1904 demonstrieren auf einer Bühne im Festgelände der Radfahrer-Verein Kirn und der Velocipedistenclub Kreuznach einen Vierer-Reigen, der Velocipedclub Bischofsheim und der Radfahrerverein Bretzenheim einen Achter-Reigen. Noch im selben Jahr wird der 1. Fahrwart Toni Reidel beauftragt, den Fahrwart des Bretzenheimer Vereins Wilhelm Schaffner fragen, wieviel er für das Lernen (!) verlangt. So stellen sich schon beim 10. Stiftungsfest des Radfahrer-Vereins Kirn am 9. Juli 1905 zum ersten Mal Reigenfahrer aus Gau-Algesheim der Konkurrenz. und erringen auf Anhieb einen 1. Preis.

Die Jahreshauptversammlung am 26. März 1907 beschließt, das Mitglied Heinrich Krebs aus Schwabenheim a.d. Selz mit der Beschaffung von sechs Reigenmaschinen der Marke „Opel“ zum Preise von insgesamt 320 Mark zu beauftragen. Die Versammlung legt gleichfalls fest, daß das bare Vereinsvermögen nur bis höchstens 200 M. von der hiesigen Casse abgehoben werden darf, solange die Reigenräder nicht voll bezahlt sind. Einzelne Mitglieder bürgen durch ihre Unterschrift für den Betrag der Reigenmaschinen und bleiben dieselben bis zur Zahlung Eigentum der Unterschriebenden.

Anfang 1908 werden mit dem Turnverein über die Benutzung der Turnhalle zum Training der Reigenfahrer Verhandlungen geführt. Die Zusage des Turnvereins kann allerdings den Niedergang des Reigenfahrens nicht aufhalten. Da nicht mehr genügend junge Sportler zur Verfügung stehen und das Vereinsleben insgesamt stagniert, faßt die

Generalversammlung am 30. Dezember 1909 nach langen und heftigen Diskussionen folgenden Beschluß: Die Reigenmaschinen werden zum Stückpreis von 35 M. verkauft. Zu diesem Preis übernehmen von den anwesenden Mitglieder Frz. Jos. Völker, Moritz Seligmann, Nicolaus Dengler und Quirin Feser je ein Rad. Die Restschuld für die Reigenmaschinen wird durch die Vereinskasse gedeckt. Die Räder waren verschiedenen anderen auswärtigen Vereinen zum Kauf angeboten worden, jedoch konnte ein annehmbarer Preis nicht erzielt werden. Voller Resignation vermerkt der Protokollant Quirin Feser: Ferner konnte, wie schon vorerwähnt, durch das mangelhafte Erscheinen der Mitglieder keine entsprechende Aussprache wegen der Reigenmaschinen stattfinden. Auch wurde festgesetzt, keinen Maskenball abzuhalten und namentlich deshalb, weil das Vereinsinteresse unserer Mitglieder viel zu wünschen übrig läßt.

 

Erst viele Jahre später, bei einer Vereinsversammlung am 17. Mai 1920 steht das Thema „Reigenfahren“ wieder zur Debatte: Bericht Fahrwart Kling über Bischofsheim: Es ist festgestellt, daß alle sich dort beteiligenden Vereine tadellos auf de Höhe waren in jeder Beziehung, was Kleidung sowohl wie Sport anbetrifft. Es muß wohl bald mit dem Reigenfahren begonnen werden und stellt Fahrwart Kling den diesbezüglichen Antrag. 1. Fahrwart Presser wird dem Verein in der nächsten Monatsversammlung ein Programm entwickeln.

Am 23. Januar 1921 führt der Verein ein „Saalsportfest“ zum Zwecke der Werbung für den Saalradsport durch. Die Reigenmannschaften aus Ginsheim, Musik, Tanz und die Verlosung eines Fahrrades um Mitternacht finden einen guten Anklang, so daß nach Abschluß der Veranstaltung 2.438,10 Mark für die Vereinskasse übrig bleiben.

In den kommenden Jahren trainieren die Reigenfahrer gegen eine Saalmiete von 150,- Mark in der Turnhalle, nehmen an Saalsportfesten teil, wie z.B. in Bischofsheim oder in Mombach, wo die 6er-Reigenmannschaft beim Meisterschaftsreigenfahren am 6. November 1921 den 4. Preis erringt. In der ersten Januarwoche 1923 beginnen schließlich eine Jugendreigenmannschaft, eine Schulreigenmannschaft und eine Begrüßungsreigenmannschaft mit den Vorbereitungen für das Gaufest, das am 17. Juni 1923 in Gau-Algesheim stattfinden soll.

Die Anschaffung von Reigenrädern wird immer wieder zurückgestellt; einmal da die angeforderten Offerten noch nicht pünktlich eingelaufen sind, im Jahre 1923 schließlich verhindert die unruhige politische und wirtschaftliche Lage größere Entscheidungen: Der Einmarsch französischer und belgischer Truppen in das Ruhrgebiet sowie die Ausweisung von Personen, die sich am „Passiven Widerstand“ beteiligen, Aufstände gegen die Republik in Bayern und im Rheinland, schließlich die Verhängung des Ausnahmezustandes und die Inflation. Nach der Währungsreform vom 15. November 1923 nimmt der Vorstand einen neuen Anlauf und spricht sich über die Anschaffung von Reigenräder aus und glaubt, durch Ausgabe von Anteilscheinen zum Resultat zu kommen. Ein anderer Vorschlag geht dahin, man möge von jedem Mitgliede einen ausserordentlichen Betrag erheben, der dazu ausreichen würde, den Anschaffungsbetrag von 8 Reigenmaschinen zu decken (30. April 1924).

Ein weiteres Saalsportfest am 26. Oktober 1924 in der Turnhalle zeigt alle Disziplinen des Saalradsportes: Vierer- und Sechser-Schulreigen von Sportlern aus Heidesheim, Budenheim und Finthen, Radballspieler aus Budenheim und Radpolospieler aus Finthen. Vorstand und Mitgliedschaft fassen Mut und beschließen zum einen, acht Kunstsaalmaschinen der Marke „Diamant“ anzuschaffen und dafür 120 Anteilscheine zu je 5,- Reichsmark auszugeben, und zum anderen endlich am 10. Mai 1925 unter dem Protektorat von Bürgermeister Quirin Theobald Hattemer das 25jährige Stiftungsfest nachzufeiern.

 

 

Jean Kling - das Gau-Algesheimer Rennfahrer-As

Am intensivsten wird der Rennsport von Jean Kling (1894-1982) betrieben, der am 5. Juni 1913 in den Verein eintritt, ab 1935 den Verein führt und 1948 als Vertreter des Radfahrens in den Kreissportausschuß Bingen gewählt wird. Jean Kling, gelernter Spengler und Installateur, ist im Weltkrieg Monteuer im Geschwader Richthofen gewesen, und legt nach dem Krieg die Prüfung als Mechaniker ab. Es trainiert, soweit es die Arbeit, der Vater und nach der Heirat die Familie zulassen, dreimal in der Woche auf der Strecke von Gau-Algesheim bis zum Mainzer Krematorium. Für heutige Verhältnisse mag diese Strecke als kurz erscheinen, aber die Steig sorgt dafür, daß Jean Kling zu einem Bergspezialisten heranwächst. Weil der Verein ihn nicht für alle Rennen meldet, an denen er teilnehmen will, trägt Kling auch mal das Trikot des RV Mainz.

Eine Anekdote ist von Jean Kling überliefert, die seine Lebensart beleuchtet: Daß Radfahrer, zumal wenn sie aus einer Weingegend kommen, ein gesundes Verhältnis zum Wein haben, versteht sich fast von selbst. Und so ist auch nicht verwunderlich, wenn man den Korsofahrer Johann Krichten 1921 vor dem Kirner Königl. Preuss. Zollamt mit einem Fäßchen Wein an seinem Rad ausgerüstet sieht. Daß allerdings auch Rennfahrer nicht auf ihre Ration Oktobertee nicht verzichten wollen, fällt schon ein wneig aus dem Rahmen. Jean Kling ist einer von ihnen. Vor dem Rennen ein Ei in einem Schoppen zu schlagen, diese Gewohnheit teilt er mit manchem seiner Kameraden - aber die Trinkflasche am Rad mit Rebensaft zu füllen, das macht dem Jean keiner

nach. Den Veranstaltern galt dies als unerlaubtes Doping, so daß Jean Kling als Sieger eines Rennens in Kostheim disqualifiziert wird. Aber der Klinge Jean weiß sich zu rechtfertigen: Er habe sich im Krieg eine Milch-Allergie zugezogen, als er vergiftete Milch gertunken hatte. So bleibt ihm unter den heimischen Getränken keine große Auswahl, und wer Jean Kling kannte, der weiß, daß ihm der Wein nicht geschadet hat.

 

Jean Kling, der in den Zwanziger Jahren auch die Ämter eines 2. Fahrwartes, des Saal- und Rennfahrwartes bekleidet, übernimmt am 2. April 1935 von Wilhelm Hassemer das Amts des Vereinsführers, so die offizielle Bezeichnung seit der Gleichschaltung im Juni 1933. Im Juni 1948 wählen die Sportvereine des Kreises Bingen in Ockenheim Johann Kling als Fachwart für Radfahren. 1950-1954 gehört Jean Kling dem Vorstand als Wanderfahrwart an, seine letzte offizielle Funktion versieht er 1963-1967 als Mitglied des Ehrengerichts. Aber wenn man im Gespräch auf seine aktive Zeit als Rennfahrer zu sprechen kam, dann wollte er mit dem Erzählen gar nicht mehr aufhören ...

 

 

Das Gedächtnis der Toten des Ersten Weltkrieges

Die meisten Mitglieder des Radsportvereins sind von den verschiedenen Kriegsschauplätzen nach Hause zurückgekehrt. Aus der Gefangenschaft kommen Ende 1919 Moritz Seligmann und im Februar 1920 Jean Kornely und Adolf Schmitt zurück. Bis dahin hält der Verein zu den Gefangenen Kontakt und schickt 1919 unseren beiden, in Gefangenschaft weilenden Mitglieder Jean Kornely & Adolf Schmitt je 50 Cigaretten als Weihnachtsgabe. Der 42jährige Kaufmann Leopold Rosam und der 22jährige Johann Baptist Ockstadt sind die beiden Kriegstoten des Vereins. Text und Ehrentafel in der Festschrift vom 1948 gedenken des jungen Fliegerleutnants, der bei Probeflügen in der Heimat sein junges, hoffnungsvolles Leben lassen mußte, Leopold Rosam aber, der seit 1906 dem Radfahrerverein angehörte, verzeichnen sie nicht.

Mit einer Gedenktafel für seine gefallenen und vermißten Vereinsmitglieder an der südlichen Innenwand der Turnhalle erinnert der Turnverein „Eintracht“ 1920 als erster an die Toten des Krieges. Obwohl der Vaterländische Kriegerverein von 1877 noch besteht und mindestens seit 1922 im November eine Totenfeier für die Gefallenen abhält, kommt es in der Stadt zu keiner Einigung über ein gemeinsames Ehrenmal.

Die katholische Pfarrgemeinde geht eigene Wege. Sie errichtet 1924 vor der Kirche mit Blick zum Markplatz eine Mariensäule. Auf einem zwei Meter hohen Sockel thront die Mutter Gottes mit dem Jesuskind und einem Ölzweig als Zeichen des Friedens in der linken Hand. Der Sockel trägt die Widmung: Reginae pacis mit dem Stadtwappen. Die Inschrift lautet: Gewidmet der Königin des Friedens nach Beendigung des Weltkrieges 1914-1918 von der Pfarrgemeinde zur Danksagung für die Rückkehr ihrer Söhne. Für die Gefallenen der katholischen Gemeinde wird am 30. März 1930 in der Vorhalle der Kirche eine Statue des hl. Sebastian, der unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod starb, aufgestellt und eine Namenstafel der Gefallenen angebracht.

1924 nimmt eine Denkmalkommission unter Leitung von Pfarrer Rudolf die Arbeit auf. Man spricht aber nicht von einem Ehrenmal, Kriegerdenkmal oder Heldendenkmal, sondern von einem Gedächtnismal. Über den Standort und die Form gehen die Meinungen stark auseinander. Die Errichtung eines Ehrenmales in der Nähe des Rathauses oder neben der Pfarrkirche wird strikt abgelehnt. So findet das Ehrenmal schließlich auf dem ehemaligen Friedhof, der zu einem Park umgestaltet wird, seinen Platz.

Man verzichtet darauf, Soldaten als Helden darzustellen. Das offene Oktogon, dessen rückwärtiger Bogen geschlossen ist, trägt ein Relief, das einen knieenden Greis und eine knieende Frau darstellt, an die sich ein Kind anschmiegt. Darunter befinden sich die Symbole des toten Soldaten: das gebrochene Schwert, der Helm und der Lorbeerzweig.

Das Gedächtnismal für die Gefallenen und Vermißten des Weltkrieges wird am 25. Oktober 1931 auf dem Alten Friedhof eingeweiht. Die lange unsichere Finanzierung schlägt auch danach noch in einer Monatsversammlung des Radfahrervereins am 5. November 1932 hohe Wellen, wie das Protokoll von Adolf Schmitt ausweist:

Ehe zur Tagesordnung geschritten wurde, brachte der 2. Vorsitzende ein Schreiben der Denkmalkommission zur Verlesung zwecks Beisteuerung eines Geldbetrages für eine Restsumme zur Zahlung der Restschuld für das erstandene Ehrenmal für unsere Gefallenen. Sportkollege Kornely stellte den Antrag, daß es Pflicht des Vereins sei, eine kleine Summe zu diesem Zwecke zur Verfügung zu stellen. Der Antrag wird vorerst zurückgezogen bis zu einer nochmaligen Orientierung in diesem Falle und zwar wie sich die anderen Ortsvereine dazu stellen. Der 1. Vorsitzende wird dazu beauftragt. Nachdem alle Punkte der Tagesordnung, aber zum Schluß unter sehr windigen Ausführungen und einer unnötigen Diskussion seitens der Anwesenden beendet war, konnte der 1. Vorsitzende die sehr erregte Versammlung schließen.

 

 

Die jüdischen Mitglieder des Radfahrervereins

Die Geschichte der Juden in Gau-Algesheim ist so alt wie das städtische Leben. Zwei Jahre nach der ersten Stadterhebung durch Kaiser Ludwig den Bayern bezieht im Jahre 1334 der Edelknecht Peter Gruel von Bingen als Burglehen zu Klopp zwei Mark Judensteuer von Gau-Algesheim. Für das Jahr 1346 ist ein Weinberg in dem Judensande, für 1358, 1397 und 1402 die Begräbnisstätte der Gau-Algesheimer Juden, der Judenkirchove urkundlich belegt. Zwischen friedlichem Zusammenleben, gerichtlichen Streitigkeiten sowie einem verdeckten oder offenen Antijudaismus spielt sich das Leben von Christen und Juden durch die Jahrhunderte ab. Als 1938/39 die letzten Juden Gau-Algesheim verlassen müssen, unter ihnen Betti Mayer, geb. Nathan, die Mutter des von Erich Hinkel für Gau-Algesheim entdeckten Malers Leo Maillet, ist ein weiteres Mal für Jahrzehnte jüdisches Leben in Gau-Algesheim erloschen. Wer wie Joseph Moritz aus der Weingasse nachbarschaftliche Hilfsbereitschaft zeigt, muß sich im Nachrichtenblatt als Lump und Verräter beschimpfen lassen.

Die Aufzeichnungen in den Protokollbüchern des Radsportvereins zeugen einerseits von der lange selbstverständlichen Mitgliedschaft der jüdischen Bürger. Daß andererseits aktive und verdiente langjährige Mitglieder wie Moritz Seligmann oder Moritz Raphael aus dem Akten des Vereins verschwinden und ihr Schicksal nach 1945 unkommentiert bleibt, fügt sich in die vielen Widersprüchlichkeiten ein, die in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg das Vergessen und Erinnern prägen. Erst 1986 ermöglicht Pfarrer Dr. Ludwig Hellriegel mit seiner Veröffentlichung „Judaica. Geschichte der Gau-Algesheimer Juden“ den Blick auf einen bisher ausgelassenen Teil unserer Stadtgeschichte. Die von ihm und Erich Hinkel forcierte Tafel mit der Aufschrift Die Stadt Gau-Algesheim gedenkt ihrer jüdischen Mitbürger, die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft wurden, dem Stadtwappen und dem Davidstern im Innern des Denkmals auf dem Alten Friedhof sollen die vergessenen Namen wieder lebendig werden zu lassen.

Unmittelbar nach der Gründung des Verein tritt am 28. Mai 1898 als Mitglied Nr. 16 Adolf Lazarus, Sohn des Salomon Lazarus aus Appenheim, dem Radfahrerverein bei. Lazarus war 1879-1882 Schüler der hiesigen Lateinschule gewesen. Kaplan Brilmayer, der am Institut unterrichtet, beklagt sich gegenüber Salomon Lazarus am 26. August 1882: A. Lazarus hat heute am ersten Tag der Schule schon wieder nicht gelernt und dafür am Sonntag Hausarrest erhalten. Ich bitte recht darauf zu achten, daß Ihr Sohn fleißiger ist, sonst bin ich genötigt, ihn an Michaeli eine Abteilung zurückzusetzen.

Moritz Seligmann, am 25.6.1881 als 3. Kind des Kaufmanns August Seligmann aus der Langgase 4 geboren, wird am 1. Mai 1900 Mitglied des Radfahrervereins und unter der Nr. 50 in die Liste der aktiven Mitglieder aufgenommen. Vom 4. Februar 1906 bis 22. März 1911 ist er als 2. Fahrwart, vom 22. März 1911 bis zum Ruhen der Vereinstätigkeit 1914 als 1. Fahrwart Mitglied des Vorstandes. Er dient dem Verein in vielfältiger Weise z.B. als Kassenprüfer, Aufsicht bei Rennen oder Bannerfahrer; sein Verhandlungsgeschick und sein ausgleichendes Wesen beweist er bei unterschiedlichen Gelegenheiten. Ende 1919 kehrt Moritz Seligmann aus der Gefangenschaft zurück und wird in der Monatsversammlung am 8. Dezember 1919 im Vereinslokal Kaspar Kühn vom 1. Vorsitzenden Wilhelm Hassemer im Namen des Vereins begrüßt. Der Vorsitzende spricht die Hoffnung aus, daß derselbe stets wie ehedem den Verein durch treue Anhänglichkeit und Mitarbeit unterstütze. Ein Jahr später macht Moritz Seligmann den Vorschlag, den in den Jahren 1906-1910 ausgeschiedenen Gründern wieder die Mitgliedschaft anzutragen und sie vom Eintrittsgeld freizustellen. 1925 gehört er dem Festausschuß und der Vergnügungskommission für das 25jährige Stiftungsfest an. Wann der ledige Moritz Seligmann Gau-Algesheim verlassen hat, ist unbekannt; er wohnt zuletzt in Königstein und wird währscheinlich 1941 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet.

Der Kaufmann Moritz Raphael, 20. April 1880 in Ockenheim geboren, gehört dem Verein seit dem 21. Februar 1921 an. Als Mitglied der Finanz- und der Empfangskommission für das Jubiläum 1925 und einer der Kassenprüfer über viele Jahre zwischen 1926 und 1933 betätigt er sich im Verein und wird am 12. Dezember 1931 und am 14. Januar 1933 ins Ehrengericht des Vereins gewählt. Für die Generalversammlung am 10. März 1934 prüft Moritz Raphael zusammen mit Nikolaus Link die Kasse.

Am 1. April 1932 übernimmt Moritz Raphael das Geschäft der Witwe Julchen Rosam, die an der Ecke Ockenheimer Straße/Langgasse ein Ellen- und Wollwarengeschäft sowie einen kleinen Schuhhandel betreibt. Moritz Raphael stirbt am 9. Dezember 1935 in Gau-Algesheim und wird als einer der letzten Gemeindemitglieder auf den Judenfriedhof bestattet. Im Mitglieder-Verzeichnis der Aktiven 1934 ist sein Name verzeichnet, von einer späteren Hand aber mit dem Vermerk „abgem.“ durchgestrichen. Sein Sohn Hermann Raphael tritt als Schüler am 5. Mai 1922 in den Radfahrerverein ein und wird nach Vollendung des 17. Lebensjahres am 3. Juni 1925 als ordentliches Mitglied in die Vereinsliste aufgenommen.. Er wandert 1931 mit seinem Bruder Arthur nach Amerika aus. Die beiden Mitglieder im Club zVdA, „Club zur Vernichtung des Alkohols“, werden mit einer Feier im „Café Reichert“ verabschiedet. Ein späterer Eintrag im Protokollbuch ergänzt hinter dem Namen Hermann Raphael „Amerika“.

 

Die folgenden Personen sind als aktive oder passive Mitglieder in den Protokollbüchern erwähnt: Hieronymus Mayer, passives Mitglied seit dem 17. November 1898; seine Witwe betreibt in der Weingasse 13 bis zum 1. Januar 1938 ein Kommissionsgeschäft und wandert dann mit ihren Töchtern Elsa und Klärchen nach England aus. Noah Nathan, geb. 1845, passives Mitglied seit dem 6. April 1899, Metzger am Marktplatz, 1931 nach Frankfurt verzogen, Metzgerinnungs-Obermeister, gestorben und beigesetzt 1932 in Friedberg. Joseph Nathan ist Mitglied seit dem 28. September 1899. Simon Nathan, geb. 1871, Metzger und Viehmakler in der Ingelheimer Straße 10 wird am 12. Dezember 1898 als Nr. 37 der Aktiven in der Mitglieder-Liste verzeichnet. Simon Nathan meldet sich 1935 nach Koblenz ab und stirbt in Luxemburg. Leopold Rosam, geb. am 21. Februar 1874, passives Mitglied seit dem 31. August 1906, aktives seit dem 26. Juni 1907. Er ist Inhaber des Ellen-, Wollwaren- und Schuhgeschäft Ecke Langgasse/Ockenheimer Straße.1916 stirbt er im Alter von 42 Jahren als Soldat. August Seligmann, geb. am 10. Dezember 1841, passives Mitglied seit dem 31. August 1906, ist Inhaber eines Geschäftes für Eisen- und Spezereiwaren sowie für Spielkarten in der Langgase 4. Er stirbt am 14. Mai 1909. Hieronymus Seligmann, passives Mitglied seit dem 7. Dezember 1899, meldet am 22. Mai 1892 einen Weinhandel, Spezereien und Eisenhandel an. Emma Nathan und Auguste Nathan nehmen an der Vorstandssitzung vom 8. März 1904 im Wirtslokal "Zur Traube" bei Heinrich Hemmes anläßlich der Bannerweihe teil und zählen am 19. und 20. Juni 1904 zu den Festjungfrauen.

 

 

All Heil“ - „Heil Hitler“

Der 4. Band der Protokollbücher des Radfahrervereins 1898 Gau-Algesheim wird am 19. November 1932 angefangen. Es ist für 1.70 RM erstanden worden. Insgesamt 136 Seiten umfassend, füllen die Seiten 130 ff. die Mitgliederverzeichnisse der Jahre 1934 bis 1940. Vermerke in diesen Listen stammen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Datum der Beendigung dieses Bandes ist der 17. Januar 1947 nachgetragen. Die regelmäßigen Eintragungen reichen bis zur Seite 109 und schließen mit dem Protokoll einer Sport- und Vorstandssitzung am 12. Januar 1939 im Gasthaus Kiesel, unterschrieben von Vereinsführer Jean Kling und dem Schriftführer Georg Hattemer; dann folgen drei lose Blätter, das letzte unter dem Datum des 28. April 1940.

Das Protokoll der Monatsversammlung vom 19. November 1932 beschließt der Protokollant Adolf Schmitt (in Vertretung des verhinderten Johann Krichten) so: Mit großer Sehnsucht auf die Schlußworte unseres 1. Vorsitzenden warteten die Sportkollegen, damit der frühe Abschluß noch etwas durch Skatspielen ausgenutzt kann werden und mit einem dreifachen „All Heil“ verkündeten Sportkollege Wilhelm Hassemer den Schluß der heutigen Versammlung. Die folgenden Versammlungen am 10. und 17. Dezember 1932 sowie am 14. und 28. Januar 1933 beschäftigen sich mit den üblichen Themen: Vorbereitung eines Saalsportfestes und des traditionellen Maskenballs, Kassen- und Revisionsbericht, Aufstellung des Budjets, Rechenschaftsbericht des 1. Fahrwartes, schließlich die Vorstandswahl, bei der Moritz Raphael als Wahlleiter fungiert. In welchem zeitlichen Kontext die Versammlungen stattfinden, lassen zwei Bemerkungen erahnen: Unter Punkt Verschiedenes kam das Schreiben des Winterhilfsausschusses zur Beratung zwecks Stiftung zur Winterhilfe. Der Vorstand ist sich geschlossen einig, daß das Gesuch der Ablehnung verfällt mit dem Zusatz, daß, falls unsere Veranstaltung finanziell günstig verläuft, etwas gestiftet werden soll, da andererseits wir sonst nicht in der Lage sind infolge der schlechten Kassenlage einen Beitrag zu leisten (10. Dezember 1932). Um dem Vorstand vor Erwerbslosigkeit zu schützen bleibt derselbe wie seither in seinem Amt, mit Ausnahme des Fähnrichs. Da der seitherige Fähnrich Fritz Becker als 2. Schriftführer fungiert meldet sich nach langem Suchen Sportkollege Bernhard Deister, was allseits begeisterte Zustimmung und All Heil Rufe auslöst (14. Januar 1933). Der Vereinsvorstand hat nun folgendes Gesicht:

1. Vorsitzender:          Wilhelm Hassemer

2. Vorsitzender:          Jean Kornley

Kassierer:                   Josef Deister

1. Schriftführer:          Johann Krichten

2. Schriftführer:          Fritz Becker

Beiräte:                      Adolf Schmitt, Jean Hellmeister,  Franz Deister

Sportausschuß:           Franz Deister, Franz Lanius, Franz Kling,  Johann Hessel

Zeugwart:                   Josef Kaiser

Bannerfahrer:             Bernhard Deister

Beifähriche:                Joh. Kronenberger

Ehrengericht:              Franz Sommer, Nikolaus Link,  Moritz Raphael

 

Am 19. Juni 1933 findet eine Außerordentliche Generalversammlung mit den beiden Tagesordnungspunkten 1. Gleichschaltung, 2. Bundesfest statt. Der anwesende Bundesvorsitzende Georg Presser weist eingangs auf die Ziele der Gleichschaltung im gesetzlichen Sinne hin und bittet seine Person im Rahmen der heutigen Versammlung als neutral ansehen zu wollen. Nach der Mitteilung des Vorsitzenden Wilhelm Hassemer, daß der alte Vorstand seine Ämter zur Verfügung stellt, verfährt auf Vorschlag von Johann Kornely die Versammlung folgendermaßen: Sie wählt Wilhelm Hassemer mit vollem Vertrauen zu seinem ersten Führer. Unser neuerwählter Führer ernannte hierauf seine weiteren Unterführer (...) Sämtliche ernannten Herren nahmen ihre Ämter an und versprachen sich fernerhin mit allen Kräften einzusetzen zum besten und Wohle des Vereins.

 

Vorstand nach der Außerordentliche Generalversammlung 19. Juni 1933:

Führer:                         Wilhelm Hassemer

Unterführer:                Johann Hellmeister

Kassierer:                   Josef Deister

Schriftführer:              Johann Krichten

Beisitzer:                     Adolf Schmitt, Jean Kornely

Sportführer:                Franz Deister

1. Fahrwart:                 Franz Lanius

2. Fahrwart:                 Franz Kling

Inventarverwalter:       Josef Kaiser

Fähnrich:                     Bernhard Deister

 

Auf den ersten Blick sieht dies wie ein bloßer Austausch von Amtsbezeichnungen aus. Die Aufzeichnungen der folgenden Jahre bieten gleichermaßen Beispiele für die Kontinuität des Vereinslebens wie für die vom neuen Regime eingeforderten Veränderungen. So wird am 28. November 1934 der Antrag des Freiwilligen Arbeitsdienstes, der Verein möge die Reigenräder zur Verfügung stellen, (...) einstimmig abgelehnt, da die anwesenden Mitglieder über die Räder nicht allein verfügen können. Da der Sportbetrieb im Jahre 1934 fast ganz zum Erliegen kommt, wird mit Genugtuung aufgenommen, daß der neu gegründete Deutsche Radfahrer-Bund für den Radsport eine große Zukunft kommen sieht und von der Regierung großer Wert darauf gelegt wird um die Jugend im Banne echter Kameradschaft zu halten. Nachdem Wilhelm Hassemer mehrfach den Vorsitz niederlegen will und zuletzt nur noch geseschäftsführend amtiert, führt seit einer Außerordentlichen Generalversammlung am 2. April 1935 Jean Kling den Verein. Die Vorstandssitzung vom 15. April 1935 regt an, daß wenigstens einmal im Jahr eine gemeinsame Wanderfahrt durchgeführt werden soll, nachdem diese durch den ständig wachsenden Auto-Verkehr immer seltener geworden sind. Nachdem die Tagesordnung erschöpft ist, schließt der Vereinsführer um 11 ½ Uhr mit „All Heil - Hitler“ die harmonisch verlaufene Sitzung. Am 13. Juli 1935 wird aus diesem eigentümlichen Gruß ein „All - Heil - Heil - Hitler“! Die Mitglieder werden durch ein Schreiben der NSDAP aufgefordert, der NS-Volkswohlfahrt beizutreten. Als dann der Verein für den 8. Dezember 1935 mit 20 Sportskollegen zur Eintopfsammlung eingeteilt wird, ist man bereit, sich in den Dienst der guten Sache zu stellen und zur Einteilung sich jederzeit bereit zu halten. Die Zahl der Verbände, die an den Verein und seine Mitglieder herantreten, vermehrt sich in dieser Zeit um den Deutschen Reichsverband für Leibesübungen und den Musikschutzverband Stagma, dessen Rechnung für die Musikaufführungsrechte von 11.35 RM geradezu bescheiden ausfällt gegenüber dem Tanzerlaubnisschein des Kreisamtes in Höhe von 32 RM. In der Vorstandssitzung vom1. Februar 1936 kommt folgender Text unter dem Punkt „Verschiedes“ zur Verlesung: Das Jahr 1936 bringt uns Deutschen zur Olympiade eine staatliche Anzahl von Ausländern nach Deutschland. Es wird deshalb von der obersten Sportbehörde dringlichst darauf hingewiesen, daß beim Absingen des Deutschland- und Horst-Wesselliedes, wenn ein Ausländer den Deutschen Gruß nicht erweist, er nicht unsportlich oder sonst auf eine Art und Weise zurecht gewiesen wird.

Im Laufe der Zeit verstärken sich die verbalen Referenzen vor Führer und Reich, auch wenn meist ein distanzierender Ton mitschwingt: Als Anfang 1937 der Verein dem Winterhilfswerk nur einen Betrag von 5.00 RM bewilligt, fügt der Vorstand den Satz an: Den sportlichen Geist soll aber beweisen, daß der Verein auch weiterhin zur Erziehung der Jugend im Sinne unseres Führers Adolf Hitler beitragen wird. Das Protokoll beschließt die Passage: Mit einem dreifachen Sieg Heil auf den Führer und dem Sportgruß konnte die Sitzung seinen (!) Abschluß finden.

Der letzte ordentlich gewählte Vorstand vom 6. März 1937 setzt sich folgendermaßen zusammen:

1. Vereinsführer:         Jean Kling

2. Vereinsführer:         Johann Hellmeister

Ehrenvorsitzender:     Wilhelm Hassemer

Kassierer:                    Franz Wolf

1. Fahrwart:                 Willi Hassemer

2. Fahrwart:                 Josef Schmitt

Inventarverwalter:       Johann Hessel

Schriftführer:              Georg Hattemer

Beiräte:                       Ad. Schmitt, Johann Kornely, Jos. Kaiser,  Josef Deister

Sportleiter::                 Georg Presser

Wanderfahrwart:         Wilh. Hellmeister jr.

Bannerfahrer:              Bernhard Deister

Jugendleiter:               Hans Erbelding

Rennfahrwart:             Franz Lanius

Ältestenrat:                 Quirin Feser, Josef Heinrich, Johann Schaberger

Vereinsdiener:             Karl Kölsch

 

Am 28. April 1940 findet die letzte Generalversammlung im Kriege statt. Acht eingezogene Mitglieder haben Neujahrsgrüße durch den Verein erhalten: Josef Kaiser, Adolf Schmitt, Willi Hassemer, Erich Janicaud, Josef Hang, Franz Kleisinger, Casimir Reichert, Jakob Smink. Unsere Sportkameraden haben uns dafür herzlich gehaltene Briefe und Dank übersandt für das gute Einvernehmen von Front und Heimat, wir wollen auch das weiter so halten und wünschen ihnen allen eine glückliche Heimkehr und den Sieg unseres Vaterlandes. Außerdem stellte der Verein freiwillig seine gesamten Ehrenpreise, insgesamt 43 Pokale, dem Vaterland zur Verfügung.

Aus dem Sieg des Vaterlandes ist nichts geworden. Die glückliche Heimkehr bleibt vielen versagt: Karl Dengler, Willi Hang, Georg Hattemer, Karl Hattemer, Peterjosef Heinrich, Franz Kleisinger, Johann Kornely, Hans Kornely, Philipp Leoff, Jakob Smink, Franz Bischel, Willi Doll, Hans Erbelding, Peter Josef Hang, Nikolaus Hang, Franz Krichten, Ernst Krichten.

 

Friede im Sport - Friede in der Welt. Eine ganze Stadt feiert goldenes Vereinsjubiläum

Von Werner Kirchner

Am 23. Mai 1898, als das Fahrrad noch Veloziped genannt wurde und mit Vollgummi- und sogenannten Kissenreifen in den noch nicht so wie heute gepflegten Straßen richtiggehend Staub aufwirbelte, gründeten 21 begeisterte Gau-Algesheimer Radfahrer den „Radfahrerverein 1898 Gau-Algesheim“. Die Liebe zum Radsport war so überzeugend, daß noch im Gründungsjahr zwei Radrennen durchgeführt wurden, denen im Laufe der Zeit regelmäßig weitere Radrennen und Wanderfahrten folgten. Die Chronik berichtet auch von schönen auswärtigen Erfolgen des jungen, im Kreise Bingen bahnbrechenden Radfahrervereins. Der erste spürbare Rückschlag stellte sich mit Beginn des ersten Weltkrieges ein. Doch bereits im Jahre 1919 blühte die Vereinstätigkeit wieder auf, bis sie 20 Jahre später infolge des zweiten Weltkrieges vollkommen erlahmte. Nach dem Kriege war, wie bekannt, vorerst alle Vereinstätigkeit untersagt. Erst im Jahre 1947 wurde durch die Militärregierung die Bildung des Altsportvereins erlaubt, dem sich, um den geliebten Saalsport wieder ausüben zu können, die Mitglieder des ehemaligen Radsportvereins anschlossen. Als geschlossene Abteilung innerhalb der Sportvereinigung Gau-Algesheim wurde im Frühjahr der Beschluß gefaßt, am 28., 29. und 30. August das „goldene“ Jubiläum festlich zu begehen. Der Landessportausschuß nahm die Jubelfeier zum Anlaß, während dieser Zeit die Landesmeisterschaften im Saal-Radsport austragen zu lassen. So waren Anlässe genug vorhanden, eine würdige Jubelfeier aufzuziehen, für die Bürgermeister Bischel das Protektorat übernahm.

Der Festkommers

Die sich zu größeren feierlichen Anlässen besonders gut eignende Markthalle war am Samstagabend bis auf den letzten Platz gefüllt, als die katholische Kirchenmusik Gau-Algeheim den Kommers einleitete. Vereinsvorsitzender Johann Krichten entbot das Willkommen. „Gruß der Jugend“ hieß der sinnvolle Prolog, den Franz Fr. Deister verfaßt hatte und der von Frl. Hessel schwungvoll vorgetragen wurde. Nach einer Gesangseinlage des MGV Gau-Algesheim hielt der Protektor des Festes, Bürgermeister Bischel, die Festansprache. In der Verschreibung zum Sport, der ausschließlich der körperlichen Entwicklung und der gesundheitlichen Ertüchtigung dient, sei der Jugend ein Weg zu friedlichen Zwecken geebnet.

Mit der Beglückwünschung des Jubelvereins und der Bitte an die Jugend, nicht abseits zu stehen, wenn es gilt, eine neue Zeit und eine neue Zukunft zu schaffen, beendete Bürgermeister Bischel seine Ansprache. Anschließend nahm der Fachwart für Radsport beim Landessportausschuß Nikolaus Mayer, Hechtsheim, die Ehrung der Jubilare vor, darunter die Gründer und Ehrenmitglieder Johann Schaberger, Martin Driesel, Quirin Feser sen. und Toni Reidel. Außerdem wurden Franz Keßler, Willi Fetzer und Josef Müller für 40jährige sowie 42 weitere Vereinsangehörige für 25jährige treue Mitgliedschaft geehrt. Nach der Jubilarehrung überbrachte namens sämtlicher ortsansässigen Vereine Herr Domdey die Glückwünsche. Sämtliche Abteilungen der Sportvereinigung stellten sich mit verschiedenartigen Darbietungen zur Verschönerung des Abends zur Verfügung. Anmutige Tänze, schwungvolle Übungen am Barren sowie die erstaunlichen Leistungen im Einerkunstfahren des 42jährigen Leo Winternheimer aus Oberhilbersheim und der artistischen Vierer-Kunstfahrergruppe aus Undenheim rissen zu starkem Beifall hin. Diplome von auswärtigen Vereinen und Männerchöre der örtlichen Gesangvereine waren Jubiläumsgaben. Der Radfahrerverein Hechtsheim, den mit dem Festverein ein jahrzehntelanges herzliches Verhältnis verbindet, überreichte eine Fahnenschleife.

Die Landesmeisterschaften: Hechtsheim an der Spitze

Der Sonntagvormittag stand im Zeichen der Landesmeisterschaften im Saalradsport. Unter reger Beteiligung von 15 Vereinen aus ganz Rheinhessen wurden in der Markthalle die Meisterschaften im Reigen- und Kunstfahren und in der Turnhalle die im Radball und Radpolo ausgetragen. Die gezeigten Leistungen bekundeten allgemein sich steigendes Können. Vereinzelte Darbietungen im Kunstfahren gipfelten bereits im Reiche der Artistik. Besonders die Vierergruppen von Undenheim und Selzen waren Bravourstücke und rissen zu spontanen Beifallskundgebungen hin. Im Zweier-Radball war es der Zonenmeister Hechtsheim (Veith/Knödler), der mit seinem Können die Zuschauer in den Bann zog. Unter Aufsicht von Fachwart Nikolaus Mayer wickelten sich spannende und auf gutem Können fußende Darbietungen und Radballspiele ab. Bester Verein bei den Meisterschaften war Hechtsheim, dem ein Sonderpreis zuerkannt wurde. Der Nordzonenmeister holte sich im Radball der Zonenklasse mit Veith/Knödler vor der zweiten Hechtsheimer Vertretung (Mayer/Kopp) den Meistertitel. Auch im Zweier-Radball der Kreisklasse stellte Hechtsheim mit Schwinn/Beißmann vor Ober-Olm den Landesmeister. Bauß/Stenner (Hechtsheim) wurden Landesmeister im Radpolo. Die anderen Landesmeister sind: Sechser-Schulreigen (Saalmaschinen): Ober-Olm 204 P., Tourenmaschinen: Oberhilbersheim 196,8 P.; Sechser-Schulreigen Jugend (Saalmaschinen): Hechtsheim 203,1 P., Sechser-Damen-Reigen: Nieder-Saulheim 195,4 P.; Sechser gem. Reigen: Niedersaulheim 203, 5 P.; Einer-Kunstfahren Jugend: Oehrlein (Hechtsheim) 193,2 P.; Aktive: Winternheimer (Ober-Hilbersheim) 215 P.; Zweier-Kunstfahren Aktive: Becker/Kissel (Ober-Olm) 223 P.; Dreier-Kunstfahren Aktive: Undenheim 261, 4 P., Jugend: Selzen 218, 3 P.; Vierer-Kunstfahren: Undenheim I. 272,8 P.; Sechser-Kunstreigen: Finthen 262,3 P. Den 1. Preis im Blumenkorso holte sich Finthen mit 30,8 P. vor Ober-Olm mit 26,4 P., im Preiskorso Hechtsheim mit 17,6 P. vor Nieder-Saulheim mit 13,4 P. Am Nachmittag warben die meisten Landesmeister vor zahlreichen Zuschauern in der Markthalle mit ihren schönen Darbietungen für den Saal-Radsport.

Der Festzug

Ein Schmuckstück in der Reihe der Veranstaltungen war der Festzug, mit dem gleichzeitig ein Blumen- und Preiskorso verbunden war. Alle an den Landesmeisterschaften teilnehmenden Vereine ließen es sich nicht nehmen,. auch beim Festzug mitzuwirken, der sich unter starker Anteilnahme der Bevölkerung gegen 14.00 Uhr durch die reich mit Fahnen und frischem Grün geschmückten Straßen der Stadt bewegte. Den ersten Preis im Blumenkorso errang Finthen vor Ober-Olm, den des Preiskorso Hechtsheim vor Nieder-Saulheim. Nach dem Festzug wickelte sich bei reger Teilnahme der Bevölkerung in der Markthalle die Hauptfestlichkeit ab. Die musikalische Umrahmung besorgte in alter Manier die Kapelle Kleisinger, die auch am Vormittag die Musik für das Reigen- und Kunstfahren ausübte. Unter den Ehrengästen sah man Landrat Trapp, der später die Glückwünsche der Kreisverwaltung, des leider in Amtsgeschäften verhinderten Regierungspräsidenten  und die eigenen vermittelte, einen höheren Vertreter der Militärregierung in Bingen, den Geistlichen Rat Rudolf, Bürgermeister Bischel, den Stadtrat und viele andere.

Die neu gebackenen Landesmeister legten zur Verschönerung der Veranstaltung einige Beweise ihres Könnens ab. Hier waren es wiederum der Zonenmeister im Radball, Hechtsheim, und die Kunstreigenfahrer aus Undenheim und Selzen, die bei den Anwesenden reichhaltigen Anklang fanden. Als Abschluß wurde die Preisverteilung vorgenommen. Am Abend trafen sich alle Saalradsportler und ihre Gönner in der Markthalle beim Ball. Schöne Weisen der Kapelle Kleisinger hielten alt und jung noch recht lange fröhlich, zusammen. Der Montag war als Kehraus gedacht. Er wurde mit einem Frühschoppenkonzert in der Markthalle eingeleitet. Ein Volksfest am Nachmittag im Schulhof und am Abend der Schlußball beendete die harmonisch verlaufenen Festtage.

 

Allgemeine Zeitung vom 4. September 1948

 

Der Bau der Radsporthalle 1959/60 und die Erweiterungen von 1970 und 1988

Der Entschluß des Radsportverein Gau-Algesheim, eine eigene Trainingshalle zu errichten, hat drei Gründe und einen Vater. Hinter der Sache steckt Johann Krichten, Vorsitzender des Vereins von 1952-1967; zum Bau motiviert dreierlei. Zum ersten: bis 1949 sind die Gau-Algesheimer Sportvereine nach einer Anordnung der französischen Besatzungsmacht in der Sportvereinigung zusammengeschlossen. Nach der wiedergewonnenen Selbständigkeit der Vereine betreibt Anfang der Fünfziger Jahre der Sportverein 1910 e.V. wieder den Zusammenschluß, freilich mit anderen Absichten. Der Radsportverein steht von Anfang an dieser Entwicklung ablehnend gegenüber und bekräftigt dies mit dem deutlichen Beschluß einer außerordentliche Generalversammlung vom 25. September 1954 zu Gunsten des Fortbestands des Radfahrervereins. In dieser Sitzung wird erstmal offen vom Bau einer eigenen Halle gesprochen, die nur wenige aus den anderen Vereinen den Radfahrern zutrauen. Zum zweiten: die Trainingssituation in der Halle des Turnvereins „Eintracht“ und im Saalbau Kühn, in dem die meisten Veranstaltungen der Gau-Algesheimer Vereine und Verbände stattfinden, ist ganz und gar unbefriedigend. Die Trainer und Sportler machen 1952 in ihrer Not sogar den Vorschlag, die Fahrstunden ab sofort in die Markthalle zu verlegen.

Zum dritten und letzten: seit der Jahreshauptversammlung vom 16. März 1957 hat der Verein eine bis heute bewährte Organisationsstruktur für den Sportbetrieb gefunden: Sportausschußvorsitzender war Martin Wörsdörfer, 1. Fahrwart Hans Joachim, 2. Fahrwart Klaus Schön, Radballfachwart Ernst Rohleder. Zugleich ist eine wachsende Zahl an Schülern und Jugendlichen, die das Kunstradfahren oder das Radballspiel üben wollen, dem Verein beigetreten. Gerade diesen jungen Sportlern sollte es ermöglicht werden, sportliche Erfolge über den eigenen Verband hinaus zu erringen, wie dies z. B. seit Jahren dem Radfahrerverein Hechtsheim gelingt. Es muß also etwas unternommen werden. Sich auf den Zufall zu verlassen, gilt nicht bei Johann Krichten: die eigene Halle mußte her.

Die Jahreshauptversammlung im Weinhaus Jost am 28. Februar 1959 beschließt mit 38 Stimmen gegen eine Stimme bei drei Enthaltungen den Bau einer eigenen Trainingshalle. Für den Bauplatz schenkt die Witwe des ehemaligen 1. Vorsitzenden Wilhelm Hassemer (1912-1934) und Mutter des Kasserers Willi Hassemer ein Grundstück an der Appenheimer Straße; vom Nebenlieger Karl Kaiser wird weiteres Gelände erworben.

Den Bauplan fertigt August Rohleder nach den Maßen 15 auf 18 Meter an. Bauaufsicht und Anleitung der Helfer obliegen Josef Orlob, Maurerpolier von Beruf. Andere Mitglieder bringen ihre Fähigkeiten als Schlosser, Spengler oder Schreiner ein. Die Firmen Franz Bischel und Schmitt-Fleckenstein stellen ihre Lastwagen zur Verfügung, die Traktoren und Wagen der Landwirte im Verein sind regelmäßig im Einsatz. Weitere Unterstützung kommt von den Firmen Heinrich Rohleder, Heinrich Kempf und Wilhelm Jouaux.

Die Arbeiten werden meist in den Abendstunden und an Samstagen durchgeführt. Josef Orlob, väterlicher Freund der jungen und „Kommandant“ der älteren Bauhandwerker, treibt unentwegt und rührig das Bauwerk, während Johann Krichten mit einem guten Schluck „Gau-Algesheimer" die Arbeiter bei Laune hält. Sein Wahlspruch Auf, jetz werd erst emol getrunk! ist für alle stimulierend. Freilich reicht dazu keine Literware. Die Korbflasche mußte herhalten. Und so kommt es auch, daß Hans Fleckenstein und Werner Schmitt die Aufgabe haben, bei Johann Kronenberger eine Korbflasche „edlen Nasses" zu holen. Natürlich mit dem Motorroller, wie es sich zur damaligen Zeit gehört. Und das Unglück nimmt seinen Lauf. Beim Eintreffen an der Baustelle geht die Korbflasche zu Bruch. Dunnerwetter, faucht Johann Krichten, wie solle dann die Leit schaffe kenne, ohne emol zu trinke!?

Insgesamt werden bis zur Einweihung über 5600 freiwillige Arbeitsstunden durch die Helfer, von denen manche schon über 70 Jahre alt sind, erbracht. Besonders ausgezeichnet hat sich die erste Reigenmannschaft unter ihrem Fahrwart Hans Joachim, der noch heute das Amt des Hallenwartes ausübt. Der Wert der Halle wird auf 60.000 Mark geschätzt und durch die Eigenhilfe mit einem Kostenaufwand von 32.000 Mark erstellt. Mitglieder und Freunde des Vereins haben eine Barspende von 4.000 Mark zusammengebracht.

Am 8. Mai 1960 wird die Radsporthalle ihrer Bestimmung übergeben und durch Pfarrer Geistlichen Rat Josef Krämer eingeweiht. Als Gäste sind zugegen: Kaplan Willi Scherbaum, Bürgermeister Wilhelm Bischel, der Ehrenvorsitzende des Mittelrheinischen Radsportverbandes Nickel Mayer sowie zahlreiche Vertreten des kommunalen und öffentlichen Lebens. Den Schlüssel reicht der 1. Vorsitzende Johann Krichten an den 1. Fahrwart Hans Joachim weiter. Beim Bunten Nachmittag, aus dessen sportlichen Programm die Darbietungen des Einer-Kunst-Weltmeisters Heinz Pfeiffer (Schwenningen) sowie  von Gerhild Bauer und Binder/Plewa (RV Wörrstadt) herausragen, begeistern die unverwüstlichen Dreier-Kunstfahrer Mörbel, Runkel, Besant (RV Appenheim), die Weisenauer Rollschuhläufer, die Gruppe „Elf auf einem Rad“ der Sport- und Kulturvereinigung Mörfelden und der Kunstkraftsportler Norbert Emde (Laubenheim) die Zuschauer. Von den einheimischen Sportlern haben Otto Schmitt im Einer-, Waltraud Hessel und Elke Mayer im Zweier-sowie die Herrenmannschaft im Sechser-Kunstfahren die Ehre, ihr Können zu zeigen. Ein Festball mit dem „Melodia Trio“ unter Josef Noe, der traditionelle Frühschoppen mit der Katholischen Kirchenmusik und der Abschlußball am Montag schaffen einen würdigen Rahmen für den Start in eine gute Zukunft. Der sportliche Erfolg stellt sich bald ein und wird dokumentiert durch die Teilnahme von Sportlerinnen und Sportler an nationalen und internationalen Meisterschaften und den Einsatz bei Länderkämpfen.

Eine Erweiterung erfährt die Halle bereits im Jahre 1969/70 um sechs Meter durch den Anbau einer Küche, von Duschräumen, einem Jugendraum und einem Heizungsraum. Am 8. Mai 1988, 28 Jahre nach der Einweihung der Halle, kann ein weiterer Anbau zur Straßenseite hin seiner Bestimmung übergeben werden. Nach einer gründlichen Sanierung des Hallenbodens und der sanitären Anlagen in den Jahren 1995/96 bietet die Radsporthalle an der Appenheimer Straße die bestmöglichen Voraussetzungen für das Training der Sportler und das gesellige Leben des Vereins. Über 500 qm Nutzfläche zu pflegen und instandzuhalten sowie sie für familiäre oder gesellschaftliche Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen, dies ist nur möglich, weil die Mitglieder des Vereins, vor allem die Frauen und Männer der Wirtschaftskommission sowie der Bautrupp, Zeit, Energie und viel Herzblut dem Verein und der Radsporthalle widmen.

 

Die Möglichkeiten, die das Grundstück erlaubt, sind heute ausgereizt; als ein Glückfall erweist sich bei jeder Veranstaltung der städtische Parkplatz direkt neben der Radsporthalle. Unter dem Dach der Radsporthalle finden die Sportler gute Trainingsbedingungen: eine Spielfläche, die den international vorgeschriebenen Maßen von 14x11 Metern entspricht, zwei Dusch- und Umkleideräume von insgesamt 32 qm, zwei Räume für das Radmaterial der Kunstfahrer und Radballer sowie eine Werkstatt, die insgesamt knapp 63 qm umfassen. Ein Versammlungraum von ca. 46 qm wird ebenso regelmäßig genutzt wie der Lagerraum von 51 qm für das Mobiliar der Halle und andere Materialien. Schließlich kann die 248,5 qm große Halle für Veranstaltungen für ca. 250 Personen mit Tischen und Stühlen eingerichtet werden. Thekenraum und Küche erlauben es, diese Zahl an Gästen auch zu verköstigen.

 

So bestimmt die Radsporthalle - als Idee, Schmuckstück und Last - das Leben des Vereins über fast ein halbes Jahrhundert. Die Generation der Sportler und Vereinsmitglieder, die nach dem Zweiten Weltkrieg dem Verein beigetreten sind und die bis heute sein Gesicht in der Öffentlichkeit wesentlich bestimmen, ist mit ihrer Halle eng verbunden. Deshalb ist es auch kein Zufall, daß einer aus dieser Generation, Hans Joachim, seit nun fast 33 Jahren als Verwalter für die Radsporthalle Verantwortung trägt.

 

Hermann und Robert Schön gewinnen den Europa-Cup

Den 21. Mai 1977 werden Hermann und Robert Schön nicht vergessen: die beiden Gau-Algesheimer Radballer, der 18jährige Bauschlosser-Lehrling und der 17jährige angehende Augenoptiker haben überraschend den Europa-Cup der Junioren im Zweier-Radball gewonnen. Noch am ersten Tag des Wettbewerbs im niederländischen Heerlen hatten die tschechischen Brüder Miroslav und Karel Bergr wie die sicheren Turniersieger ausgesehen, während die Deutschen sich mit knappen Siegen gegen die Schweiz und Belgien sowie einem 2:2-Remis gegen die überraschend starken Franzosen zufrieden geben mußten. Wie dann aber am zweiten Tag nach klaren Siegen über Österreich (11:0) und Dänemark (8:0) der Umschwung kommt, darüber schreibt der RADSPORT vom 23. Mai 1977:

War das ein Endspiel! Diese Spannung, die gebotene Klasse. Alles stimmte. Und Gott sei Dank, nach zweimal fünf Minuten Spielzeit auch das Ergebnis: 6:3 für Hermann und Robert Schön aus Gau-Algesheim. Sie hatten das schier schon Unmögliche wahrgemacht, das Ruder im richtigen Moment herumgeworfen, den Europapokal in einem an Dramatik nicht zu überbietenden Spiel gewonnen. Schon der erste Spielzug im Endspiel nach dem Anpfiff führte durch Hermann Schön zum vielumjubelten 1:0 und noch vor Ablauf der ersten Spielminute hieß es 2:0, dieses Mal durch Robert.

Aber auch die Schlachtenbummler der anderen Seite hatten Grund zum Jubeln; denn direkt im Anschluß an das 2:0 fiel das 2:1. Kaum 100 Sekunden alt war das Endspiel zweier spielstarker Mannschaften, als der Hallensprecher das 3:1 verkündete. Hermann hatte dem tschechischen Torwart Karel Bergr keine Chance gelassen, wie auch gut ein Minute später wiederum Bruder Robert, der den Pausenstand von 4:1 herstellte.

Einige Minute der Ruhe, der weiteren Motivation auf beiden Seiten und dann ertönte der Anpfiff zur zweiten Halbzeit, die eineinhalb Minuten torlos verlief, ehe Miroslav Bergr nach einem Mißverständnis in der deutschen Mannschaft das 2:4 erzielte. Weitere 40 Sekunden später das 5:2, erzielt durch Robert Schön, aber Bruder Hermann mußte fast direkt im Gegenzug das dritte Gegentor zum 3:5 hinnehmen. Die ‘Deutsch­land, Deutschland’-Rufe verstärkten sich noch einmal, und davon stimuliert ließen die sympathischen Brüder nicht locker, griffen unbarmherzig an und erzielten eine Minuten vor Spielschluß den letzten Treffer zum 6:3. Der Sieg war perfekt, die Freude riesengroß, wobei manch einer auch den Freudentränen freien Lauf ließ.

Zuhause empfangen zahlreiche Radsportfreunde und Bürger der Stadt die stolzen Sieger und geleiten sie in einem Zug mit Kutsche und der Katholischen Kirchenmusik zur Radsporthalle. Bürgermeister Franz-Josef Bischel und der Beigeordnete der Verbandsgemeinde Horst Dorée beglückwünschen Hermann und Robert Schön zu ihrem Erfolg. Etwas abgespannt, aber sichtlich glücklich und befreit von den Anstrengungen der letzten Tage, lassen sich die Brüder zusammen mit dem Bundestrainer Klaus Bernais in der Radsporthalle feiern. Der Vorsitzende Werner Schön würdigte die große Leistung als Auszeichnung für den Verein und alle, die zum Erfolg beigetragen haben.

Hermann und Robert Schön gewinnen 1977 in Straubing den Titel eines Deutschen Jugendmeisters. Sie vertreten Deutschland bei zahlreichen Länderkämpfen und werben für den Hallenradsport in Kenia und Japan. Als Aktive etablieren sie sich zweithöchtsen Spielklasse, der großen Sprung auf nationaler und internationaler Ebene bleibt ihnen versagt, nicht zuletzt, weil die schwere Verletzung, die Hermann Schön vor den Erfolgen in Heerlen und Straubing erlitten hat, im Laufe der Zeit sich verschlimmert.

 

"De Kölsche Kall" lebt nicht mehr

Knapp vier Monate nach seinem 91. Geburtstag ist Karl Kölsch, das älteste Mitglied des Radsportverein, am 16. Januar 1994 gestorben. Mit ihm verlieren die Gau-Algesheimer Radfahrer, aber auch unser städtisches Gemeinwesen einen Mitbürger, der nicht erst mit seinem hohen Lebensalter Aufmerksamkeit auf sich zog. Karl Kölsch war ein einfacher Mensch, der ein Leben lang hart gearbeitet hat. Er lebte aus einem tiefen Humor und viele von denen, die ihn kannten, hat er mit seiner Direktheit und seiner Fröhlichkeit angesteckt. Für die alten Radfahrer stellt sich jetzt die Frage: Wer wird jetzt die Fröschelscher oostimme...?

Wie wir Karl Kölsch wahrgenommen haben, mag unterschiedlich sein, und was das Leben ihm gegeben und was es ihm vorenthalten hat, mögen am besten seine Angehörigen beurteilen können; viele Mitglieder des Radsportvereins haben zwei bestimmende Eindrücke von Karl Kölsch gewonnen. Das eine charakterisiert den jetzt Verstorbenen als den Adjutanten des langjährigen Vereinspräsidenten Jean Krichten, als einen treuen und zuverlässigen Helfer des Vereins bei vielen Gelegenheiten; der zweite Eindruck rührt her von dem Interesse, der inneren Wachheit für das, was um ihn herum geschah, was sich bei den Radfahrern und seinen geliebten Sängern ereignet. Diese innere Beteiligung am Vereinsleben hielt bis in die letzten Jahre seines Lebens an: beim Volksradfahren, bei den Neieowende und besonders deutlich zu spüren, als ihn der Verein im Feburar 1992 für eine 70jährige Mitgliedschaft ehrte.

Karl Kölsch wurde am 17. September 1902 in eine der ältesten Familie unserer Stadt geboren. Als er geboren wurde, begann im südlichen Afrika die Herrschaft der niederländischen Buren, die in unserem Tagen zu Ende gegangen ist. Deutsche Soldaten, die Kaiser Wilhelm II., ein Freund großer Reden, zwei Jahre zuvor mit den Worten verabschiedet hatte: Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht!, kehrten aus China vom BoxerAufstand zurück, während eine deutsch-britisch-italienische Kriegsexpedition gegen Venezuela fuhr, um Wirtschaftsinteressen der europäischen Mächte durchzusetzen. In unserer Stadt brannte noch kein elektrisches Licht, aber die Einweihung der Bahnlinie von Gau-Algesheim nach Bad Münster am Stein verbesserte die Verkehrsverbindung nach Westen. Das Faß Wein kostete zwischen 800 und 1100 Mark je Stück, im Kreis Bingen wurden 2.871 Pferde, 10.567 Stück Rindvieh und ein (!) Esel gezählt. Das Großherzoglich-hessische Volksschulgesetz legte die Größe einer Schulklasse auf 80, in Ausnahmefällen auf 100 Kinder fest, während die Lehrer als Höchstzahl 50 forderten. Am 20. November 1902 wurde entschieden, daß das von den rheinhessischen Alldeutschen geforderte Bismarck-Denkmal nicht auf Gau-Algesheimer, sondern auf Ober-Ingelheimer Gebiet errichtet werden solle. Der Bismarckturm wurde schließlich ein Jahrzehnt später am 12. Mai 1912 eingeweiht.

Der in Butzbach/Oberhessen 1902 geborene und 1963 in Mainz verstorbene Schriftsteller Ernst Glaeser hat seiner Generation mit dem Roman Jahrgang 1902 ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Zwischen den ersten Sätzen (Stillgestanden! Die Augen rechts! "Abzählen!) des Klassenführers und Turnlehrers Dr. Brosius und letzten („Das ist Anna?!“, frage ich leise und schüttele den Kopf. „Volltreffer“, antwortete der Landsturmmann, „was von ihr übrigblieb, haben wir zugedeckt...“) liegt die ganze Tragik der von Kriegs-, Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit geprägten Menschen, denen die großen Ideale im Laufe ihres Lebens abhandengekommen sind.

Karl Kölsch gehörte zu dieser Generation, er war seit dem 17. September 1922 Mitglied des Radsportvereins und einige Jahre als Rennfahrer aktiv. In den Protokollbüchern vor 1949 taucht sein Name nur einmal auf. Als in der Generalversammlung vom 6. März 1937 der Vereinsführer Johann Kling seinen Vorstand bestimmte, wie es die Satzung nach der Gleichschaltung vorsah, endete die Liste der Vorstandsmitglieder mit Karl Kölsch, Vereinsdiener.

Sport und Vereinsleben im Jahre 1997

Die folgende Darstellung zeigt, wie vielfältig die Aktivitäten des Vereins im Laufe eines Jahres sind. Zusammen mit den Vorbereitungen auf das 100jährige Stiftungsfest bilden sie ein dichtes Programm. Auch wenn sich die Mühen und Lasten, Freude und Bestätigung nicht gleichmäßig auf alle Vereinsmitglieder verteilen, so sind es doch viele, die zum Gelingen beigetragen haben: Helfende Hände der Mitglieder, aber auch von Menschen, die dem Radsportverein und seinen Unternehmungen freundschaftlich verbunden sind, Firmen, die den Verein nach ihren Kräften großzügig unterstützen, wie dies in den hundert Jahren Vereinsgesichte immer wieder gewesen ist, und nicht zuletzt all die, die durch den Besuch von Veranstaltungen den Helferinnen und Helfern des Vereins gezeigt haben, daß sich ihr Engagement gelohnt hat.

Fassenachtsumzug durch die Straßen der Stadt

Am 11. Februar beteiligen sich unter dem Motto 9x11 Jahre Radsport in Gau-Algesheim die Sportlerinnen und Sportler des Radsportvereins beim Umzug des CVGA am Fassenachtsdienstag. Trainer und Betreuer, vor allem der Radballabteilung, haben viel Zeit in einen Wagen investiert. Die bunt geschmückten Räder der Kunstfahrerinnen, Kunstfahrer und jungen Radballer sowie die Künste der Einradfahrerinnen präsentieren den Verein von seiner jungen und sportlichen Seite. Mit vielfältigen Werbemitteln aus dem FIAT-LANCIA-Sortiment werden die Zuschauer am Rande des Umzugs auf das Radfahrer-Jubiläum im Jahre 1998 hingewiesen.

Ehrung von Martin Wörsdörfer für 50 Jahre Mitgliedschaft

Anläßlich der Jahreshauptversammlung am 7. März, bei der er nach einem Krankenhausaufenthalt nicht anwesend sein kann, ehrt der Radsportverein Martin Wörsdörfer mit einem Zinnteller und einer Urkunde folgenden Inhalts: Der Radsportverein 1898 e.V. Gau-Algesheim am Rhein dankt seinem Ehren-Mitglied Martin Wörsdörfer für 50 Jahre treue Mitgliedschaft, langjährige aktive Mitarbeit als Trainer, Betreuer, Kampfrichter, Fachwart und Vorstandsmitglied sowie für seine Tätigkeit im Verband und in der Ehrengilde. Wir wünschen Dir, lieber Martin, der Du über den Radsport hinaus in unserer Stadt für Dein Engagement Anerkennung gefunden hast, Gesundheit, Wohlergehen und ein langes Leben im Kreise Deiner Familie, Verwandten und Freunde. Auszeichnung und Urkunde überreicht der 1. Vorsitzende nach der Genesung des Jubilars.

Obwohl Martin Wörsdörfer seit 1944 in Gau-Algesheim wohnt, verrät sein Zungenschlag noch immer Mundart und Tonfärbung der ursprünglichen Heimat. Ein knappes halbes Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wird er in Freilingen, im Oberen Westerwald, geboren. Für Martin Wörsdörfer gilt, was bis heute die typischen Produkte der Landschaft auszeichnet: „Wertvoll, weil aus dem Westerwald!“

Seit 50 Jahren ist Martin Wörsdörfer, der mit einer schweren Kriegsverletzung aus Rußland nach Hause kommt, Mitglied im Radsportverein Gau-Algesheim; in dieser Zeit hat er sich auch im Radsportverband Mittelrhein/Rheinhessen und über dessen Grenzen hinaus einen guten Namen erworben. Da er den Sport selbst nicht mehr aktiv ausüben kann, engagiert sich der kaum Dreißigjährige als Kampfrichter und Trainer im Kunst- und Gruppenfahren. In der Sparte Kunstfahren fungiert er als Kampfrichter bei regionalen Wettkämpfen, Vergleichskämpfen und allen Deutschen Meisterschaften zwischen 1965 und 1974.

Dem Vorstand des Radsportvereins Gau-Algesheim gehört Martin Wörsdörfer fast zwei Jahrzehnte als Sportausschußvorsitzender und 2. Vorsitzender an, im rheinhessischen Radsportverband übt er die Ämter des Sportausschußvorsitzenden, Kampfrichterobmannes und Lehrwartes aus. In der „Ehrengilde“ des Verbandes, dem Zusammenschluß ehemaliger Radsportler und Funktionäre zur Pflege der Freundschaft und Geselligkeit, leistet er von 1985 bis 1995 wertvolle Dienste als Geschäftsführer.

Für seinen ehrenamtlichen Einsatz hat Martin Wörsdörfer Auszeichnungen des Vereins, verschiedener Radsport-Landesverbände und des Bundes Deutscher Radfahrer sowie des Sportbundes Rheinhessen erhalten.

Kunstfahrerinnen im internationalen Wettbewerb

Am 26. April 1997 starten morgens um 7.00 Uhr die sechs Kunstfahrerinnen des Radsportvereins mit dem FIAT-Bus des Autohauses Weis in Richtung Schweiz. Ziel ist Basel, wo im Stadtteil Binningen seit vielen Jahren ein attraktiver internationaler Cup im Kunstradsport stattfindet. Nach zügiger und reibungsloser Autofahrt, Erkundung der lokalen Gegebenheiten, Testen der Fahrfläche, Bezug des nahegelegenen Hotels sind die Sportlerinnen pünktlich zum Veranstaltungsbeginn um 13.00 Uhr im Kronenmattsaal von Binningen.

Anders als in Deutschland es üblich ist, werden die Wettkämpfe in Binningen nicht in der Reihenfolge der einzelnen Disziplinen durchgeführt; vielmehr ist das 50 Starter starke Teilnehmerfeld bunt zusammengewürfelt: Immer zur vollen Stunde beginnen die Sportler in einem Siebener-Block mit ihrem jeweils sechsminütigen Programm. Die verbleibende Zeit bis zur nächsten Stunde nutzen das Kampfgericht zur Bewertung und die Sportler zum Einfahren.

Mit Startnummer 11 geht der Frauen-Vierer des RSV, gefolgt von den Damen des VfH Worms in den Wettbewerb. Je zwei Mannschaften aus Luzern, Uzwil und Aach komplettieren das Feld im Vierer-Kunstfahren. Am Ende siegte der VfH Worms. Die Gau-Algesheimer in der Besetzung Pia Bischel, Karin Domerecki, Claudia Krollmann und Andrea Schaberger belegen mit 292,05 Punkten in der Konkurrenz deutscher und schweizer Spitzenteams den 5. Platz. Diese gute Leistung nährt die Hoffnung, daß auch die 300 Punkte für die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft bei einem der offiziellen Wettbewerbe noch erreichbar sind.

Im Sechser-Mannschaftsfahren sehen die Rheinhessen mit Erstaunen, daß die Schweizer bereits das im deutschen Verband nur diskutierte gemischte Mannschaftsfahren praktizieren. Frauen- und Männermannschaften sowie gemischte Teams starten in einem gemeinsamen Wettkampf. Obwohl die Gau-Algesheimer mit Pia Bischel, (die Simone Hassemer ersetzen muß), Kathrin Dickenscheid, Karin Domerecki, Nina Gläser, Claudia Krollmann und Andrea Schaberger (aufgestellte Punktzahl: 295) gegen so starke Männerteams wie Bischofsheim (362,4) oder Frohnlach (377,6) antreten müssen, belegen sie mit 264,3 Punkten einen hervorragenden 5. Platz.

Nach dem gemeinsamen Abendessen und der Siegerehrung steigt die Sportlerparty. Die Sportlerinnen und Sportler aus Bischofsheim, Ebersheim, Gau-Algesheim und Worms, die sich untereinander gut kennen, beweisen wie die Gastgebern vom Oberrhein, daß auch die Menschen vom Mittelrhein zu feiern verstehen. Bis in den frühen Morgen wird getanzt und gelacht. Gut gestärkt nach einem reichlichen Frühstück treten die Sportlerinnen am Sonntagmorgen die Heimreise an. Der Dank der Sportlerinnen und des Vereins gilt dem AUTOHAUS WEIS für die Bereitstellung des Fahrzeuges, wodurch die Kosten für die Fahrt deutlich vermindert werden.

Die Gau-Algesheimer Radballer spielen wieder oben mit

Zuletzt waren es nur noch Peter und Matthias Schön in der Rheinland-Pfalz-Liga sowie Hermann Schön und Stefan Hassemer als Schiedsrichter, die den Radballsport des Vereins repräsentierten. In den letzten Jahren ist es aber gelungen, junge Spieler für das Radballspiel zu begeistern und Trainer und Betreuer zu finden, die ein regelmäßiges Training und die Begleitung zu den Spieltagen gewährleisten. Was unter dem Radballfachwart Heinz Schmitt begonnen hat, wird nun namentlich von Rainer Kaiser, Herbert Hemmkeppler, Peter und Matthias Schön und vielen ungenannten Helferinnen und Helfern fortgesetzt. Vor allem im Jahre 1997 hat die Arbeit Früchte gezeitigt. In der Rheinland-Pfalz Liga gewinnen Peter und Matthias Schön am 21. Februar 1997 die Vizemeisterschaft, um zwei Wochen später in Ober-Olm den Titel eines Südwest-Meisters, für den sie am Abend des Sports durch Stadtbürgermeister Clausfriedrich Hassemer geehrt werden, zu erringen. Bei der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga am 10. Mai in Waldrems belegen sie leider nur den 5. Platz.

Bei den Spielen der Schüler A gelingt Michael Hassemer und Florian König der Gewinn der Rheinland-Pfalz-Vizemeisterschaft. Am 5. April schlagen sie sich im Viertelfinale zur Deutschen Meisterschaft in der heimischen Radsporthalle mit einem 4. Platz achtbar gegen Gener, die sehr viel länger als sie Radball spielen.

 

Überraschend und erfreulich zugleich entwickelt sich die Saison bei den Schülern B. Vier Mannschaften des RSV treten in dieser Altersklasse an und verzeichnen am Ende der Spielrunde folgende Resultate: Christian Hemmkeppler/Johannes Schön werden Rheinland-Pfalz Meister, Jens Hassemer/Alexander Krug Vizemeister, Peter Gerharz und Sebastian Kaiser belegen den 5., Denis Liebetanz/Sebastian Hörichs den 8. Platz.

Nach zwei Spieltagen um die Südwestmeisterschaft in Gau-Algesheim und Humes haben sich am 15. März Hemmkeppler/Schön als Südwestmeister, Hassemer/Krug mit dem 3. Platz und Gerharz/Kaiser mit dem 5. Platz für das Viertelfinale zur Deutschen Meisterschaft qualifiziert. Am 5. April 1997 schaffen in Ailingen am Bodensee Hemmkeppler/Schön Platz 1 und Hassemer/Krug Platz 3, im sauerländischen Iserlohn Kaiser/Gerharz ebenfalls Platz 3, so daß erstmals seit 1984 wieder Radballer aus Gau-Algesheim an der Tür zur Deutschen Meisterschaft klopfen. Auch wenn es beim Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft am 26. April 1997 in Chemnitz für Hemmkeppler/Schön, in Leipzig für Hassemer/Krug und in Gau-Algesheim für Gerharz/Kaiser diesmal noch nicht zur Qualifikation reicht, gehören sie doch bei diesen Turnieren zu den 24 besten deutschen Schülermannschaften.

Der erster Radtreff führt an die Nahe nach Niederhausen

Im 99. Jahr seines Bestehens greift der Radsportverein mit sonntäglichen Wanderfahrten Traditionen auf, die der Verein in seinen Anfangsjahren und nach dem Ersten Weltkrieg gepflegt hat. Der erste RSV-Radtreff, vom 2. Vorsitzenden Wolfgang Schneider ausgewählt, führt am 25. Mai 1997 von der Radsporthalle insgesamt 23 Teilnehmer auf einer von der Länge anspruchsvollen Strecke über Ockenheim und Büdesheim zum Radwanderweg „Naheland“. Entlang der Nahe berührt die Route Dietersheim, Grolsheim, Gensingen, Langenlonsheim und Bretzenheim, bis die Gruppe nach 30 km Bad Kreuznach erreicht. Kleinere Defekte können die Helfer um Wolfgang Schneider und Hermann Schön beheben, auch die schnelleren Fahrer ordnen sich dem gemeinsamen Tempo unter. Das angenehme Wetter, trocken und warm, aber nicht zu heiß, kaum Gegenwind, die am Vormittag nicht allzu stark befahrene Strecke sowie der durchweg gut befahrbare und sorgsam ausgeschilderte Radwanderweg lassen die Tour zu einem angenehmen Erlebnis werden. Über Münster am Stein gelangen die Fahrer bis zur Mittagszeit an den Nahe-Stausee in Niederhausen. Die steilen Felsen bei Norheim können von dem Radfahrweg, der über einen stillgelegten Bahndamm führt, in Ruhe beobachtet werden. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wird die Rückfahrt angetreten. Am Bahnhof in Bad Kreuznach nimmt der Bus der Fa. „Schön Fahrräder“ die Räder derjenigen auf, die nach 50 km ihr Tagespensum geschafft haben und mit dem Zug nach Hause fahren. Vor den Übrigen liegen bis zum Ziel noch weitere 30 km, die den Geübten leichter, den Untrainierten schwerer fallen.

Die weiteren Radtreffs des Jahres 1997 führen durch das Selz- und Welzbachtal, über Heidenfahrt und Budenheim auf die rechte Rheinseite nach Eltville sowie über Büdesheim und Bingen nach Rüdesheim und Geisenheim.

Mit Bahn, Schiff und Sessellift Familienausflug nach Boppard

Am 8. Juni bringen Bahn, Sessellift und den Schiff die Teilnehmer des Familienausfluges in das Tal der Loreley und die alte Stadt Boppard. An der größten Rheinschleife gelegen, umschließen die Grenzen der Stadt seit Mitte der Siebziger Jahre Hirzenach und Bad Salzig und reichen bis weit in den Hunsrück hinein. Die Fahrt bietet Gelegenheit, Boppard und den Rhein aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen: nahe an den Häusern und den Resten der mittelalterlichen Stadtmauer bei der Einfahrt mit dem Zug, aus der Vogelperspektive vom Vierseenblick oder bei der Fahrt mit dem Sessellift und schließlich vom Rheinstrom aus bei der „Panorama-Fahrt“ am Nachmittag.

Der Start mit den schönen Doppelstockwagen der Bahn verläuft nach Plan, wenn auch schleppend; der Zug erweist den beiden Binger Bahnhöfen ausgiebig seine Reverenz, aber da es draußen regnet, stören die Aufenthalte die Reisenden wenig. Was kann man auch für das Wochendticket mehr erwarten?! In Boppard klart der Himmel auf; vom gewöhnungsbedürftigen modernen Bahnhof, der die Erinnerung an das Schmuckstück seines Vorgängern auf Schritt und Tritt belebt, streben die Ausflügler zur Talstation des Sesselliftes, der zum Vierseenblick hoch über dem Rheintal führt. Sie erreichen bei trockenem Wetter den Aussichtspunkt, von dem aus die Rheinschleife sich als vier Seen darbietet, in 20 Minuten mit dem ruhig laufenden Lift oder wie Charlotte Lattke und Liesel Kölsch zu Fuß in einer ½ Stunde. Auf der Höhe wartet das traditionelle Frühstück im Grünen, von fleißigen Händen vorbereitet und von Emil Hattemer sicher transportiert.

Nach dem Abstieg bei strahlendem Sonnenschein streben die Besuchen auf kurzen Spaziergängen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt: zu den Resten des römischen Boppards, den engen Stadtvierteln mit Straßennamen wie Bingergasse, Balz, Walburgisgäßchen, Christengasse, Volksgasse, Pastorsgasse oder der ehemaligen Judengasse, die heute Eltzerhofstraße heißt, zu den prächtigen Kirchen und Klöstern und den herrschaftlichen Häusern des späten Mittelalters und des ausgehenden 19. Jahrhunderts oder zur kurtrierischen Burg unmittelbar am Rheinufer. Der nächste Fixpunkt im Programm ist eine „Panorama-Fahrt“ mit der „Sonnenschein“ auf dem Rhein. Die Kreuzfahrt zwischen Boppard, Kamp-Bornhofen und Bad Salzig beschließt eine Kaffeetafel aus dem eigenen Marketenderwagen. Obwohl mancher die Strapazen des Tages spürt, trifft sich fast die gesamte Gruppe im Museum der Stadt Boppard in der Burg. Keiner muß die Stunde im Thonet-Museum bereuen. Der 1796 geborene Schreiner Michael Thonet ist der berühmteste Sohn der Stadt Boppard. Mit der Holzbiegetechnik haben Michael Thonet und seine Söhne neben dem weltweit bekannten „Wiener Caféhaus-Stuhl“ wahre Kunstwerke aus Holz geschaffen. Gleichsam kongenial präsentiert Werner Treichel, pensionierter Direktor des Verkehrsamtes, die Schätze des Hauses: den schichtverleimten, kunstvoll geschwungenen „Bopparder Stuhl“, wertvolle Produkte in der für Thonet typisch gewordenen Bugholztechnik, wie den Stuhl Nr. 1 und Nr. 14, sowie mancherlei pfiffige Produkte von einem augenfälligen Gebrauchswert. Der Vortrag, bestes Infotainment, fesselt die kleinen wie großen Zuhörer und Zuseher und stellt so auf eine andere Art die Verbindung zu Thonet und seinen Stühlen her: wenn sich solides Handwerk verbindet mit dem inneren Feuer von Phantasie, Geist und Geschäftstüchtigkeit, lassen sich die Besucher auch von Stühlen faszinieren; sie nehmen ein Gewitter, das niedergeht, während sie im Museum sitzen, als Wink des Himmels, sie vergessen Ort und Zeit. Müßten sie nicht mit dem Zug zurückfahren, hätten sie Werner Treichel noch lange gelauscht...

Zum Abschluß versammeln sich die Ausflügler in der neuen Weinprobierstube im St. Nikolaushof. Die ersten Gäste vor der offiziellen Eröffnung erwartet Schmackhaftes aus Keller und Küche, so daß schließlich alle Mitglieder der Familien Emil und Klaus Hattemer ihren Beitrag zu einem gelungenen Familienausflug 1997 geleistet haben. Viele, so ist zu wünschen, werden irgendwann einmal wieder nach Boppard fahren, mit der Bahn, dem Schiff, dem Auto oder mit dem Fahrrad.

Gau-Algesheimer beim Festzug des RV 1897 Bischofsheim

Am 13. Juli nimmt der RSV 1898 e.V. Gau-Algesheim am Jubiläumsfestzug des Radfahrervereins 1897 Bischofsheim teil. Verbindungen zwischen den beiden Vereinen gibt es durch die Jahrzehnte der Vereinsgeschichte; vor allem im Gruppenfahren sind die Bischofsheimer, der erfolgreichste Hallenradsportverein im Bund Deutscher Radfahrer, immer einige Schritte voraus. Die Hessen, die unter den deutschen Radsportvereinen im Vierer- und Sechser-Kunstfahren seit Jahrzehnten einen Spitzenplatz behaupten, haben einem stattlichen Festzug mit über 50 Gruppen aufgestellt.

Hinter der Nummer 31 nehmen über dreißig Radfahrer aus Gau-Algesheim im Festzug Aufstellung. Radsportvereine aus der näheren Umgebung, aber auch aus Oberhessen und dem Rheinhessischen bilden zusammen mit den gut vertretenen Ortsvereinen eine bunte Reihe, die über zwei Stunden lang die Zuschauer am Rande der Ortsstraßen erfreut. Die Weinstädter führt Heinz Schaubruch an, der zusammen mit Franz Bischel die Vorbereitungen und den Schmuck der Fahrräder organisiert hat. Peter Schön fährt, flankiert von den Jüngsten Anna Schön und Daniel Schaubruch, das Vereinsbanner. Die mit frischen Blumen geschmückten Räder und die disziplinierte Gruppe finden bei den zahlreichen Zuschauern eine positive Resonanz. Die Gemeinde Bischofsheim repräsentiert Bürgermeister und Schirmherr Berthold Döß, der den Gau-Algesheimern seit seiner Mitgliedschaft im Verbandsgemeinderat kein Unbekannter ist.

Im Bürgerhaus treffen sich zum Abschluß des Festsonntags Zuschauer und Zugteilnehmer. Endlich den Durst zu löschen, ist für die meisten angesichts der schwülen Hitze die erste „Amtshandlung“. Der Vereinsvorsitzende Manfred Möller überreicht den Corsomannschaften eine Kiste rheinhessischen Weines, eine Äbbelwoi-Bembel und eine Bannerschleife zur Erinnerung. Unter den 18 Radsportvereinen belegen die Gau-Algesheimer den 1. Platz im Blumenkorso. So haben die Mühen über den freundlichen Beifall der Zuschauer hinaus auch offiziell eine verdiente Anerkennung erfahren.

Familiäre Atmosphäre und guter Sport bei denKunstfahrern

Die Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde der Sportlerinnen und Sportler sind am 20. Juli in großer Zahl in die Radsporthalle gekommen, als bei den Vereinsmeisterschaften Titel und Pokal im Einer-Kunstfahren vergeben werden. Wie vor Jahresfrist siegt Caroline Warth. Im Rahmenprogramm präsentiert der RSV die anderen Disziplinen im Zweier-, Vierer- und Sechser-Kunstfahren sowie im Zweier-Radball. Die Allerjüngsten zeigen die ersten Früchte der Trainingsarbeit und ernten dankbar den Beifall des Publikums, das bei gutem Sport, Kaffee und Kuchen einen angenehmen und unterhaltsamen Nachmittag in der Radsporthalle verbringt.

Pia Bischel, die Abteilungsleiterin Kunstfahren, hat zusammen mit ihren Helfern ein vierstündiges Programm aufgeboten, um die Radsportfreunde den Gipfelnstürmern der Tour de France abspenstig zu machen. „Hinter den Kulissen“ wirken Rainer und Theresia Kaiser sowie Hubertus und Beate Fetzer, an den Tischen des Kampfgerichtes Nina Gläser, Andrea Schaberger, Bärbel Schupp, René Bischel und vom Appenheimer Radsportverein Günther Meisenheimer. Die elf Sportlerinnen und Sportler der Schüler- und Jugendklasse starten zweimal in alphabetischer Reihenfolge. Ihre Leistungen werden auf den Durchschnitt der Saisonergebnisse bezogen, so daß die Jüngeren die gleichen Chancen wie die Älteren besitzen. Konstanz und Sorgfalt geben wie im Vorjahr den Ausschlag für Caroline Warth, der Ines Gläser, Antonia Dürsch, Jenniffer Steffes, Katharina Eckes und Anoosh Werner auf den nächsten Plätzen folgen. Caroline Warth und Ines Gläser haben in der zu Ende gehenden Saison regelmäßig ihre persönlichen Bestleistungen gesteigert und bis zum Abschluß konserviert. Die Berufung von Ines Gläser in den D-Kader des Landesverbandes ist Auszeichnung und Herausforderung in einem für die junge Sportlerin. Die Unterschiede in den Plazierungen der Vereinsmeisterschaft schlagen sich in den Urkunden, nicht aber am Tisch mit den Preisen nieder. Hier sind die Letzten die Ersten, und alles kommt wieder ins Lot, als sich die Teilnehmer des Wettbewerbes und der Schaudarbietungen gemeinsam den Fotographen fürs Familien- und Vereinsalbum stellen.

RSV-Equipe auf Tour zur Tour de France nach Colmar

Voll des Lobes sind die Reporter bei der 18. Etappe der Tour de France von Colmar nach Montbéliard über den Pfälzer Radprofi Udo Bölts. „Ich hatte heute einen guten Tag!“, spielt er die Tatsache herunter, daß Jan Ullrich, der Führende im Gesamtklassement, es in erster Linie ihm zu verdanken hatte, wenn er ohne Rückstand auf den attackierenden Richard Virenque über die Berge der Vogesen ins Etappenziel kam. Ob Udo Bölts sich noch an den Moment kurz nach dem Start vom Boulevard du Champ de Mars erinnert, als er nach dem „départ neutralisé“ mit einigem Abstand hinter dem Feld hergefahren ist, mag im Dunkeln bleiben; aber es geht durch ihn ein Ruck, als ihm in der Rue Kléber von Straßenrand Heinz Schaubruch ein aufmunterndes „Udo“ zuruft. Bölts dreht den Kopf unwillkürlich in die Richtung, aus der der Ruf kommt, und mit einem schnellen Antritt ist er um die Ecke in der Rue des Clefs verschwunden.

Eine kleine Equipe des Radsportvereins hat die Gelegenheit genutzt und ist am frühen Morgen des 24. Juli 1997 ins Elsaß gefahren, um in Colmar die Vorbereitungen und den Start zur letzten Bergetappe der 84. Tour de France zu verfolgen. Dabei ist natürlich Heinz Schaubruch, der über viele Jahre die Rennfahrer-Gruppe des RSV betreut hat. Aus dieser Zeit kennt er auch die Bölts-Brüder aus dem pfälzischen Heltersberg. Unruhig durchstreift er die Place Rapp und den Champ de Mars, um das Quartier des Teams Telekom zu finden; leider vergeblich. Dennoch gibt’s viel zu sehen: die Mannschaften Polti und La Française des Jeux mit den hochmodernen Spezialmaschinen und dem zweckmäßig ausgestatteten Troß, das Zeltdorf für die VIPs, die fliegenden Händler an Rande des Geschehens, die Werbekolonne und schließlich die Bühne, auf der die Fahrer vorgestellt werden, bevor sie sich in die Starterliste einschreiben.

Da sind sie nun aus der Nähe zu sehen: Neil Stephens, der Sieger der Etappe von Fribourg nach Colmar, sein Kapitän Virenque oder Francesco Casagrande, der viel Beifall bei den Zehntausenden Zuschauern bekommt. Begeisterung und Erinnerungen rufen hervor Marco Pantani, der Gewinner von L’Alpe d’Huez, und Cedric Vasseur, der fünf Etappen lang den Maillot Jaune trägt, bevor er es an Jan Ullrich weitergibt. Und dann nacheinander Erik Zabel, Jens Heppner, Rolf Aldag, Christian Henn, Georg Totschnig, Giovanni Lombardi und Bjarne Riis; schließlich unter großem Beifall Jan Ullrich, über den die L’Equipe vom Tage unter dem Titel Toute l’Allemagne derrière Ullrich resümiert: La marche triomphale vers les Champs-Elyssées. Von Udo Bölts aber ist weit und breit nichts zu sehen, selbst als das Team Deutsche Telekom als führendes in der Mannschaftswertung präsentiert wird. Vielleicht ist es doch mehr ein erlöster Zuruf, als hinter dem Feld endlich die Startnummer 3 in den Farben des Teams auftaucht.

Nachdem die Zuschauermassen die Straßen zurückerobert haben, bleibt noch einige Zeit, um einen Blick auf die Schönheiten der Altstadt von Colmar zu werfen. Johannes Bischel, der Jüngste der Gruppe, faßt bei der letzten Rast zusammen, was alle fühlten: „Es war ein schöner und interessanter erster Ferientag.“

Rund 650 Teilnehmer beim 23. Gau-Algesheimer Volksradfahren

Seit 22 Jahren, am 14. September somit zum 23. Mal, gibt der Stadtbürgermeister den Startschuß zum Gau-Algesheimer Volksradfahren, das bis heute teilnehmermäßig zu den herausragenden Veranstaltungen dieser Art in Rheinland-Pfalz zählt. Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen laden förmlich ein, den Sonntagmorgen per Rad durch die Fluren der Stadt und der benachbarten Gemeinden zu genießen. Wie immer hat sich der Troß unentwegter freiwilliger Helferinnen und Helfer des RSV bemüht, optimale organisatorische Voraussetzungen sowie die sorgfältige Betreuung und gute Verköstigung der Teilnehmer zu gewährleisten. Nicht zu vergessen sind selbstverständlich die Dienste der Freiwilligen Feuerwehr und der DRK-Bereitschaft.

 Schon früh starten Stadtbürgermeister Clausfriedrich Hassemer, Vereinsringpräsident Theo Hattemer und mit ihnen die ältesten Volksradfahrer mit jeweils 84 Lenzen, Charlotte Lattke und Josef Bührmann. RSV-Vorsitzender Norbert Diehl begrüßt ausdrücklich die benachbarten Radsportvereine aus Appenheim, Armsheim, Budenheim, Ober-Olm und Undenheim sowie die Gruppe der Behinderten, die mit großem Elan den Rundkurs bewältigen. Zu ihnen gesellen sich die KJG, die beiden letzten Kerbejahrgänge, politische Parteien und eine starke Gruppe der DYWIDAG. Insgesamt gehen mit rund 650 Teilnehmer 20 Prozent mehr als 1996 auf die 24 km lange Strecke.

 Die Erinnerungsmedaille aus der Serie Gau-Algesheimer Köpfe zeigt 1997 das Konterfei des 1751 in Gau-Algesheim geborenen Malers der französischen Revolution, Johann Jakob Hauer. Norbert Diehl dankt in diesem Zusammenhang Erich Hinkel von der Verbandsgemeindeverwaltung für Unterstützung. Ein Wort des Dankes gilt auch Jürgen A. Weis vom FIAT-LANCIA-Autohaus, das mit einem Verkehrskindergarten das Spiele-Angebot für die Jüngsten bereichert hat. Nach Abschluß des Volksradfahrens erhalten die größten mitradelnden Gruppen Pokale, die für die Stadt Bürgermeister Hassemer, für die Verbandsgemeinde Bürgermeister Karl-Heinz Pfaender, sowie Repräsentanten der VR-Bank und des Autohauses Weis überreichen.

Esse, trinke und vezähle halten Leib und Seel’ zusammen

Da die Weinernte in diesem Jahr früh begonnen hat, wird zum traditonellen Neie-Owend mit Kartoffeln, Hausmachr Wurst und Sahneheringen diesmal vor dem Fest des Jungen Weines für den 2. Oktober eingeladen. Allein für diese Veranstaltung lohnt sich die Mitgliedschaft im Radsportverein, denn Küche und Keller wetteifern darum, die Vereinsmitglieder zufriedenzustellen. Dies gelingt nicht zuletzt deshalb, weil Elli Hassmer nach längerer Krankheit wieder in der Küche das Regiment führt. So verbringen die Alten und die Jungen gemeinsam einen gemütlichen und anregenden Abend in der Radsporthalle.

Deutsche Meisterschaften in Moers

Bei den Deutschen Hallenradsport-Meisterschaften am 16.-18. Oktober 1997 im niederrheinischen Moers ziehen sich die beiden Teams aus Gau-Algesheim gut aus der Affäre. Für vier der sieben Sportlerinnen ist es die erste Meisterschaftsteilnahme. Am Freitag war die Equipe mit einem Bus des FIAT-Autohauses Weis angereist, um noch am späten Abend die Gelegenheit zum Training zu nutzen. Die große Freude über die Qualifikation in letzter Minute hat Kräfte mobilisiert, so daß die nationalen Meisterschaften für die Sportlerinnen, ihren Betreuer Franz Bischel und die mit- oder nachgereisten Schlachtenbummel in jeder Hinsicht als ein Erfolg verbucht werden kann.

Für den Frauen-Vierer und -Sechser des Radsportvereins Gau-Algesheim kommt es im Sportzentrum Moers-Rheinkamp darauf an, eine gute Punktzahl herauszufahren und gegenüber der Starterliste den einen oder anderen Platz gutzumachen. Im Kunstfahren starten die Sportlerinnen und Sportler nach der Höhe der aufgestellten Punktzahl, die sich aus der Addition der Einzelübungen ergibt. Das Viererteam geht am Samstagvormittag als drittes mit 319,6 Punkten an den Start. Bereits die folgende Mannschaft aus Schwanewede hat mit 338,0 Punkten ein deutlich schwierigeres Programm zusammengestellt. Pia Bischel, Karin Domerecki, Claudia Krollmann und Andrea Schaberger fahren solide, erreichen mit 292, 87 Punkten bei strenger Bewertung ein gutes Punktergebnis und behaupten am Ende den 18. Platz. Im Sechser-Kunstfahren der Frauen sind 13 Mannschaften am Start; Gau-Algesheim trägt mit aufgestellten 299,2 Punkten das Schlußlicht. Karin Dickenscheid, Karin Domerecki, Nina Gläser, Sabine Hassemer, Claudia Krollmann und Andrea Schaberger überholen drei Teams und plazieren sich knapp hinter Frohnlach/Bayern und Mönchen-Gladbach-Neuwerk auf dem 10. Rang mit 275,33 Punkten. Diesen Platz behauptet der Sechser auch am Jahresende in der Nationalen Bestenliste.

Vorweihnachtliche Feier der Radsport-Familie

Mit einer vorweihnachtlichen Feier am 21. Dezember geht das Jahr 1997 zu Ende. Vor allem die Sportlerinnen und Sportler mit ihren Angehörigen versammeln sich ebenso wie die Aktiven der Wirtschaftskommission in der festlich geschmückten Halle. Die Feier gibt dem Verein Gelegenheit, am Ende des Jahres bei Kaffee und gespendetem köstlichen Kuchen den Mitgliedern für ihren unermüdlichem Einsatz zu danken.

Die Vorbereitung und Gestaltung der adventlichen Stunden liegt in Händen der Jugend-Referentin Bärbel Schupp. Sie wählt Lieder aus und übt mit den Sportlerinnen kleine Theaterstücke ein. Roland Wöhr mit seinen Mitarbeitern sorgt für den guten Ton und die musikalische Begleitung. Der Nikolaus besucht auf seiner letzten Tour vor Weihnachten alljährlich auch die Radsport-Familie. Für die Kleinen und die Großen hält er ein gutes Wort und ein kleines Präsent bereit, bis ihn die Versammelten mit einem Lieder wieder in die Dunkelheit verabschieden.