Die Gründung des Radsportvereins Gau-Algesheim am 23. Mai 1898
Am 23. Mai 1898 gründen im Gasthaus „Zum Deutschen Haus“ von Johann Josef Schaberger 15 Bürger der Stadt den „Radfahrerverein Gaualgesheim“.
Es wird beschlossen, einen Verein zu gründen, zu dem sofort als Mitglieder beitrrten: 1. Dr. Quirin Mayer, 2. Friedrich Kornely, 3. Jean Schaberger, 4. Willy Deister, 5. Ludwig Steil, 6. Wilhelm Presser, 7. Philipp Mergel, 8. Georg Kiesel, 9. Martin Driesel, 10. Quirin Feser, 11. Ludwig Röder, 12. August Kleisinger, 13. Johann Josef Schaberger, 14. Toni Reidel, 15. Nikolaus Rohleder.
Zum 1. Vorsitzenden wird der 29jährige Dr. med. Quirin Mayer gewählt. Das Vereinsabzeichen trägt rot-weiße Farben in der Mitte einen Kreis mit dem Stadtwappen und der Aufschrift Radfahrerverein Gaualgesheim 1898.
Der Radfahrerverein fährt beim 50jährigen Stiftungsfest des Gesangvereins „Cäcilia“ (26./27. Juni 1898) einen Blumencorso im Festzug und übernimmt das Meldereiten mit dem Fahrrad. Die ersten Vereinsrennen am 30. Oktober 1898 verzeichnen als Sieger: 14 km Erstfahren: 1. Toni Reidel, 29.15 Min., 2. Ludwig Röder, 30.10 Min., 3. Franz Deister, 32.10 Min.; 6 km Ermunterungsfahren: 1. Johann Lang (Sporkenheim),10.15 Min., 2. Jakob Schmitt, 10.59 Min., 3. Nicolaus Dengler, 11.05 Min.
Die Anfänge des Saalradsports in Gau-Algesheim
Als der Radfahrerverein Gau-Algesheim gegründet wird, steht von Anfang an auch das Saalfahren auf der sportlichen Programmpalette. Mit dem Besitzer des „Saalbaus“, K. Kaiser, wird über Miete und Licht verhandelt. Jeden Donnerstag um ½ 9 Uhr Abends finden die Übungsstunden statt, die Lichtkosten betragen monatlich eine Mark. Nach einem Beschluß des Vorstandes ist jedes aktive Mitglied verpflichtet, am Saalfahren theilzunehmen. Bei genügendem Grund kann ein Mitglied dispensiert werden. Ferner wurde beschlossen, die Uebungsabende auf Mittwoch und Freitag zu legen. Das Saalfahren wird zu einem festen Bestandteil von Festen und Bällen.
Zu dieser Zeit existieren in Gau-Algesheim neben dem „Saalbau“ in der Ingelheimer Straße zwei weitere Räumlichkeiten, die für den Saalradsport geeignet sind: der Saal im „Hotel Kaiser“ in der Ockenheimer Straße und die Halle des Turnvereins „Eintracht“, die im Jahre 1892 auf dem vereinseigenen Turnplatz an der Appenheimer Straße errichtet worden war.
Anläßlich der Bannerweihe am 19. Juni 1904 demonstrieren auf einer Bühne im Festgelände der Radfahrer-Verein Kirn und der Velocipedistenclub Kreuznach einen Vierer-Reigen, der Velocipedclub Bischofsheim und der Radfahrerverein Bretzenheim einen Achter-Reigen. Noch im selben Jahr wird der 1. Fahrwart Toni Reidel beauftragt, den Fahrwart des Bretzenheimer Vereins Wilhelm Schaffner fragen, wieviel er für das Lernen (!) verlangt. So stellen sich schon beim 10. Stiftungsfest des Radfahrer-Vereins Kirn am 9. Juli 1905 zum ersten Mal Reigenfahrer aus Gau-Algesheim der Konkurrenz. und erringen auf Anhieb einen 1. Preis.
Die Jahreshauptversammlung am 26. März 1907 beschließt, das Mitglied Heinrich Krebs aus Schwabenheim a.d. Selz mit der Beschaffung von sechs Reigenmaschinen der Marke „Opel“ zum Preise von insgesamt 320 Mark zu beauftragen. Die Versammlung legt gleichfalls fest, daß das bare Vereinsvermögen nur bis höchstens 200 M. von der hiesigen Casse abgehoben werden darf, solange die Reigenräder nicht voll bezahlt sind. Einzelne Mitglieder bürgen durch ihre Unterschrift für den Betrag der Reigenmaschinen und bleiben dieselben bis zur Zahlung Eigentum der Unterschriebenden.
Anfang 1908 werden mit dem Turnverein über die Benutzung der Turnhalle zum Training der Reigenfahrer Verhandlungen geführt. Die Zusage des Turnvereins kann allerdings den Niedergang des Reigenfahrens nicht aufhalten. Da nicht mehr genügend junge Sportler zur Verfügung stehen und das Vereinsleben insgesamt stagniert, faßt die Generalversammlung am 30. Dezember 1909 nach langen und heftigen Diskussionen folgenden Beschluß: Die Reigenmaschinen werden zum Stückpreis von 35 M. verkauft. Zu diesem Preis übernehmen von den anwesenden Mitglieder Frz. Jos. Völker, Moritz Seligmann, Nicolaus Dengler und Quirin Feser je ein Rad. Die Restschuld für die Reigenmaschinen wird durch die Vereinskasse gedeckt. Die Räder waren verschiedenen anderen auswärtigen Vereinen zum Kauf angeboten worden, jedoch konnte ein annehmbarer Preis nicht erzielt werden. Voller Resignation vermerkt der Protokollant Quirin Feser: Ferner konnte, wie schon vorerwähnt, durch das mangelhafte Erscheinen der Mitglieder keine entsprechende Aussprache wegen der Reigenmaschinen stattfinden. Auch wurde festgesetzt, keinen Maskenball abzuhalten und namentlich deshalb, weil das Vereinsinteresse unserer Mitglieder viel zu wünschen übrig läßt.
Erst viele Jahre später, bei einer Vereinsversammlung am 17. Mai 1920 steht das Thema „Reigenfahren“ wieder zur Debatte: Bericht Fahrwart Kling über Bischofsheim: Es ist festgestellt, daß alle sich dort beteiligenden Vereine tadellos auf de Höhe waren in jeder Beziehung, was Kleidung sowohl wie Sport anbetrifft. Es muß wohl bald mit dem Reigenfahren begonnen werden und stellt Fahrwart Kling den diesbezüglichen Antrag. 1. Fahrwart Presser wird dem Verein in der nächsten Monatsversammlung ein Programm entwickeln.
Am 23. Januar 1921 führt der Verein ein „Saalsportfest“ zum Zwecke der Werbung für den Saalradsport durch. Die Reigenmannschaften aus Ginsheim, Musik, Tanz und die Verlosung eines Fahrrades um Mitternacht finden einen guten Anklang, so daß nach Abschluß der Veranstaltung 2.438,10 Mark für die Vereinskasse übrig bleiben.
In den kommenden Jahren trainieren die Reigenfahrer gegen eine Saalmiete von 150,- Mark in der Turnhalle, nehmen an Saalsportfesten teil, wie z.B. in Bischofsheim oder in Mombach, wo die 6er-Reigenmannschaft beim Meisterschaftsreigenfahren am 6. November 1921 den 4. Preis erringt. In der ersten Januarwoche 1923 beginnen schließlich eine Jugendreigenmannschaft, eine Schulreigenmannschaft und eine Begrüßungsreigenmannschaft mit den Vorbereitungen für das Gaufest, das am 17. Juni 1923 in Gau-Algesheim stattfinden soll.
Die Anschaffung von Reigenrädern wird immer wieder zurückgestellt; einmal da die angeforderten Offerten noch nicht pünktlich eingelaufen sind, im Jahre 1923 schließlich verhindert die unruhige politische und wirtschaftliche Lage größere Entscheidungen: Der Einmarsch französischer und belgischer Truppen in das Ruhrgebiet sowie die Ausweisung von Personen, die sich am „Passiven Widerstand“ beteiligen, Aufstände gegen die Republik in Bayern und im Rheinland, schließlich die Verhängung des Ausnahmezustandes und die Inflation. Nach der Währungsreform vom 15. November 1923 nimmt der Vorstand einen neuen Anlauf und spricht sich über die Anschaffung von Reigenräder aus und glaubt, durch Ausgabe von Anteilscheinen zum Resultat zu kommen. Ein anderer Vorschlag geht dahin, man möge von jedem Mitgliede einen ausserordentlichen Betrag erheben, der dazu ausreichen würde, den Anschaffungsbetrag von 8 Reigenmaschinen zu decken (30. April 1924).
Ein weiteres Saalsportfest am 26. Oktober 1924 in der Turnhalle zeigt alle Disziplinen des Saalradsportes: Vierer- und Sechser-Schulreigen von Sportlern aus Heidesheim, Budenheim und Finthen, Radballspieler aus Budenheim und Radpolospieler aus Finthen. Vorstand und Mitgliedschaft fassen Mut und beschließen zum einen, acht Kunstsaalmaschinen der Marke „Diamant“ anzuschaffen und dafür 120 Anteilscheine zu je 5,- Reichsmark auszugeben, und zum anderen endlich am 10. Mai 1925 unter dem Protektorat von Bürgermeister Quirin Theobald Hattemer das 25jährige Stiftungsfest nachzufeiern.







